9 Gründe, warum wir von Südtirol nie genug bekommen

Hafliner

Jedes Jahr an denselben Urlaubsort? Womöglich in die Unterkunft, wo man die letzten 20 Male gewohnt hat? Ist das spießig, hab ich früher oft gedacht. Mittlerweile kann ich es zumindest teilweise verstehen. Ich bin immer noch viel zu neugierig auf die Welt, probiere gern ein neues Hotel aus, ein neues Lokal, einen neuen Weg. Manche Regionen aber, die kann man nicht einfach so abarbeiten mit dem Reiseführer in der Hand. Weil sie einen einfach überraschen. Kaum glaubt man, och ja, kenne ich alles schon, kommt von irgendwo her ein neuer Tipp. Einer, den oft nicht mal jeder Einheimische kennt.

Mir geht das in Südtirol so. Je öfter ich hinfahre, desto mehr habe ich das Gefühl, noch längst nicht alles zu kennen.

Ein paar dieser Gründe, warum Südtirol so anziehend ist und Tipps für erholsame Tage dort, habe ich für dich zusammengestellt:

1. Den Dolomieu-Weg von der Rosskopf-Seilbahn in Sterzing über Ladurns bis zum Talschluss des Pflerschtals laufen. Pflerschtal? Nie gehört? Immer noch ein Geheimtipp, nicht so überlaufen und mit beeindruckenden Ausblicken auf den Alpenhauptkamm. Es locken die Almen – oder doch lieber ein Picknick in der Wiese mit Käse, Holzofenbrot und einer Flasche Vernatsch? Jeder wie er mag. Unbedingt probieren: den Zirbenschnaps in der Allriss-Alm. Für viele schmeckt es wie Fichtennadel-Badewasserzusatz. Aber ich mag Extreme.
Allriss-Alm Staudacher KG, Pflersch 111, 39041 Brennero (BZ), www.ferienhaus-staudacher.com

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2. Eines der ruhigen Seitentäler kennenlernen: das Gsieser Tal. Hier fahren nur die hin, die auch wirklich hin wollen. Kein Durchgangsverkehr, und oben am Talschluss in Sankt Magdalena ist der Ausgangspunkt für den Almenweg 2000. Nach absolvierten 750 Höhenmetern findest du bei einer leichten Bergwanderung, immer auf etwa 2.000 Metern Höhe, deine Ruhe. Nicht einmal alle Südtiroler wissen von diesem Tal, das ein paar Kilometer hinter Bruneck vom Pustertal abzweigt. Wer übernachten will: Platzhirsch ist dort das Hotel Quelle.
Hotel Quelle, Magdalena Straße 4, 39030 Gsieser Tal/Dolomiten, www.hotel-quelle.com

Kaseralm
Kaseralm im Gsieser Tal

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3. Den Geheimtipp No. 3 anfahren: Das ebenfalls sehr ruhig gelegene Lüsner Tal, das du am besten von Bozen aus erreichst. Von Lüsen aus gehen zwei schöne Touren zur Kreuzwiesenhütte. Entweder vom Lüsnerhof, einem Wellness-, Wander- und Naturhotel, in dem es sich auch ganz gut leben lässt (ca. 800 Höhenmeter sind bis zur Hütte zu überwinden) – oder gemächlicher, mit nur 180 Metern Höhenunterschied, vom Parkplatz Schweiger Böden aus.
Hotel Lüsnerhof, Runggerstraße 20, 39040 Lüsen, www.luesnerhof.it

Lüsner Hof
Garten des Lüsnerhofs

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4. Die Weine vom Eisacktal entdecken. Du hast genug von Vernatsch und Lagrein und willst mal wieder einen knackigen Weißwein trinken? Dann fahr‘ zum Köfererhof, oberhalb von Brixen. Hier findest du rassigen Riesling und Kerner, frischen und vollmundigen Sylvaner, eleganten Müller-Thurgau. Der Winzer Günter Kerschbaumer kommt mit seinen Weinen auch bei den Verkostern des Gambero Rosso jährlich gut an. Und wenn du Hunger hast, ist dir die Hausmannsküche im dazugehörigen Restaurant g’rad recht.
Weingut Köfererhof, Pustertaler Straße 3, 39040 Neustift/Vahrn (BZ), www.koefererhof.it

Köfererhof
Weingut Köfererhof

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5. Einen Aperol Spritz (ob out oder nicht, völlig egal) oder Hugo auf dem Waltherplatz in Bozen trinken. Die Mischung aus alpiner Bodenständigkeit und mediterraner Lebensart macht’s. Palmen und schneebedeckte Berge in einem Bild. Dann durch die Laubengasse schlendern, schon mal’n Bozner Bierchen (oder zwei …) im Hopfen & Co zischen. Den Tag kannst du dann ausklingen lassen im Wirtshaus Vögele mit vielen traditionellen südtiroler Gerichten, teils klassisch, teils modern-international interpretiert. Gehobener geht’s zu im Restaurant zur Kaiserkron am Musterplatz. Wer es auch da legerer mag, ist auf der Terrasse gut aufgehoben.
Hopfen & Co, Obstplatz 17, 39100 Bozen, www.boznerbier.it; Wirtshaus Vögele, Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße 3, 39100 Bozen, www.voegele.it; Restaurant Zur Kaiserkron, Musterplatz 2, 39100 Bozen, www.kaiserkron.bz

Vögele Bozen
Wirtshaus Vögele

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6. Einkaufen im Vinschger Bauernladen. Bauernläden gibt es in Südtirol einige gute. Für mich am attraktivsten ist der Vinschger Bauernladen Juval, direkt an der Auffahrt zu Reinhold Messners Sommer-Ansitz Schloss Juval, zwischen Naturns und Tschars gelegen. Verschiedene ausgewählte Bauernhöfe haben sich hier zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen. Von Speck, Wurst, Brot über Brotaufstrich, Trockenobst, Säfte, Weine und Spirituosen bis zu frischem saisonalen Obst und Gemüse kannst du hier alles kaufen – und vieles neuerdings auch online bestellen. Unbedingt probieren solltest du den Weirouge-Apfelsaft vom Luggin-Kandlwaalhof in Laas mit seiner roten Farbe und der ausgeprägten Säure.
Vinschger Bauernladen, Staatsstraße 78 Juval, 39025 Naturns, www.bauernladen.it; Luggin-Kandlwaalhof, Unterwaalweg 10, 39023 Laas/Vinschgau, www.luggin.net

Bauernladen Vinschgau
Vinschgauer Bauernladen

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7. Lohnt sich: einkehren bei Pitzock – essen & trinken in St. Peter im Vilnösstal. Oskar Messner kreiert in seinem Esslokal, wie er selbst es nennt, eine Vielzahl an Vorspeisen. Für Unentschlossene bietet er diese auch in kleineren Portionen als „Köschterle“ an. Da auf den Vorspeisen sein Hauptaugenmerk liegt, fällt die Auswahl aus seinen sehr hochwertigen, kreativen zwei, maximal drei Hauptgerichten deutlich leichter. Oskar engagiert sich bei Slow Food und setzt sich ein für die Erhaltung der Rasse des Vilnösser Brillenschafes. Lieber Oskar! Auch wenn wir jetzt schon längere Zeit nicht bei dir waren: Wir lieben dich und deine Küche – und kommen wieder!
Pitzock essen & trinken, Pizack 30, 39040 Vilnöss (BZ), www.pitzock.com

Pitzock
Tagliata vom Rind im Pitzock

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8. MMM. Die Messner Montain Museums besuchen. Das sechste und – wie der Messner, Reinhold selbst sagt – letzte Museum hat Ende Juli 2015 auf dem Kronplatz bei Bruneck in 2275 Metern Höhe eröffnet. In diesen Museen setzt man sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Berg, den Bergregionen weltweit und den Lebensarten der Bergvölker auseinander. In allen sechs miteinander vernetzten Museen werden neben den fixen Ausstellungen jährlich wechselnde Sonderausstellungen installiert.
Schade, bei unserer letzten Tour ins Gsieser Tal war der Reinhold mit dem Kronplatz-Museum noch nicht fertig. Sicher werden wir den Besuch nachholen!
Messner-Mountain-Museum Standorte: Corones, Dolomites, Firmian, Juval, Ortles, Ripa, www.messner-mountain-museum.it

Messner Mountain Museum in Sigmundskron bei BozenMessner Mountain Museum in Sigmundskron bei Bozen
Messner Mountain Museum in Sigmundskron bei Bozen (Firmian)

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9. Einen Espresso im Café Piccolo in Sterzing genießen. Nix besonderes, ein normales gemütliches Café halt. Aber die zwei liebenswürdigen älteren Damen mit ihrer bedächtigen, seelenruhigen und überaus netten Art machen’s aus. Immer wenn es sich irgendwie einrichten lässt, machen wir den Stopp für’s Café Piccolo – und wünschen den beiden die nötige Vitalität und ein langes Leben …
Café Piccolo, Neustadtstraße 28, 39049 Sterzing

Warst du schon in Südtirol? Wo gefällt es dir am besten und warum?

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1 Comment

  • Vielen Dank für den schönen Überblick! Wir lieben das Tarzaning im Passeiertal. Mit 40 „Sachen“ die Passerschlucht aus der Vogelperspektive zu erleben, das macht uns Spaß! Mehr über das Outdoor-Erlebnis gibt es auf unserem Blog.

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