Orléans – erst mal in die Karte schauen

Orleans, Frankreich

Johanna kommt wieder. Jedes Jahr Anfang Mai, wenn sie mit ihrer Entourage zum Place Sainte Croix zieht, jubeln ihr die Massen in Orléans zu. Dabei ist sie seit mehr als 500 Jahren tot.
Natürlich ist es nicht die echte Johanna, die als Heldin gefeiert wird. Die hat man 1431 ganz und gar nicht heldenhaft auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem sie dem königlichen Thronfolger zu einem Sieg verhalf gegen die Engländer und Burgunder. Die ganze Geschichte der Jeanne d’Arc erzählen die Mosaike in den Fenstern der Cathédrale Ste-Croix.

Kathedrale

Beliebt ist die Kathedrale auch von außen, als Kulisse für Hochzeitsfotos beispielsweise. Vom Garten hinterm Rathaus gegenüber ist der Blick besonders schön, meint Sonia, die uns ihre Stadt zeigt.

Wir biegen ein paar Schritte weiter südlich in die Rue de Bourgogne ein. Die älteste Straße in Orléans ist d i e gastronomische Flaniermeile. Tür an Tür reihen sich die Restaurants. Einen Platz fürs Abendessen zu finden, kann schon eine Weine dauern. Nicht, weil es keinen Platz gäbe, sondern weil man erst die ganze Straße abspaziert und auf jeder Karte schaut, wonach es einen gerade gelüstet. Machen alle so in Orléans, sagt Sonia.

Rue Bourgogne

Altstadt Orléans

Fachwerkhäuser in Orléans, Frankreich

Wir haben es nicht eilig und bummeln noch ein bisschen durch die Altstadt mit den schmalen Fachwerkhäusern aus dem 14./15. Jahrhundert. Deren Holzbalken sind farbig gebeizt, modisch der letzte Schrei im Barock.

Ursprünglich breitete die Stadt sich von der Loire aus nach Norden, durch die höhere Lage war man vor Überschwemmungen sicher. Orléans war einst der wichtigste Hafen für die Versorgung der Pariser, mit dem Bau der Eisenbahn wechselt das Zentrum in Richtung Bahnhof und wächst unaufhörlich: 120.000 Menschen leben heute in Orléans.
Hafen, Lagerfläche, Parkplatz, das Loire-Ufer war vieles, nur nicht touristisch. Das ändert sich gerade. Alle zwei Jahre im September findet das Festival Loire statt mit Konzerten und Lesungen. Die Schiffe, die auf dem Fluss ankern, müssen jedoch mit dem LKW transportiert werden. Schiffbar ist die Loire längst nicht mehr. Nur ein paar Kanufahrten für Touristen sind möglich im flachen Wasser. Selbst Schwimmen ist verboten, zu gefährlich durch Strömungen und Sandbänke, die sich bewegen. Fahrrad fahren kann man dagegen problemlos: Der 800 km lange Radweg vom Burgund bis zum Atlantik führt direkt durch Orléans.

Loireufer

Kino mit Dachgarten

Orléans, Frankreich

Das ehemalige Hafengelände rund um den Place de Loire hat sich in eine Freizeitzone verwandelt mit Boutiquen, Bars und einem Kino, auf dessen Dach ein öffentlicher Garten angelegt wurde. Gleich nebenan: Les Halles, das Einkaufs- und Geschäftszentrum der Stadt.

Feinkostladen Orléans, Frankreich

Kurzer Stopp in der Epicerie am Place du Châtelet. Ich mag diese kleinen, mit Spezialitäten vollgestopften Geschäfte. Ein kulinarisches Souvenir passt in den vollsten Koffer. Dieses Mal: Essig und Senf von Martin Pouret. Die Essigfabrik ist die letzte, die noch produziert. Früher waren es stolze 200. Dass Orléans zur Essigbastion wurde, lag auf der Hand. Es passierte hin und wieder, dass eine Weinlieferung, die nach Paris verfrachtet werden sollte, „umkippte“ – und nur noch als Essig taugte. Damit kein Missverständnis aufkommt: Loire-Weine genießen, damals wie heute, einen exzellenten Ruf. Und die Transportwege wurden ja optimiert.

Becs a Vin Orleans

Gleich neben dem Feinkostladen, bei Les Becs à Vin, die Probe aufs Exempel. Im offenen Ausschank sind vor allem Weine aus den Gebieten Cheverny und Touraine, die meisten anderen Loire-Gewächse stehen als Flaschenweine auf der Karte. Wir bestellen eine kleine Karaffe Sauvignon Blanc aus der Touraine und ein Wurstbrett. Nix Großes, aber ein guter Anfang.

Und eine gute Grundlage für den Bummel in der Rue de Bourgogne.

Karusell in Orléans, Frankreich
Karussell auf dem Place du Martroi

Die Reise wurde teilweise unterstützt von Atout France und CRT Centre-Val de Loire.

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