Kekse, Merengue und ein tragischer Kriminalfall

Kapellbrücke in Luzern
Kapellbrücke in Luzern

Hundert Sorten Kekse probieren. Pur, mit Schokolade, Kokos, Mandel, Salz und so fort. Und zwar direkt an der Bretzeli-Quelle bei Kambly. Klar, dass ich mir so eine Gelegenheit nicht entgehen lasse.

Auf meinem Weg von Bern nach Meiringen nehme ich also einen kleinen Umweg und fahre mit dem Zug nach Trubschachen. Der rote „Teppich“ ist schon ausgerollt – direkt in den Fabrikverkauf des Feingebäck-Herstellers hinein, eskoriert von Schwaden frisch gebackener Guetzlis. Das Kambly-Erlebnis besteht aus einer Multimedia-Show, Schaukonfiserie und Café. Im angeschlossenen Laden gibt es alle derzeit produzierten Sorten zum Probieren und Kaufen. Man muss kein Krümelmonster sein, um den Unterschied zu gewissen Industriekeksen zu schmecken.
Wer ein bisschen mehr Zeit mitbringt, kann anschließend noch einen Rundgang durch das Emmentaler Dorf machen oder eine 30 km lange E-Bike-Tour zu den Rohstoffproduzenten von Kambly. Die Figur wird’s freuen.
Kambly, Mühlestrasse 4, Trubschachen, www.kambly.com

Kambly-ZUG
Mit dem Kamblyzug nach Trubschachen
Walk of Bretzeli

Nächster Zwischenstopp: Luzern. Vom Emmental dauert die Fahrt mit der Bahn nur eine knappe Stunde. Auch wenn die Zeit nur für einen Kaffee reicht und ein Foto von der Kapellbrücke, lohnt es sich. Die Altstadt liegt direkt gegenüber dem Bahnhof, die Kunsthalle gleich nebenan. So lässt sich auch eine knappe Pause schöner nutzen als auf dem Bahnsteig. Die Kapellbrücke ist eine der ältesten überdachten Brücken in Europa. Der Wasserturm war Teil der Stadtmauer und diente wechselweise als Stadtarchiv, Schatzkammer, Kerker und Folterkammer. Im Dach brüten Mauersegler.
Unter der Egg, an der Reus, finde ich im Vincafe Barca ein lauschiges Plätzchen bis mein Zug geht. Drinnen ist es hübsch, aber unter den Arkaden jetzt im Sommer natürlich noch viel besser. Finden die anderen auch, denn kein Stuhl bleibt lange leer. Notfalls kann man sich auch direkt ans Ufer setzen und dem glasklaren, grünem Wasser zusehen, das träge vorbei fließt.
Vincafé La Barca, Unter der Egg 6, Luzern, www.la-barca-luzern.ch

Luzern, Stopp an der Reus

Kurz noch ein paar Schritte durch die Gassen der Altstadt und dann schon wieder zum Zug, der auf die Minute genau aus dem Bahnhof rollt.
Vor dem Fenster zieht eine Bilderbuchlandschaft vorbei: Vierwaldstättersee auf der linken, Pilatus auf der rechten Seite, später der Brienzer See. Am Lungernersee taucht das Dreigestirn auf: Eiger, Mönch und Jungfrau.

Meiringen, mein Zielort für heute, strahlt eine gelassene Ruhe aus. Und hat doch in der Welt von sich reden gemacht. Die Merengue haben sie hier erfunden. Ein Konditor namens Gasparini soll diese um 1600 zum ersten Mal hergestellt haben – nur aus Zucker und Eischnee. Die Frutigers in der Bahnhofstraße 18 verkaufen die Merengue mittlerweile nicht mehr nur im Ort, sondern versenden in die ganze Welt. Sie sagen, am besten schmeckt Schlagrahm dazu. Stimmt.
Bäckerei Frutal Versandbäckerei, www.frutal.ch

Sherlock Holmes vor dem Museum in Meiringen

Dem berühmtesten Gast von Meiringen ist ein Museum gewidmet: Sherlock Holmes. Ein einziger Raum, im Stil einer englischen Kirche, der aus dem Leben von Holmes erzählt. Am Reichenbachfall führte dieser seine letzte Ermittlung.

Reichenbachfall: Kalte Dusche für Sherlock-Holmes-Fans

Und das kam so: Als Sir Arthur Conan Doyle in Meiringen urlaubt, kommt ihm die Idee für den nächsten Fall seines Meisterdetektives. Durch ein Ablenkungsmanöver lockt man Sherlock Holmes in die nahegelegenen Reichenbachfälle. Dort trifft er auf seinen Erzfeind Professor Moriaty, sie kämpfen und stürzen 120 Meter in die Tiefe. Holmes überlebt – und geht zurück nach London, inkognito.

„Der letze Fall“ von Holmes löste einen regelrechten Run auf die Region aus. Seit 1899 kommt man – anders als der Detektiv noch – ganz bequem zu den Wasserfällen mit der Reichenbachbahn. Von der Bergstation führt ein Weg zu drei Aussichtsterrassen – eine feine Dusche vom Reichenbach inklusive.
Talstation Reichenbachbahn am Ortsausgang Meiringen, Richtung Grimselpass, www.grimselwelt.ch

Den Abend lasse ich auf der Terrasse des Hotels Victoria ausklingen, direkt gegenüber. Gastgeber Simon Anderegg steht jeden Tag selber am Herd und kombiniert klassische französische Küche mit einem Touch Alpen und Asien. So gut wie mir hat das anscheinend auch den Testern vom Gault Millau geschmeckt, die sein Lokal als Bib Gourmand empfehlen.
Hotel Victoria, Bahnhofplatz 9, www.victoria-meiringen.ch

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