Loisium

Grüner Veltliner, was sonst. Je nach Witterung schimmert die Aluminium-Außenhaut des Loisiums grünlich wie der junge Wein. Mit etwas Fantasie scheinen vier überdimensionale Buchstaben förmlich im Weinberg zu warten. Natürlich, etwas windschief. Der New Yorker Architekt Stephen Holl hat das Besucherzentrum des Loisiums extra um fünf Grad nach Süden geneigt. Architektur, Weinberg und Keller fließen so ineinander – Fenster, die die Kellergänge nachzeichnen, Wände aus Kork im Inneren des Besucherzentrums. Hier wird Wein nicht nur erklärt, im Loisium wird er inszeniert.

Bereit für einen Rundgang? Auf geht’s Richtung Kellereingang, vorbei an ein paar Rebzeilen, begleitet vom melodischen Dialekt des Audioguides, der jede Station kommentiert. Auf dem Weg nach unten mutiert man zur Traube, die im Stahltank vergoren wird. Zum Glück der einzige Ausrutscher in einer Performance, die ansonsten ohne Klischees und Kitsch auskommt. Meist unterirdisch liefern 16 Stationen Anekdoten rund um den Wein. Bis zu 900 Jahre alt sind die Keller des Loisiums und haben eine Luftfeuchtigkeit zwischen 80 und 90 Prozent, im Sommer wie Winter liegt die Temperatur konstant bei 10 °C.

Ein wirklich guter Keller ist für den Wein kein bloßes Lager, sondern eine Wohnstatt, die ihm von der richtigen Temperatur bis zum Schimmel das Leben leicht macht. Weinpfarrer Hans Denk

Perfekt für ein paar Reihen Nebukadnezar, die Flaschen mit 15 Litern Grüner Veltliner stammen aus dem Jahrgang 2000. Lagerpotenzial: noch immer reichlich.

 

Im letzten Drittel wird es mystisch. Die Reife des Weines, symbolisieren Pendel (Zeit), Würfel (Arbeitsschritte), Mond (Einfluss von außen), Weinberggeiß und Bacchus.

Erstmals erwähnt wurde die Weinbauernsiedlung im Kamptal, aus der Langenlois entstanden ist, 1082. Die Stiftsweingüter leisteten sich hübsche Ansitze, auf denen die Mönche bevorzugt während der Lese residierten.

Das angeschlossene Wine & Spa Hotel gewann 2006 den European Hotel Design Award in der Kategorie Best Hotel Architecture. Ein zweites Loisium soll 2012 in der Steiermark eröffnen, ganz im Zeichen des Sauvignon Blanc.

Loisium, A-3550 Langenlois, Tel. +43-(0)2734-322400, November bis März: Mi – So 10.00 bis 19.00 Uhr (im Sommer täglich), www.loisium.at

2 Kommentare

  • Ich meine es st der Architekt Calatrava gewesen, der auf der Bodega Ysios auch schon diese Aluschindeln verbaut hat.
    hat er nicht auch das Guggenheim Museum in Bilbao gemacht?

  • Ja, zumindest beim Dach von Ysios hat Calatrava das Material verwendet. Das Loisium wurde definitiv unter Regie von Stephen Holl gebaut. Siehe auch auf der Loisium-Website, die wissen’s wohl am besten …
    Architekt des Guggenheim in Bilbao war übrigens Frank O. Gehry.

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