Kräuterwanderung im Karwendel

Steinadler, Murmeltiere, mit etwas Glück auch Steinböcke könnten wir hier sehen im Naturpark Karwendel, erzählt Nature-Watch-Guide Susi, die uns heute beim Wandern begleitet. Okay, Wanderung ist vielleicht ein wenig hochgestapelt, unsere Kräutertour ist vielmehr ein zweistündiger Spaziergang in den Bergen. Der allerdings am Ende mächtig Appetit macht auf eine „richtige“ Wanderung.

Hall in Tirol: Ausgangspunkt für Kräuterwanderungen und Foto-Safaris

Vom Parkplatz am Eingang zum Naturpark, etwas außerhalb von Hall in Tirol, laufen wir zunächst auf einem Schotterweg leicht bergauf und kurz darauf in einer Rechtskurve geradeaus ins Halltal hinein. Ins Schwitzen kommen wir trotzdem recht schnell (nicht nur wegen der Hitze), denn der Weg steigt bald schon recht knackig an. Gut wäre jetzt ein bisschen was von der Leichtigkeit zu haben, mit der die orange-weißen und blauen Schmetterlinge um uns herum flattern. Das üppige Grün am Weg dampft, noch feucht vom Gewitter der letzten Nacht. Da wir langsam gehen, wird es trotzdem nicht zu anstrengend. Links und rechts vom Weg ragen die Kalkfelsen des Karwendelgebirges imposant in die Höhe. Überall kleine Vorsprünge, auf denen wir nach Gämsen suchen.

Hall
Blick ins Haller Tal

Bald taucht vor uns die Bettelwurfhütte auf, ziemlich klein, ziemlich weit weg und mit 2.600 Metern auch ziemlich hoch gelegen. Susi reicht das Fernglas, durch das die Sonnenterrasse schon sehr einladend aussieht. Nur: Dazwischen liegen drei bis fünf Stunden zu Fuß. Die Hütte ist zwar heute nicht unser Ziel, kommt aber in jedem Fall auf unsere Noch-zu-wandern-Liste.

Nach etwa einer Stunde kommen wir am Wasserstollen an. Fast tausend Meter ragt der dieser in das Bettelwurfmassiv hinein und versorgt die Region mit Trinkwasser. Der Kalkstein wirkt wie ein Filter, sodass das Wasser zwischen sieben und zehn Jahre benötigt bis es in Hall aus dem Hahn läuft.

Bettelwurfmassiv im Karwendel
Bettelwurfmassiv im Karwendel

Ein Stück unseres Weges ist identisch mit dem Adlerweg, der durch ganz Tirol und auf drei Etappen durch die Region Hall-Wattens führt. Wer ihn ganz geht, könnte in Hall einen Tag pausieren und dann auf der gegenüberliegenden Seite in den Tuxer Alpen weiterwandern. Dort sind die Böden (und damit auch die Kräuter) ganz andere. Zum Beispiel wachsen da jede Menge Zirben, die im südlichen Karwendel eher nicht vorkommen. Der Zirbenweg, von dem Susi schwärmt, ist auch ganz nach unserem Geschmack. Am besten werden wir den mal zur Alprosenblüte im Juni und Juli wandern.

Hall
Herrlich erfrischend …

Links von uns rauscht nun das Wasser des Salzbergbaches ins Tal, glasklar und eiskalt. Eine gute Gelegenheit, die Trinkflasche aufzufüllen. Immer wieder entdecken wir am Weg seltene Pflanzen, mehr als 50 Arten von Orchideen soll es hier geben. Hübsch anzusehen ist die Akelei, die hier auberginfarbige Blüten zeigt, nicht nur blau und rosa.

Unsere Ausbeute an Kräutern kann ich inzwischen auch sehen lassen: Giersch, Bergthymian, Labkraut, Spitzwegerich, Brennnessel und Schafgarbe. Außer dem Bergthymian also alles Kräuter, die man auch zu Hause sammeln kann. Und das haben wir daraus zubereitet: Spinatstrudel mit Sauce aus Sauerrahm und Kräutern.
Geht super einfach und falls du das auch probieren möchtest, habe ich dir das Rezept aufgeschrieben.

Spinatstrudel mit Wildkräutern

Spinatstrudel mit Wildkräutern
Spinatstrudel mit Wildkräutern

Zutaten:
1 Packung fertigen Strudelteig (alternativ: Blätterteig)
1 Packung tiefgefrorenen Spinat
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
Salz und Pfeffer
Kräuter, grob gehackt
1 Eigelb
1 Becher saure Sahne oder Schmand, evtl. etwas Joghurt

Zubereitung:
Spinat im Topf auftauen und ca. 10 Minuten dünsten, die gehackten Kräuter untermischen (etwa ein Viertel zurückbehalten für die Sauce), mit Knoblauch, Pfeffer und (Kräuter-)Salz würzen und etwas abkühlen lassen. Den Strudelteig auf ein Backblech legen, den Spinat darauf verteilen und mit dem Teig aufrollen. Eigelb verschlagen und den Strudel damit bepinseln. Bei 200 Grad Celsius rund 20 Minuten im Ofen backen. Währenddessen die saure Sahne mit den Kräutern verrühren und kalt stellen. Je nach Geschmack und gewünschter Konsistenz mit Joghurt abschmecken.

Anmelden für die wöchentlichen Kräuterwanderungen oder Foto-Safaris kannst du dich beim Tourismusverband Hall-Wattens, Unterer Stadtplatz 19, Hall in Tirol, Tel. +49 5223 45544 0 oder per E-Mail: office@hall-wattens.at; www.hall-wattens.at

Hall

knabenkraut

Infos & Adressen

Hinkommen:
Bequem mit der DB/ÖBB über München und Kufstein oder mit dem Auto über die A8 (D) und A12 (A) bis Hall in Tirol.

Meine Reise wurde unterstützt vom TVB Hall-Wattens.

10 Kommentare

  • Mmmmh! Jetzt habe ich Hunger auf etwas mit Kräutern und richtig Lust mal wieder Wandern zu gehen! Sobald unser Sohn auf der Welt ist und ich mich von der Geburt erholt habe, geht es wieder los! Am besten in eine so köstliche Region wie diese!

  • Den Strudel kannst du ja auch zu Hause machen, aber in den Bergen schmeckt der wirklich noch besser 🙂 Alles Gute für euch für das bevorstehende Ereignis und dass ihr bald zu dritt wandern könnt. Wir hatten unsere Tochter damals auch schon mit wenigen Wochen im Tragetuch dabei, geht prima.

  • Das sind ja wirklich ganz fantastische Aussichten, die man auf diesem „Spaziergang“ geniessen kann. Ein toller Tipp, Antje!

  • Eine sehr schöne Kombination stellst du uns hier vor. Wandern, fotografieren, backen, essen … 🙂

    Noch eine Frage, warum ist dein Link hier „www.hatt-wattens.at“ durchgestrichen? Wenn du die ersten beiden „tt“ durch „ll“ ersetzt, stimmt der Link wieder, oder?

  • Gern. Und der selbst gemachte Strudel war echt aromatisch, richtig lecker. Mag man gar nicht glauben, wenn man Spinat sonst so probiert.

  • Die kennst du wahrscheinlich alle, stehen überall als „Unkraut“ rum.

  • Das liest sich ganz wunderbar. Ich könnte jetzt sofort loswandern… Vielen Dank für den Tipp mit den Kräuterwanderungen, liebe Antje. Am Achensee war ich ja zuletzt sogar gar nicht so weit weg. Da hätte ich das Karwendelgebirge von mehreren Seiten durchstreifen sollen. Ein Grund zum wiederkommen in die Region 🙂

  • Das höre ich gern 🙂 Ja, ich war auch viel zu kurz da, man könnte es gut eine Weile noch aushalten. In den Bergen sowieso. Am Achensee war ich noch nicht, klingt auch gut.

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