Grenzgänger im Arbez, dem kuriosesten Haus im Haut-Jura

Mitten durch das Arbez verläuft die Grenze Frankreich – Schweiz.
Mitten durch das Arbez verläuft die Grenze Frankreich – Schweiz.

Dinner in der Schweiz und zum Schlafen nach Frankreich – ohne das Haus zu verlassen. Und trotzdem nachts mehrmals eine internationale Grenze passieren. In Les Rousses kommt das ziemlich häufig vor – im Hotel und Restaurant Arbez.

Das wirklich außergewöhnliche Domizil habe ich im Jura entdeckt. Nicht unbedingt wegen des Essens, das ist bodenständig gut, aber nichts wofür man an den äußersten Rand des Juras fahren würde. Das Ambiente fällt mit holzvertäfelten Wänden und rotweisskarierten Vorhängen in die Rubrik ländlich gemütlich, auch das sehr nett, wenn man gerade in der Gegend ist. Der Service? Rau, aber herzlich.

Was das Arbez von anderen unterscheidet: Mitten durch das Lokal verläuft die französisch-schweizerische Grenze. Man sitzt zusammen an einem Tisch und doch jeder in einem anderen Land. Oder noch besser: Auf der einen Seite des Kopfkissens träumt man in Frankreich, auf der anderen schnarcht es in der Schweiz. Wenn du deine bessere Hälfte küssen willst, solltest du also besser deinen Pass dabei haben.

Zwei Länder, ein Dach – das kurioseste Haus im Haut-Jura

Das Haus ist eine wahre Kuriosität im Haut-Jura. Die etwas weniger bekannte französische Region erstreckt sich im Osten von Frankreich entlang der Schweizer Grenze. Wälder und Seen prägen die Landschaft, spektakulär und alpin wird es im Haut-Jura, das mit einer Höhe von über tausend Metern relativ schneesicher ist. Im Sommer kann man herrlich wandern mit Blick auf ein sehr, sehr grünes Land.

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Gebaut wurde das Haus zur Zeit als Napoleon die Grenzen in Europa neu zog. Das Arbez war im Weg, also schickte er seine Leute nach La Cure, um das halbfertige Bauwerk wieder abreißen zu lassen. Doch als diese am nächsten Morgen aufwachten, rieben sie sich die Augen: Das Arbez war dank tatkräftiger Hilfe der Dorfbewohner über Nacht fertig geworden – und nach den Schweizer Gesetzen ein Abriss nun verboten. Unverrichteter Dinge zogen Napoleons Erfüllungsgehilfen wieder ab.
Heute ist die Grenze an die Wand gezeichnet. Auf der einen Seite bezahlt man in Franken, gegenüber in Euro.

Auf der Speisekarte stehen Spezialitäten aus beiden Ländern, wobei die kulinarischen Grenzen in der Küche weniger streng ausgelegt sind. Die Morbiflette jedenfalls, eine Art Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Käse überbacken, war herzhaft lecker. Und auch ziemlich reichhaltig. Macht aber nix, beim Wandern im Nationalpark oder beim Golfen im zwei Kilometer entfernten 18-Loch-Platz kann man das gut kompensieren.

Käsefans sollten unbedingt noch im Fort des Rousses vorbeischauen, genauer gesagt im Keller. Dort reifen etwa 100.000 Comté-Laibe in den unterirdischen Gängen. Schon mal einen Blick ins Käseparadies werfen? Voilà:

Restaurant und Hotel Arbez, 601 Rue de la Frontière, La Cure, 39220 Les Rousses, www.arbezie.com; mehr Infos unter www.franche-comtep.org.


Grenzstein
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4 Kommentare

  • Bisher kenne ich nur winzige Inseln, die durch eine Landesgrenze geteilt sind. Ein Haus war bisher noch nicht dabei. Besonders witzig finde ich, dass man in der einen Hälfte des Hauses mit Franken bezahlt und in der anderen mit Euro. Verrückte Welt!

  • Wobei die sich ähneln. Super lecker fand ich die mit Comté und Zwiebeln überbackenen Kartoffeln. Einfach, aber so gut.

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