Alentejo: Küste, Korkeichen und kolossal gute Weine

Quinta Plansel, Alentejo
Quinta Plansel, Montemor-o-Novo

Wenn du Portugal gerne individuell bereist, kennst du sie sicher, die endlosen, unverbauten und selbst im Sommer nur wenig bevölkerten Sandstrände des Alentejo. Sitzt du dann dort in einer der Bars oder Restaurants, genießt ein Glas Vinho do Alentejo, dann fragst du dich vielleicht: Wo kommt er eigentlich her, dieser leichte Weiße oder der fruchtig-kräftige Rotwein? Hier gibt’s die Antworten!

Im spärlich besiedelten, weitläufigen und leicht hügeligen Hinterland wachsen Olivenbäume, Korkeichen, viel Getreide – und eben jede Menge Reben. Größtenteils westlich von Lissabon, teils bis zur Grenze nach Spanien, aber auch bis runter an die Region Algarve reichend, liegen die acht Unterbereiche des Weinanbaugebietes Alentejo: Borba, Évora, Granja-Amareleja, Moura, Portalegre, Redondo, Reguengos und Vidigueira.

Mehr als 250 verschiedene Rebsorten wachsen im Alentejo

Auf derzeit insgesamt etwa 22.000 Hektar Rebfläche, deren Grundlage Schiefer, Granit, Quarzit und im Süden roter Lehm ist, dominieren die roten Rebsorten. Vor allem Aragonez (auch Tinta Roriz genannt – und nichts anderes als der spanische Tempranillo) wird hier angebaut, dazu noch Alfrocheiro, Alicante Bouschet, Castelão, Moreto, Trincadeira und andere. Momentan ist Syrah im Kommen. Die Weißweine werden meist aus den Sorten Antão Vaz, Arinto und Roupeiro gewonnen. Rote wie Weiße sind meistens Cuvées, reinsortige Weine eher die Ausnahme.

In weiten Teilen des Gebietes gelten die klimatischen Bedingungen als schwierig. Geringe Niederschlagsmengen machen eine Bewässerung nötig, bei Sommertemperaturen von 35, 40 Grad braucht es dringend Temperaturregelung für die schon Mitte August reifen weißen Trauben. Die moderne Technik macht eben vieles möglich, kann sie doch bei geschickter Nutzung viele naturgegebene Nachteile ausgleichen.

Wein hat im Alentejo eine sehr lange Tradition. Als die Römer kamen, fanden sie zu ihrer Freude bereits Reben vor. Sie verhalfen dem Weinbau dort zu einer ersten Blütezeit. Der große Einbruch kam mit der Eroberung der iberischen Halbinsel durch arabische Stämme im 8. Jahrhundert. 800 Jahre später ging es wieder aufwärts und 1885 gründete sich hier die erste Weinbaugenossenschaft des Landes. Einen regelrechten Investoren-Boom gibt es jetzt seit etwas mehr als zwanzig Jahren.

Einige Beispiele portugiesischer Weine von nichtportugiesischen Winzern haben wir für dich verkostet, die jeweiligen Notizen findest du am Ende des Artikels.

Alentejo Wein

Quinta da Plansel in Montemor-o-Novo

1993 zieht Dorina Lindemann nach Montemor-o-Novo zu ihrem Vater, der sich als Rebforscher einen Namen gemacht hat und erkannte, dass die portugiesische Rebsortenvielfalt ein großes Potenzial für die zukünftige Weinproduktion in Portugal darstellt. Heute wachsen in Portugal rund 250 zugelassene autochthone Rebsorten.

Gerade fertig mit ihrem Önologie-Studium in Geisenheim, nutzt Dorina die Weinberge der väterlichen Rebschule, um ihren ersten eigenen Wein zu machen und baut ein eigenes Weingut auf: Quinta da Plansel. Mittlerweile verkauft sie ihre vier Weinlinien in mehr als zehn Ländern. Die Weine der „Dorina Lindemann Selecção“, zu der die von uns verkostete Reserva gehört, werden von ihr persönlich (ohne Zutun ihres Kellermeisters) vinifiziert. Drei typisch portugiesische Rebsorten liegen ihr besonders am Herzen: Touriga Nacional, Touriga Franca und Tinta Barroca.

Zur Quinta gehört ein Ferienhaus, das sich nur fünf Autominuten von Montemor-o-Novo befindet. Ganz in der Nähe liegt auch die Stadt Évora, ein mittelalterliches Kopfsteinpflasteridyll mit prächtigen Palästen und der imposanten Kathedrale.


Dorinas Tipps:

Von der Kirche Santuário de Nossa Senhora da Visitação hat man einen wundervollen Blick auf Montemor-o-Novo und die Burg-Ruine. Sehenswert ist auch das Núcleo Museológico do Convento de São Domingos, ein Museum in einem historischen Dominikanerinnenkloster aus dem 16. Jahrhundert. In der Kirche kannst du die in Portugal typischen blauen Fliesen bewundern. Etwa 15 Kilometer von Montemor liegt die Gruta do Escoural. Die altsteinzeitlichen Malereien in dieser Höhle entstanden in der Zeit zwischen 18.000 und 13.000 v. Chr.. Die 95 stehenden Steine der Almendres Cromlech bilden zwei große Steinkreise und waren einst Teil einer Kultstätte. Das Bergdorf Monsaraz ist einer der ältesten Orte im Alentejo. Erhalten geblieben sind eine geschlossene Stadtmauer und viele der historischen Gebäude.


Im Alentejo findest du nicht nur Weinberge, Olivenfelder oder Korkbäume, sondern auch eine schöne Küstenlandschaft mit kleinen Fischerdörfern wie Comporta. Interessante Abschnitte der Alentejo-Küste sind (von Norden nach Süden): die Halbinsel Tróia, Comporta, Sines, Porto Covo, Vila Nova de Milfontes und Odeceixe.

Herdade dos Grous in Albernôa

Die deutsche Famile Pohl, unter anderem Eigner der Vila Vita Hotelgruppe, hat sich 1997 ein Landgut im Süden des Alentejo zugelegt: Herdade dos Grous mit Weinbau, Olivenölproduktion, Pferde-, Rinder- und Schafzucht – und, natürlich, einem angeschlossenen Hotel. Der Chef-Önologe des Hauses, Luíz Duarte, wurde bereits zweimal zum „Winzer des Jahres“ in Portugal gekürt.

Von den 700 Hektar des Gutes sind 73 mit Reben bepflanzt, die nach ökologischen Methoden bewirtschaftet werden. Ein eigener Stausee sorgt für ausreichende Bewässerung in den heißen Sommern des Alentejo und bietet den Hotelgästen diverse Wassersportmöglichkeiten. Einen guten Überblick über die Landschaft aus der Perspektive der Kraniche, dem das Weingut seinen Namen verdankt, bietet eine Fahrt mit dem Heißluftballon, die das Landgut organisiert.

Direkt am See gibt es eine Sauna, die wie zwei Pools und eine Feuerstelle zum Hotel des Gutes gehören. Wer will, kann sich aber auch mit Angelrute und einem Glas Wein ans Ufer setzen und auf einen guten Fang hoffen und diesen dann selbst grillen.

Azamor in Vila Viçosa

Alison, gebürtige Britin, lernt in Manchester ihren künftigen Mann Joaquim Luiz Gomes kennen. Sie gehen in Joaquims Heimat, kaufen 1998 die Farm Herdade de Rego – das spätere Azamor Estate – und pflanzen drei Jahre später die ersten Reben. Ihre Weinberge sind mit 5.050 Reben pro Hektar wohl die am dichtesten bepflanzten des ganzen Landes. Insgesamt bewirtschaftet die Familie 27 Hektar Rebfläche, vor allem mit den einheimischen Sorten Touriga Nacional, Touriga Franca, Alicante Bouschet und Trincadeira und vier internationalen, die im Alentejo gut gedeihen wie Mourvedre und Syrah. Olivenbäume, Korkeichen, Pinien und eine Zucht der seltenen Lusitano-Pferde gehören ebenfalls zum „Inventar“ des 260-Hektar-Gutes. Den Icon d’ Azamor nennt Alison den portugiesischsten Wein in ihrem Sortiment. Den gibt es nur in besonders guten Jahren.

Verkostungsnotizen

2014 Dorina Lindemann Reserva Vinho Tinto
Vinho Regional Alentejano
Tiefdunkel, fast schon von schwarzroter Farbe. Elegantes Bouquet von dunklen Früchten, wie Blaubeeren, Brombeere, Süßkirschen und etwas Rote Johannisbeeren. Am Gaumen gut strukturiert, sehr elegant wirkend – die Aromen des Duftes wiederholen sich im Geschmack, verbunden mit gut eingebundenem, weichem Tannin und einem lang anhaltenden Finish mit dezenten Noten von Kaffee und Tabak.
Rebsorten: Aragonez, Tinta Barroca. Alkohol: 14,5% vol.

2015 Herdade dos Grous Vinho Branco
Vinho Regional Alentejano
Hellgelb mit grünem Schimmer. Noch sehr jung wirkend, deshalb mit eher verhaltener Nase, etwas reife Birne, Mango, Kräuter. Am Gaumen von sehr schmelziger, fast öliger Konsistenz. Gute Balance zwischen dezenter Frucht, weicher Säure und kaum Restsüße. Ein klassischer Speisenbegleiter, passt perfekt zu gehaltvolleren (fettigeren) Fischsorten, wie Thunfisch, Heilbutt, Butterfisch oder auch Oktopussalat in Olivenöl, Hähnchen mit gelber Curry- oder Rahmsauce.
Rebsorten: Antão Vaz, Arinto, Gouveio. Alkohol: 13% vol.

2014 Herdade dos Grous Vinho Tinto
Vinho Regional Alentejano
Sattes Rubinrot. Volles, intensives Bouquet nach Brombeere, reifer Preiselbeere, etwas Cassis, diese Aromen im Geschmack wiederkehrend, dabei gut strukturiert, mit viel Extrakt und trotz seiner 14 Prozent sehr elegant. Frisch, fast etwas kühl wirkend, mit sehr gut eingebundenen, geschliffenen Tanninen. Im langen Nachhall Harmonie zwischen viel Frucht, einiger Säure, Noten von Schokolade und etwas Minze, daher auch der frische Eindruck. Passt besonders zur mediterranen Küche.
Rebsorten: Aragonez, Alicante Bouche, Touriga Nacional, Syrah. Alkohol: 14% vol.


2010 Icon d’Azamor Vinho Tinto

Vinho Regional Alentejano
16 Monate in französischer und amerikanischer Eiche gereift, ist dies sowohl in der Nase auch als am Gaumen ein überaus eleganter Rotwein. Es finden sich feine Noten von Kaffee, Schokolade und dazu harmonierende Aromen dunkler Beeren und ein schon sehr weiches Tannin. Mit ausreichend Luftkontakt jetzt schon gut zu trinken, hat er durchaus das Potenzial zur weiteren Reife für die nächsten sechs, acht Jahre. Vielleicht gewinnt er dann noch einiges an Fülle und Komplexität hinzu, um den geschmacklichen Gegenwert von ca. 60(!) Euro auch nur annähernd zu erreichen … Passt zu Rind, Lamm oder gereiftem Käse.
Rebsorten: Syrah (55%), Alicante Bouschet (35%), Touriga Franca (10%). Alkohol: 14% vol.

Die Weine für diese Verkostung wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Unsere Meinung ist davon unbeeinflusst.

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