Nächste Ausfahrt: Belfort

Weinbar in der Altstadt von Belfort
Weinbar in der Altstadt von Belfort

Ich weiß nicht, wie oft ich schon dran vorbeigefahren bin. Die braunen Schilder mit dem Löwen gesehen hatte, auf der Autobahn A36 nach Beaune, aber in Gedanken längst in Avignon oder sonst wo in Südfrankreich war. Nie und nimmer wäre ich auf die Idee gekommen, einen Stopp einzulegen in Belfort.

Und weil das nicht nur in Frankreich, sondern an vielen „Durchgangsstrecken“ so sein könnte (und gewesen ist), gibt’s hier im Blog die neue Serie „Nächste Ausfahrt: XY“, in der ich solche Perlen an der Route vorstelle. Als kleine Wiedergutmachung sozusagen, denn diese Orte sind oft wahre Schmuckstücke und ganz sicher einen Stopp wert. Gedacht sind die etwas anderen Pausenprotokolle aber auch als Inspiration für einen Tagesausflug.

On y va!

8.52 Uhr Wochenmarkt

Wir sind früh dran, die Stadt ist noch leer. Nur auf dem Wochenmarkt herrscht bereits emsiges Treiben, das uns anlockt. Erst mal einen Espresso. Wir beschließen, ein paar Sachen einzukaufen für ein spontanes Picknick. Gleich am Käsestand die erste Herausforderung. Was für eine Auswahl! Doch welche der schätzungsweise 400 Sorten soll es sein? Welcher Käse übersteht einige Stunden im Auto, ohne davon zu laufen, denn eine Kühlbox haben wir nicht dabei. Mit Zitronentörtchen, Quiche, Radieschen, Camembert und zwei Baguette unterm Arm schlendern wir zurück zum Parkplatz.

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9.39 Uhr Zitadelle

Von dort sehen wir bereits das Wahrzeichen der Stadt, den Löwen von Belfort. Der Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi (von dem die Freiheitsstatue in New York übrigens auch stammt) hat ihn geschaffen, als Erinnerung an den heldenhaften Mut der Bürger, mit dem diese sich gegen die Belagerung durch die Preußen wehrten.

Noch liegt der Löwe an der hoch aufragenden Nordwand im Schatten, später am Nachmittag wird die Sonne den roten Sandstein zum Leuchten bringen. Elf Meter hoch und 22 Meter lang ist der Löwe, gegen einen kleinen Obolus dürfen wir ihn aus der Nähe fotografieren, von der Sonnenterrasse aus.
Von da laufen wir in fünf Minuten hoch zur Zitadelle und genießen den 360-Grad-Panoramablick. Beeindruckend: die weit verzweigten unterirdischen Gänge der Zitadelle, die von oben wirken wie unter einen grünen Teppich gekehrt. Das Restaurant im Innenhof öffnet um 12 Uhr und bietet regionale Tagesmenüs zu zivilen Preisen an.

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11.47 Uhr Bummeln durch die Altstadt

Nach zehnminütigem Fußmarsch sind wir wieder in der Altstadt angelangt, mit ihren bunten, schmucken Fassaden, deren Schönheit und Eleganz die Zeit nichts anhaben konnte. Kleine Boutiquen hier, Patisserien und Bars dort, alles hübsch drapiert um die Place d’Armes mit dem hübschen Pavillon vorm Rathaus.

Eine ganz besondere Bier- und Weinbar befindet sich in der Rue de la Porte de France: l’Estaminet, als Lebensmittelladen 1825 eröffnet – mit bis heute nahezu unverändertem Ambiente. Heute leider fermé, schade. Mehr als 20 regionale Biere sollen auf der Karte stehen, wäre mal ganz interessant gewesen.

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12.45 Uhr Picknick am See

Nur sechs Kilometer außerhalb von Belfort liegt der Lac du Malsaucy. Am Wochenende und an heißen Sommertagen ist hier der Teufel los, vor allem am breiten Sandstrand und dem riesigen Minigolf- und Spielplatz gleich nebenan. Der 64 Hektar große See ist die Badewanne von Belfort, Segelrevier und Campingplatz in einem.

Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen und genießen unser Picknick mit Blick auf die südlichen Ausläufer der Vogesen.

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14.04 Uhr Spazieren am Lac du Malsaucy

Ein paar Schritte weiter, zu beiden Seiten vom Parkplatz kommend, lässt der Trubel nach. Dort haben sich auch die Angler versammelt, die auf den nächsten Karpfen warten. Wir spazieren lieber auf dem vier Kilometer langen Wanderweg am See und beobachten die Vögel. Im Haus der Umwelt gibt’s ausführliche Informationen und regelmäßige Workshops rund um das Leben am See.

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16.13 Uhr Notre-Dame du Haut

Nordwestlich von Belfort steht eine Kapelle, die auf den ersten Blick durch ihr futuristisches Aussehen fasziniert: Notre-Dame du Haut. Ich bin ein Riesen-Fan von reduziertem Design, von klarer, funktioneller Architektur. Das Gebäude auf dem Hügel von Ronchamp wirkt allein durch seinen Baustoff Beton und dem Lichtspiel, das dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit verschafft. Das Verblüffendste: Von außen sieht der Bau klein aus, hat aber im Inneren eine Weite, die man nicht erklären kann.
Entworfen hat die Kapelle und das Pilgerhaus kein Geringerer als der Meister des modernen Designs, Charles-Édouard Jeanneret, besser bekannt als Le Corbusier. Später kam das Kloster dazu, das in den Hang integriert wurde, unter Regie des genialen Baumeisters Renzo Piano.

Zum Anschauen der Galerie auf eines der Fotos klicken.
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19.08 Uhr Saucisse & Cancoillotte

Zurück in Belfort füllen sich die Tische auf der Place de l’Armes ziemlich schnell, der Kellner der Weinbar am Eck bringt sich in Stellung. Leider nicht für uns, autobedingt. Aber etwas Typisches aus der Region zu Abend essen, so viel Zeit muss sein.
Bei Aux Trois Maillets finden wir noch einen Tisch in der Abendsonne und auf der Karte Saucisse de Morteau und Saucisse de Montbéliard, die geräucherten Würste aus der Franche-Comté. Ganz klassisch mit Bratkartoffeln und Cancoillotte, eine der ältesten Spezialitäten der Franche-Comté. Ein flüssiger Sauermilchkäse, der von der Konsistenz ein wenig an Kleber erinnert.
An den gebackenen Karpfen, der allerorts als Special angepriesen wird, wagen wir uns beim nächsten Mal.

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Hinkommen: Autobahn A36 Mulhouse – Besançon, Ausfahrt Belfort

8 Kommentare

  • Die Kirche von Le Corbusier und der Löwe von Belfort stehen auch schon auf unserer To-Do-Liste seit unserer Hausbootreise auf der Saone im vergangenen Jahr. Ähnlich wie bei Dir, haben uns die Schilder an der Autobahn darauf aufmerksam gemacht. Wir haben ähnliche Erfahrungen auch schon in anderen Regionen gemacht. Es lohnt sich immer wieder, diesen Schildern zu folgen. Dabei entdeckt man oft echte Perlen.
  • Hallo Antje,

    ich, Thomas, hab auch zufällig den Löwen und die Festung entdeckt. Auf einer Motorradtour mit Freunden, hatten wir einen Zeltplatz mit direktem Blick auf die abends beleuchtete Anlage. Das war schon schön anzusehen.

    Das Gute liegt so nah. 😉 Jetzt haben wir noch mal mehr Lust auf einen Besuch dort.

    Viele Grüße,
    Thomas und Silke.

  • Das ging mir eben auch oft schon so und deshalb kam ich auf die Idee, daraus eine Serie zu machen. Vielleicht sollte man sich wirklich ein bisschen mehr Zeit nehmen und nicht immer nur schnell von A nach B düsen.
  • Liebe Antje,

    die Bier- und Weinbar an der Rue de la Porte de France merke ich mir. Mir gefallen die vielen kleinen Ladengeschäfte in der Provence und in Südfrankreich. Hinter Fassaden verstecken sich oft nette Geschäfte mit antikem Interieur und vollen Auslagen. Ich könnte stundenlang in solchen Geschäften herumstöbern. Und zum Fotografieren finde ich darin Interessante Motive.

  • Fand ich total schade, dass die zu hatte. Aber der Laden sieht auch schon von außen interessant aus. Das soll übrigens der älteste Lebensmittelladen Frankreichs sein.
  • Oh, Frankreich trägt diesen morbiden Charme très chique. Die abblätternde Farbe auf den Fensterläden und Fassaden – ich mag das ja. Hier in NL ist immer alles so piccobello „netjes“, das Durchlebte in Belfort mit dem schönen See und Strand gefällt mir!
  • Fand ich auch sehr charmant und besonders gefiel mir, dass der Ort so bunt, so wirkt durch die bunten Fassaden.

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