Wo Leidenschaft lodert, entsteht ein guter Brand

Hausham brennt. Da fahren wir doch eben mal hin, der oberbayerische Ort liegt sowieso auf unserem Weg ins Wochenende am Spitzingsee. Ein spontaner Stopp ganz nach unserem Geschmack.

Lantenhammer brennt seit 1928. Angefangen hat alles in Hausham mit Enzian. Ein ganzer Berg solcher Wurzeln türmt sich bei unserem Besuch auf dem Hof der Erlebnisdestillerie, frisch geliefert.

Birnen sind auch gerade gekommen.

Rote Williams aus Südtirol. Etwa 300 Tonnen verarbeitet Lantenhammer im Jahr, schätzt Destillateur Josef Biechl. Man nehme nicht die übliche dritte Ware, sondern Saft- und Marmeladenqualität, das heißt die Früchte werden erst geerntet, wenn sie am Baum reif geworden sind. Entsprechend schnell wollen die verarbeitet werden.

Kupferne Kessel und moderne Architektur

Drei Wochen dauert die Gärung im Edelstahltank, der Obstwein hat jetzt fünf bis sechs Prozent Alkohol. Vier Stunden braucht der erste Brenndurchgang in der 1000-Liter-Blase bis zum Rohbrand mit 30 bis 35 Prozent Alkohol.

Weitere neun Stunden, Fingerspitzengefühl und Know-how vom Brennmeister sind nötig bis zum Feinbrand. Denn nur der Mittellauf ist gut genug, Vor- und Nachlauf enthalten zu viel unerwünschte Nebenstoffe und werden abgetrennt.

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Wir probieren den Feinbrand direkt aus dem Tank – hm, das ist nur was für ganz Harte.

Fast 70 Prozent Alkohol hat das Destillat nach dem zweiten Brennlauf und muss erst noch mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt werden.

Dann ist der Obstbrand fertig und könnte getrunken werden. Bei Lantenhammer gibt man den Brand aus Williams und Co. aber noch für ein paar Monate in 400-Liter-Steinguttöpfe mit schweren Deckeln, die allein durch ihr Gewicht ausreichend abdichten. Aber eben nicht so sehr, dass keine Luft mehr hinein kommt. Ein Schatz, sagt Biechl, denn die werden gar nicht mehr hergestellt. Vorteil gegenüber anderen Gefäßen sei, dass der Brand sich durch den Sauerstoff-Austausch entwickeln kann, aber nicht das Aroma annimmt wie beim Holzfass-Ausbau.

Es sei denn, das ist gewollt. Dann gibt Biechl den Brand beispielsweise in gebrauchte Slyrs-Whisky- oder Sherry-Fässer.

Jede Lieferung wird separat gebrannt und gelagert. Weil jedes Obst anders reift. Erst vorm Abfüllen in die Flasche verkosten Biechl und seine Kollegen jede Charge und verschneiden solange bis das fertige Produkt ausgewogen schmeckt.

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Im Juli 2014 ist Lantenhammer zurückgekehrt zu seinen Wurzeln und hat die neuen Produktionsräume in Hausham in Betrieb genommen.

Verkosten (und kaufen) kannst du die Lantenhammer-Produkte im angeschlossenen Shop. Sehenswert ist auch die Slyrs-Whisky-Destillerie in Neuhaus, die ebenfalls zum Unternehmen gehört.

Lantenhammer Destillerie GmbH, Obere Tiefenbachstr. 8, 83734 Hausham, www.lantenhammer.de

Slyrs, die oberbayrische Whisky-Destillerie in Neuhaus
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