Salla und Ruka/Kuusamo, zwei Regionen im östlichen Finnisch Lappland – wilder Norden, kaum Touristen, viel Wald. Und dann dieser Moment: Im Wald umzingelt von einer Rentierherde, Blut auf dem Teller und Rauch in der Hütte. Unvergessliche Erlebnisse in Finnisch Lappland, Europas wildem Norden.
Finnisch Lappland ist eine dünn besiedelte Wildnisregion im Norden Finnlands, die sich besonders für Natur- und Aktivurlaub eignet. Die Region um Salla und Ruka/Kuusamo bietet Wandern, Fatbiken und Kanufahren im Sommer sowie Nordlichter und Skisport im Winter. Typische Erlebnisse sind Rentierparks, finnische Rauchsaunas und die lokale Wildküche mit Rentierfleisch, Lachs und arktischen Beeren. Insidertipp: Der 2022 gegründete Salla Nationalpark zählt zu den neuen Schutzgebieten Finnlands und ist noch wenig touristisch überlaufen.
Der Wald ist licht, weiter hinten schimmert das Wasser eines Sees durch. Nichts als Stille. Dann ein Pfiff. Die Erde grummelt, immer lauter. Wie auf ein Kommando kommen sie aus allen Richtungen angaloppiert: etwa 60 hungrige Rentiere.
Und wir mittendrin.
Gut zu wissen, dass Rentiere Vegetarier sind … Das und alles, was sonst so im Jahr eines Rentieres passiert, erzählt uns Timo, unser Guide im Salla Wilderness Park. Wir begleiten ihn zur täglichen Visite; bald fressen auch uns die gar nicht scheuen Rentiere fast aus der Hand – und lassen sich sogar streicheln. Außer am Geweih, das mögen sie gar nicht. Doch schon bald sind Beeren und Pilze wieder spannender als wir.
Salla Nationalpark: wandern, paddeln und fatbiken



Timo hat in der Zwischenzeit frischen Kaffee gebrüht, so wie die Finnen es machen: über dem offenen Feuer Wasser zum Kochen bringen, Kaffeepulver rein und etwa 20 Minuten ziehen lassen. Programme wie dieses offeriert der Salla Wilderness Park von Mai bis zum Herbst, auch mit Übernachtung im Park.


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Auf dem Ämmin Polku und dem Kaunisharju Trail
Wer lieber individuell unterwegs ist, findet im 2022 gegründeten Salla Nationalpark unzählige Möglichkeiten – von uralten Wäldern, Mooren, unberührten Seen bis zum Gipfel des Iso Pyhätunturi, von dem man die Weite der Landschaft bewundern kann.
Auch vom Gipfel hinter unserer Unterkunft am Salla Ski Resort ist die Aussicht grandios und nur eine knappe Stunde Aufstieg entfernt. Wir spazieren nach dem Abendessen hinauf und genießen – na klar – einen Kaffee am Feuer. Der Sonnenuntergang wartet auf uns bis zum Rückweg gegen 22 Uhr, einfach fantastisch.



Während es im Sommer ein paar Wochen lang überhaupt nicht richtig dunkel wird, glänzt der Sternenhimmel in der übrigen Zeit umso intensiver. Lichtverschmutzung? Gibt es nicht in Lappland. Die Milchstraße glitzert milliardenfach am schwarzen Firmament.
Getoppt wird das Spektakel nur noch von den Nordlichtern, die von Herbst bis zum Frühjahr zu sehen sind. Unter anderem dafür wurden dieses Jahr vier Observationshütten aufgestellt, in denen man die Phänomene des Nordens ganz gemütlich beobachten kann.


In und um Salla locken mehr als 300 Kilometer markierte Wanderwege in die Natur, von der kleinen Runde bis zur Mehrtagestour. Wir starten direkt am Besucherzentrum auf dem Ämmin Polku, einem knapp drei Kilometer langen Weg, der teils durch den Wald und teils auf Holzbohlen bis zu einem kleinen See führt, mit Picknick- und Grillhütte.



Für den Kaunisharju Trail leihen wir uns im Salla Ski Resort ein Fatbike. Mit dessen besonders breiten Reifen kommen wir bestens durchs Gelände. Obwohl ich anfangs etwas skeptisch bin, meistert das Rad selbst Wurzeln, Schotter und steile Stücke problemlos, ja es macht sogar richtig Spaß. Diese und weitere Tourenbeschreibungen gibts im Salla Ski Center oder im Besucherzentrum des Nationalparks.


Kanutour unter der Mitternachtssonne
Unter der Mitternachtssonne auf einem See paddeln – ein weiteres Highlight unserer Tour durch Finnisch Lappland im August. Bis kurz vor elf Uhr abends ist es da noch hell. Auf dem Hangasjärvi lässt unser Guide die Boote ins Wasser, hilft beim Einsteigen – tatsächlich der „gefährlichste“ Moment einer Kanutour – und dann paddeln wir auf dem spiegelglatten, stillen See. Ein unbeschreibliches Gefühl, so mitten in der Natur, über die sich die Nacht senkt, zu sein.
Nach etwa einer Stunde erreichen wir das Ende des Sees und stärken uns für die Rückfahrt am Feuer mit Kaffee und selbst gemachtem Pie mit Rentierfleisch oder Lachs. Finnen lieben es, in der Natur zu sein und so gibt es an den schönsten Plätzen Feuerstellen zum Picknicken. Holz liegt in einer kleinen Hütte daneben, jeder darf sich bedienen.



Ruka/Kuusamo: Wild Food, Home Baking & Rauch-Sauna
Von Salla fahren wir nach Ruka, das rund hundert Kilometer südlich liegt. Schnurgerade Straße, keine Ortschaften, keine Tankstelle, gelegentlich mal ein paar Rentiere und sonst – nichts als Wald und Wasser.
Nach unserem gut ausgestattetem Apartment in Salla wartet in Ruka noch eine Steigerung auf uns: ein Haus am See Iso-Veskajärvi mit Sauna und – ein freier Blick zum Himmel vom Bett aus. Schade nur, dass sich die Fenster nicht öffnen ließen.




Vorm Essen bleibt noch etwas Zeit für einen Spaziergang auf den Konttainen Hill, ein etwa zwei Kilometer langer Trail führt vom Parkplatz aus zum Aussichtspunkt am Gipfel. Die Aussicht: ein Traum, besonders schön vom späten Nachmittag an bis zum Sonnenuntergang.
Der Gipfel bietet eine wirklich lohnende Aussicht auf den See Konttaisenjärvi und die umliegenden Hügel von Ruka. Wer mehr Zeit hat: Der Wanderweg Konttaisen polku ist Teil des Karhunkierros-Weges.


Das Ruksa Restaurant der Familie Määttä setzt voll und ganz auf Naturküche: modern, wild und lokal sind die Speisen auf der Karte. Ob Tatar vom Whitefish, der zur Familie der Lachse gehört, mit Limettenkaviar und roter Bete, gedünstetes Rentierfleisch mit Kartoffelstampf und Preiselbeeren oder das gebackene Eis mit arktischen Beeren und Merengue – einfach köstlich.



Rentier hatten wir auch die Tage zuvor in Salla schon probiert – und zwar in verschiedenen Versionen, unter anderem als Blutwurst und Zunge. Was nach etwas Überwindung klingt, schmeckt würzig und sehr lecker.


Tanja und Matti, Gastgeber von Pohjolan Pirtti, leben ziemlich abgeschieden, im Haus der Großmutter aus dem 19. Jahrhundert, nur noch acht Haushalte zählt das „Dorf“ in der Nähe von Kuusamo.
Besuch haben sie dennoch ziemlich oft, sogar Promis wie Fußballstar Messi waren schon da, erzählt Tanja. „A Day like a Finn“ heißt das Programm, wo man ein paar Stunden lang mit den beiden in ihrer Küche Rieska, das traditionelle Fladenbrot, und Zimtschnecken backt und beim gemeinsamen Essen viel erfährt über das Leben der Finnen hier.
Der Teig ist schon vorbereitet, dann gehts ans Kneten, Ausrollen und Formen. Im Steinbackofen bekommt das Gebäck dann seinen unvergleichlichen Geschmack. Das Rezept wollte Tanja aber lieber für sich behalten.



Wir fahren weiter zu den Nachbarn, zirka 20 Minuten entfernt, direkt an der russischen Grenze. Hier betreiben die beiden Schwestern Katja Vira und Sirpa Kämäräinen das Isokenkäisten Klubi, ein einfaches Hotel mit dem gewissen Etwas. Das Etwas ist die Rauchsauna – und das sollte jeder, der nach Finnisch Lappland kommt, erlebt haben. Für Finnen ist die Sauna ein heiliger Ort, erklärt Katja, das ganze Leben lang begleitet diese den Menschen – früher kamen hier sogar die Babys zur Welt, wenn es weit und breit der einzige Ort war, an dem es Wärme und Wasser gab.
Die Zeremonie ist aufwändig: Sechs Stunden vorher wird das Feuer angefacht und rund tausend Kilo Steine erhitzt. Dann wird der Rauch abgelassen, die trockene Hitze bleibt in der Sauna – über viele Stunden hinweg. Dampf entsteht dadurch, dass man sich ganz nach Belieben mit kalten oder lauwarmem Wasser über den Körper gießt oder mit nassen Birkenzweigen abklatscht. Nach dem Saunagang springt man direkt in den See zum Erfrischen. Und startet dann das Ganze von vorn.




Während wir noch die finnische Wellness genießen, wirbelt Sirpa bereits in der Küche. Beste Hausmannskost aus dem, was die Natur gerade hergibt – lokal, frisch und sehr schmackhaft zubereitet.
Tiefentspannt und mit einem feinem Raucharoma am Gaumen fallen wir abends ins Bett. Das angenehm schaukelnd auf dem Wasser des Heikinjärvi schwimmt. Wie auf einer kleinen Insel steht die Aurorahütte, zur Seeseite und nach oben verglast – falls die Aurora Borelia, die Nordlichter, tanzen, muss man nicht mal das wohlige Nest verlassen.


Finnisch-Lappland – alles Wichtige auf einen Blick
Anreise
Flug: Finnair ab mehreren deutschen Städten nach Helsinki (HEL), Anschlussflug nach Kuusamo (KAO), ca. 1,5 Std. Flugzeit ab Helsinki; Gesamtreisezeit inkl. Umstieg ca. 4–5 Std.
Mietwagen: Unbedingt vorab reservieren. Abholung und Rückgabe direkt am Flughafen Kuusamo unkompliziert. Salla und Ruka/Kuusamo liegen ca. 100 km auseinander.
Beste Reisezeit: Sommer (Jun–Aug): Mitternachtssonne, Wandern, Kanu, Fatbike
Herbst/Winter (Sep–Mär): Nordlichter, Ski, Schneeschuh
Übernachten
- Holiday Club Salla, Revontulentie 2, 98900 Salla, holidayclubresorts.com; Übernachtung in gemütlichen Appartments mit Sauna und Kamin.
- Villa Veskaranta, Rukan Salonki, Veskantie 1, 93830 Rukatunturi, rukansalonki.fi/en/accommodation/veskaranta-sky-view-villas-en; Doppelhäuser mit eigenem Seezugang
- Isokenkäisten Klubi, Heikinjärventie 3, 93800 Kuusamo; kleines Hotel mit Rauchsauna und schwimmender Aurora-Hütte (Glasdach mit Blick zum Himmel) am See Heikinjärvi, direkt an der russischen Grenze
Heikinjärventie 3, 93800 Kuusamo
Hier kannst du auf Booking.com Hotel finden und Preis checken.
Essen & Trinken:
- Restaurant Kiela, Hangasjärventie 1, Salla, Bar, Restaurant und Touristinfo zugleich, mit Seezugang, https://www.sallatunturi.fi/de/restaurants/restaurant-kiela/
- Restaurant Keloravintola, Revontulentie 9, Salla, https://keloravintola.fi/en/home/
- Restaurant Ruksa, Rukatunturintie 12, 93830 Kuusamo, Wildküche der Familie Määttä: lokal, saisonal, modern. Spezialitäten: Whitefish-Tatar, Rentierfleisch, arktische Beeren
- Pohjolan Pirtti, Erlebnis-Kochen mit Tanja und Matti: Rieska (Fladenbrot) und Zimtschnecken im Steinbackofen, Programm „A Day like a Finn“, https://www.pohjolanpirtti.fi/
Erleben:
- Salla Wilderness Park, Hautajärventie 111, Salla, www.nationalparks.fi/sallavisitorcentre; verschiedene Angebote wie Rentierfütterung oder Kanutouren, teils auch mit Übernachtung; Informationen zu Wandertouren mit Karten gibts im Besucherzentrum
- Salla Nationalpark, gegründet 2022, einer der jüngsten Nationalparks Finnlands. Über 300 km markierte Wanderwege durch Urwälder, Moore und an Seen. Einstieg: Ämmin Polku (ca. 3 km, ab Besucherzentrum)
- Mitternachts-Kanu-Tour auf dem Hangasjärvi-See
- Salla Ski Resort, Revontulentie 7, Salla, ski.salla.fi; im Sommer Vermietung von Fatbikes
- Oulanka National Park Besucherzentrum, Liikasenvaarantie 132, 93900 Kuusamo, Ausgangspunkt für den Karhunkierros-Weitwanderweg, nationalparks.fi
- Museum of War and Reconstruction, Savukoskentie 12, 98900 Salla,
saisonaler Betrieb, Öffnungszeiten verifizieren
Häufige Fragen
Wann ist die beste Reisezeit für Finnisch Lappland?
Sommer (Juni–August) für Mitternachtssonne, Wandern und Kanu; Herbst/Winter (September–März) für Nordlichter und Schneesport. Rentiere sind ganzjährig im Salla Wilderness Park zu erleben.
Wie kommt man nach Salla und Ruka/Kuusamo?
Finnair fliegt von mehreren deutschen Städten über Helsinki nach Kuusamo (Gesamtreisezeit ca. 4–5 Stunden). Ab Kuusamo empfiehlt sich ein Mietwagen — die Regionen liegen rund 100 Kilometer auseinander, öffentliche Verbindungen sind spärlich.
Was ist eine finnische Rauchsauna?
Die Rauchsauna (finnisch: savusauna) ist die ursprünglichste Form der finnischen Sauna: Das Feuer wird sechs Stunden lang entfacht, rund 1.000 Kilogramm Steine erhitzt, dann der Rauch abgelassen. Die Wärme hält sich über Stunden, Dampf entsteht durch Wasser auf den Steinen oder nasse Birkenzweige. Anschließend springt man in den See.
Was isst man in Finnisch Lappland?
Die Küche setzt stark auf Wildprodukte: Rentierfleisch (als Steak, Blutwurst, Tatar), Süßwasserfisch wie Whitefish (Renke, aus der Familie der Lachsfische), arktische Beeren und hausgemachtes Fladenbrot (Rieska). Restaurant-Empfehlungen: Kiela in Salla, Restaurant Ruksa in Ruka.
Lohnt sich der Salla Nationalpark?
Ja, der 2022 gegründete Salla-Nationalpark ist einer der jüngsten Finnlands und noch wenig frequentiert. Über 300 Kilometer markierte Wege führen durch Urwälder, Moore und an unberührten Seen entlang. Das Besucherzentrum (Salla Wilderness Park, Hautajärventie 111, Salla) gibt Karten und Tourenbeschreibungen aus.
Hinweis: Das ist ein redaktioneller Beitrag, der unter Umständen dennoch eine werbliche Wirkung entfalten könnte. Die Reise erfolgte mit freundlicher Unterstützung der Regionen Salla und Ruka/Kuusamo. Bei meinen Recherchen arbeite ich zum Teil mit Tourismusverbänden, Veranstaltern und Hotels zusammen. Auf Art, Inhalt und Umfang meiner Artikel hat dies keinen Einfluss, meine Meinung bleibt wie immer die eigene.