Lahemaa Nationalpark Estland

Holzhäuschen im Nationalpark
Holzhäuschen im Nationalpark Laheema

Tag 3 in Estland. Nach unserer gestrigen Tour an die Westküste, erkunden wir heute den größten Nationalpark des Landes: Lahemaa, etwa eine Autostunde östlich von Tallinn. Bei Kuusalu fahren wir von der Autobahn ab. Abfahren heißt in diesem Fall (ganz offiziell): wenden und rechts raus. Auf der Autobahn. Ist aber kein Problem, der Verkehr ist kaum vergleichbar mit dem in Deutschland. Estland ist eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. Und wirkt dadurch gleich viel weitläufiger als es in Kilometern gemessen tatsächlich ist.

So zuckeln wir – scheinbar endlos ohne Gegenverkehr – durch die Wälder des Nationalparks, bevor wir in Käsmu ankommen. Die unzähligen Heidelbeersträucher wirken wie ein flauschiger, grüner Teppich. Schräg einfallende Sonnenstrahlen brechen sich an den Bäumen, eine fast schon mystisches Szenerie.

Natur pur: Bären & Beeren, Wälder & Moore

Stattliche 2.222 Inseln sollen zu Estland gehören. Seen, Flüsse, Moore und Wälder, die mehr als die Hälfte des Landes bedecken. In denen Luchse, Braunbären, Wölfe, Elche sowieso, noch wild leben. Beobachten kann man vor allem die Bären nachts in speziellen Hütten mit Ausguckschlitzen. Direkt ins Moor Viru bog führt ein Plankenweg, den wir aber leider nicht mehr geschafft haben. Ein Dreiviertel-Tag im Lahemaa Nationalpark ist definitiv zu knapp geplant.

Foto:  ©Sven Zacek, Visit Estonia
Wälder im Lahemaa Nationalpark, Foto: ©Sven Zacek, Visit Estonia
Fischerdorf Altja, Foto: @Visit Estonia

Käsmu, wo das Land zu Ende ist

Das Fischerdorf Käsmu liegt am Ende der Landspitze, die in die Ostsee ragt. Eine Straße führt durch den Ort, an der die Häuser wie auf einer Schnur aufgefädelt sind, eins schmucker als das andere. Da ist das Meeresmuseum, zwei kleine Cafés – das war’s. Vögel zwitschern, Möwen schreien, Birken biegen sich im Wind, es riecht salzig nach Meer und Kiefern. Definitiv ein Platz, an dem wir uns gern für ein paar Tage einquartieren würden. Das Reizvolle an Käsmu ist das, was nicht stattfindet. Jedenfalls nicht in der Vorsaison. Im Sommer gibt es jede Menge Feste hier, erzählt man uns, und auch die vielen Zimmer seien dann meist ausgebucht.

Käsmu, Mastenwald Wanderung zur Landspitze Käsmu, Jörgs End

Vom Parkplatz am Ende des Ortes führt ein kurzer Trail bis Jörgs End. Ganz bis zum Ende dürfen wir nicht, da das Gebiet in der Brutzeit gesperrt ist. Auf der 4,5 Kilometer langen Strecke informieren 16 Tafeln über das, was wir am Weg sehen. Über den Mastkiefernwald, aus dem nie Masten für Schiffe geschlagen wurden. Er heißt nur so, weil die Kiefern bis zu 30 Meter hochwachsen. Oder über den Steinhaufen, für den der schwedische König verantwortlich sein soll. Die Birken wachsen hier bis ans Ufer und im Wald, der fast bis ans Wasser reicht, gibt es im Herbst Unmengen Pilze. Wir können uns nur schwer losreißen von diesem Ort, der uns sofort in seinen Bann gezogen hat.

[envira-gallery id=“20836″]

Über Võsu kommen wir zum ehemaligen Gutshof Vihula, der heute ein Country Club & Spa ist, kurz darauf zum Herrenhaus von Sagada. Beide lassen wir links liegen, um beim Gut Palmse einen Stopp einzulegen.

Alte Gutshöfe und coole Restaurants

Das bekannteste, aber beileibe nicht das größte Gut in Estland, wurde zum Museum umfunktioniert samt Gesindegebäuden und Barockgarten mit Teich. Das Besucherzentrum des Nationalparks ist ebenfalls mit eingezogen. Auf dem Dach der hauseigenen Brennerei hat sich ein Storchenpaar niedergelassen, das zur Begrüßung gar nicht mehr aufhört mit Klappern. Palmse ist hübsch hergerichtet, keine Frage, uns aber ein wenig zu touristisch, sodass wir uns nicht allzu lange aufhalten.

Gutshof Palmse
Gutshof Palmse
Gutshof Palmse

Eine halbe Stunde später sitzen wir wieder am Meer, in Kaberneeme. Von der windgeschützten Seite der Terrasse des Restaurants Oko haben wir einen schönen Blick auf die Boote, die im kleinen Hafen liegen. Das Lokal im Stil eines Bootshauses zählt zu den 50 besten in Estland. Man könnte dort auch übernachten in einem der fünf Zimmer. Kulinarisch hat das baltische Land in den letzten Jahren enorm aufgeholt, Hotspots wie Kopenhagen können sich vielleicht bald warm anziehen. Der Küchenstil von Chef Marko Zukker: unkonventionell, lokal und sehr lecker. Und die gebackenen Sprotten mit Mayo, das Sandwich mit selbst geräucherter Ente und Koriander, das Ziegenkäse-Eis mit Olivenöl und Kirschen sind ein würdiger Abschluss unserer Estland-Tour.

Terrasse des Oko, direkt am Meer
Terrasse des Oko: Lust auf Meer …
gebackene Sprotten
… und gebackene Sprotten
Oko-Chef Marco Zukker

Infos & Adressen:

Screenshot: Google Maps

Hinkommen:
Am besten mit dem Mietwagen von Tallinn auf der E20 Richtung Narva. Dauert bis zum Lahemaa Nationalpark ca. 1 Stunde (80 km).

Essen & Trinken:
Restaurant Oko, Punaste laternate 1, Kaberneeme

Besuchen:
Gutshof Palmse, Laheema Nationalpark

Weitere Infos unter www.visittallinn.ee und www.visitestonia.com.
Hinweis: Meine Reise wurde unterstützt vom Estonian Tourist Board und VisitTallinn.

Mehr von Antje

Kapstadt kulinarisch: 10 echt lässige Restaurants

So viele Restaurants, so wenig Zeit. Wer wie ich auf Reisen möglichst...
Mehr lesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wordpress Anti-Spam durch WP-SpamShield