Radtour Schiefe Ebene Hohenlohe

Radtour Schiefe Ebene
Radtour Schiefe Ebene

Die Schiefe Ebene in der Region Hohenlohe ist ein knapp hundert Kilometer langer Radrundweg, der so einiges in petto hat: Natur, Ruhe, Kunst, Kultur und Geschichte. Selbst ungeübte Radler bewältigen die Strecke ganz bequem. Wir haben die Radtour auf Einladung der Touristikgemeinschaft Hohenlohe ausprobiert.

Start in Pfedelbach. Der Weinbauort zwei Kilometer von Öhringen entfernt, gönnt sich sogar ein eigenes Weinbaumuseum (öffnet nach Absprache). Das strahlend weiße Wasserschloss dient nur nicht nur als Fotomotiv, sondern gibt auch eine imposante Kulisse für Hochzeiten ab. Ein Tipp der Wirtsleute vom Bürgerstüble: Etwas außerhalb im Ortsteil Gleichen befindet sich seit dem Frühjahr 2014 eine der drei Limes-Plattformen. Auf rund elf Kilometern wurde der Limes mit Bäumen, Sträuchern bepflanzt, um dessen schnurgeraden Verlauf sichtbar zu machen.

Wasserschloss Pfedelbach
Wasserschloss Pfedelbach
Brunnen vorm Marstall
Brunnen vorm Marstallgebäude in Pfedelbach

Auf der Schiefen Ebene durch den RadSüden Baden-Württemberg

Am Kreisverkehr im Ort folgen wir den grün-weißen Schildern des Radweges Schiefe Ebene quer durch Hohenlohe. Ein paar Dörfer weiter, an der Abzweigung Kesselfeld lohnt ein Abstecher nach Waldenburg, dem höchsten Punkt der Tour. Das Renaissance-Schloss, Fachwerkhäuser, Türme und Reste der Bastei prägen das Bild der kleinen Stadt aus dem Mittelalter. Von der Stadtmauer (besser: vom Stauferturm) reicht die Aussicht unendlich weit über Äcker, Wiesen und Wälder.

Die Schiefe Ebene ist faktisch nicht das, was sie zu sein scheint: eben. Jedenfalls nicht so flach, wie es der weite Blick suggeriert, den wir während der gesamten Tour haben. Kaum irgendwo wird es richtig steil, aber etwas Auf hier und ein bisschen Ab dort summieren sich am Ende doch. Ein wenig Antriebshilfe in Gestalt eines Pedelecs ist uns deshalb sehr willkommen. Also, wer behauptet, Hohenlohe sei eine Ebene, liegt daneben. Schief eben.

Bei Brachbach überquert der Radweg die Autobahn A6. Doch schon nach wenigen Minuten pfeift uns nur noch der Fahrtwind um die Ohren. Hin und wieder bellt ein Hund, tönt eine Kirchturmglocke, rascheln Weizen und Mais am Weg. Üppige Bauerngärten vor den Häusern wechseln sich ab mit Kirsch-, Birnen-, Apfel- und Pflaumenbäumen am Straßenrand.

Ein Obstgarten wie aus dem Bilderbuch.

Wir passieren Dörfer, in denen es noch würzig nach Landleben duftet. Treffen Menschen, die auf uns zukommen und Hilfe anbieten, wenn wir mal ein Schild übersehen und uns verfahren haben. Die ihr Hohenlohe nicht nur wie die eigene Westentasche kennen, sondern auch über alles lieben. Selbst wenn der Alltag zuweilen nicht ganz einfach ist ohne Lebensmittelgeschäft im Ort. Eine Imkerin bittet uns in die Küche auf einen kleinen Schwatz. Früher war das der Stall, doch irgendwann lohnte sich das nicht mehr. Als sie und ihr Mann in Rente gingen, haben sie umgebaut. Auch die Felder werden jetzt vom Nachbarort aus bewirtschaftet. Junge Leute ziehen weg, in die Stadt. Und die Städter wollen raus aufs Land, wenigstens im Urlaub. Mal eine echte Kuh sehen, die Lämmer und die Zicklein nicht nur auf dem Teller erleben. Genau das finden sie in Hohenlohe, besonders abseits der stark frequentierten Radwege.

Viel später als geplant und mit einem Glas selbst gemachten Honig machen wir uns wieder auf den Weg nach Künzelsau, dem Ziel unserer ersten Etappe.

Künzelsau hat etwa 15.000 Einwohner und eine Altstadt mit engen Gassen, blumengeschmückten Fenstern und kleinen Läden. Die Hauptstraße mit alten Fachwerkhäusern führt direkt zum Kocher, an dessen Ufer die Werthwiesen zum Sitzen oder Flanieren einladen. Eine echte Attraktion ist die Bergbahn, die im Viertelstundentakt in den höher gelegenen Stadtteil Taläcker führt. Von dort kann man im nahegelegenen Stadtwald wandern. Nicht nur Urlauber finden Künzelsau attraktiv. Weltmarktunternehmen wie Würth, Stahl oder Mustang haben haben hier ihren Sitz, nicht zuletzt durch die gute Verkehrsanbindung. Wirte und Hoteliers freuen sich wiederum über volle Häuser. Und vielen Geschäftsreisenden gefällt Hohenlohe so gut, dass sie im nächsten Urlaub mit Familie wiederkommen. Der deutsche Trend, Urlaub im eigenen Land zu machen, bekommt hier ein Gesicht.

Fast wie auf der Modelleisenbahn: Fachwerkhäuser in der Hauptstraße
Fast wie auf der Modelleisenbahn: Fachwerkhäuser in der Hauptstraße
Aufstiegshilfe: Bergbahn in Künzelsau
Aufstiegshilfe: Bergbahn in Künzelsau

Unser Hotel für diese Nacht: Anne-Sophie. Das teilweise denkmalgeschützte Gebäude vereint Alt und Neu sehr geschmackvoll bis ins Detail, Gegenstände und Gemälde aus der Kunstsammlung der Familie Würth schmücken Räume und Flure. Vor allem aber ist es ein Haus mit einem ganz besonderem Konzept. Menschen mit und ohne Handicap arbeiten Hand in Hand, jeder so wie er kann. Freundlich und aufmerksam. Doch selten habe ich in einem Hotel zudem eine solch herzliche Atmosphäre gespürt wie hier.

Tag zwei beginnt kunstvoll im Museum Würth, das in das Verwaltungsgebäude des Unternehmens integriert ist. Genau genommen sind es zwei Museen: die Schrauben- und Gewindesammlung und die moderne, zeitgenössische Ausstellung.
Echt gut hat uns die derzeitige Schau „Davoser Bergwelten“ mit Bildern von Philipp Bauknecht gefallen, die noch bis November 2014 zu sehen sind.

Radwandern auf Genießertouren

Gemütlich-hügelig schlängelt sich der Radweg von Dorf zu Dorf, beinahe nach jeder Kurve wechselt die landschaftliche Szene. Nur die Silhouette von Waldenburg ragt wie ein Leuchtturm heraus.
Kurz vor Zweiflingen lädt die Waldschänke Friedrichsruhe zur Rast. Die blumenumrankte, windgeschützte Terrasse wurde erst 2013 eröffnet und gilt (noch) als Geheimtipp. Das Spa im dazugehörigen Hotel nebenan können (nach Anmeldung) auch Gäste nutzen, die nicht übernachten. Wir haben noch gut ein Drittel Weg vor uns, deshalb steigen wir wieder in den Sattel. Über Siebeneich (eines von drei Energiedörfern in Hohenlohe) radeln wir nach Bretzfeld, und von dort gemütlich entlang der Weinhänge zurück nach Pfedelbach.

Auftanken in der Waldschänke Friedrichsruhe (oder nebenan im Hotel-Spa)
Auftanken in der Waldschänke Friedrichsruhe (oder nebenan im Hotel-Spa)
Abwechslungsreiche Radtour: Weizen und Weinberge bei Bretzfeld
Abwechslungsreiche Radtour: Weizen und Weinberge bei Bretzfeld

Übrigens: Die Pfedelbacher sind manchmal nicht zu verstehen. Das liegt weniger daran, dass sie undeutlich reden, sondern am Jenisch, einer Geheimsprache. Mit der verständigten sich einst die Ganoven untereinander, wenn sie mal wieder was „gezupft“ (gestohlen) hatten und vorm „Schucker“ (Polizist) flohen. Fahrende Leute brachten das Jenische im 18. Jahrhundert nach Hohenlohe und nach Pfedelbach, wo der Dialekt bis heute gepflegt wird. Natürlich rein zur Unterhaltung.

Infos zum Radurlaub Baden-Württemberg

Touren planen:
Radtourismusportal RadSüden, Rad-Panoramakarte RadSüden, Karte Hohenlohe Radwandern auf Genießertouren

Essen und Schlafen:
Hotel Anne Sophie, Hauptstraße 22-28, 74653 Künzelsau, Tel: 07940-9346-0, 
www.hotel-anne-sophie.de
Bürgerstüble, Öhringer Straße 1, 74629 Pfedelbach, Tel.: 07941-7022, www.buergerstueble-pfedelbach.de
Waldschänke und Schlosshotel Friedrichsruhe, Kärcherstraße, 74639 Zweiflingen-Friedrichsruhe, Tel.: 07941-6087-0, www.schlosshotel-friedrichsruhe.de/Waldschaenke.html

Räder mieten:
Zweirad-Carle, Berliner Straße 16, 74613 Öhringen, Tel.: 07941-91760, www.zweirad-carle.de

Die Schiefe Ebene führt durch Wiesen, Wälder und Weinberge.
Die Schiefe Ebene führt durch Wiesen, Wälder und Weinberge.
Eine Radtour für Genießer und ausreichend Platz für ein Picknick in der Natur
Eine Radtour für Genießer und ausreichend Platz für ein Picknick in der Natur

Die Reise wurde unterstützt von der Touristikgemeinschaft Hohenlohe.
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