Tallinn fühlt sich an wie ein geheimes Kapitel Europas: Kopfsteinpflaster, mittelalterliche Türme – und plötzlich hippe Cafés, Designläden und eine kreative Szene, die du so nicht erwartest. Zwischen Ostsee, Geschichte und digitalem Lifestyle ist Estlands Hauptstadt genau das Richtige für alle, die das Gefühl haben, schon alles gesehen zu haben.
Tallinn ist kompakt, übersichtlich und genau deshalb ideal für einen Kurztrip übers Wochenende. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.
In diesem Artikel findest du die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, persönliche Tipps und alles, was du für ein perfektes Wochenende in Tallinn wissen musst.
Tallinn auf einen Blick:
- Lage: Nord-Europa, direkt an der Ostsee
- Perfekt für: 2–3 Tage Städtereise
- Beste Reisezeit: Mai bis September (ideal: Mai/Juni & September)
- Highlight: Die mittelalterliche Altstadt (UNESCO-Welterbe)
Tallinn Geheimtipps: Versteckte Ecken entdecken
Abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten lohnt es sich, einfach durch die Altstadt zu treiben. Hier zeigt sich Tallinn von seiner authentischsten Seite. Besonders schön sind:
- kleine Innenhöfe mit Kunsthandwerk
- ehemalige Handwerksgassen
- ruhige Durchgänge abseits der Hauptwege

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Tallinn
Das Zentrum ist überschaubar und doch gibt es so viel zu entdecken: Gasthäuser, die seit Jahrhunderten existieren, Werkstätten, in denen getöpfert oder geschnitzt wird, hübsche Höfe, die mit Kunsthandwerk und gemütlichen Cafés locken oder enge Gassen. Zwischen kleinen Boutiquen, Cafés und Werkstätten findest du immer wieder versteckte Innenhöfe und ruhige Ecken, die fast wie aus der Zeit gefallen wirken. Versteckte Ecken wie zum Beispiel den Klosterhof oder den Weckengang, wo früher die Bäcker ansässig waren.
Die Altstadt von Tallinn gehört zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtzentren Europas. Besonders außerhalb der Hochsaison kannst du Tallinn ganz in Ruhe erleben.
Rathausplatz: Das Herz der Stadt
Der zentrale Treffpunkt in Tallinn ist der Rathausplatz. Im Sommer laden Terrassen zum Verweilen ein, im Winter findet hier einer der schönsten Weihnachtsmärkte Europas statt.
Olaikirche: Einst das höchste Gebäude der Welt
Die Olaikirche war im Mittelalter mit ihrem 159 Meter hohen Turm zeitweise das höchste Gebäude der Welt. Heute ist sie vor allem ein beeindruckendes Beispiel für die Architektur der Hansezeit.
Domberg: Der beste Blick über Tallinn
Vom Domberg hast du einen der schönsten Ausblicke über die roten Dächer der Altstadt bis zur Ostsee.
Historisch war dieser Ort das Machtzentrum der Stadt. Obwohl die Kirche offiziell das Sagen hatte, bestimmten in Wirklichkeit die Kaufleute, wer Zugang zur Stadt erhielt.
Must-see: Raeapteek, die Apotheke aus dem 15. Jahrhundert
Zum Rathausplatz kommen die meisten sicher auch wegen der Raeapteek, die in keinem Reiseführer fehlt. Eine der ältesten Apotheken in Europa, 1422 erstmals erwähnt. Hinter dem Verkaufsraum befindet sich ein kleines Museum. Schon seltsam zu sehen, aus welchen Zutaten der Apotheker früher die Arznei zusammenrührte. Da wären verbrannter Hirschpenis, Kellerasseln, Hengsthoden, Menschenfett und diverse andere Spezialitäten, die hier fein säuberlich konserviert sind. Der Apotheker war im Mittelalter nicht nur die erste Anlaufstelle für alle Wehwehchen des Alltags, sondern auch Krämer, der Tinte verkaufte. Und er war noch da, als die Ärzte vor der Pest längst davon gelaufen waren.
Der rote und blaue Ballon im Fenster sind übrigens keine Dekoration, sondern für die, die weder lesen noch schreiben konnten (also die meisten damals) das Erkennungszeichen einer Apotheke. Rot und blau stehen für die Körperflüssigkeiten, frei nach Hippokrates.
Die Erfindung des Marzipans beanspruchen die Esten auch für sich, erzählt die heutige Apothekerin Katrin. Ursprünglich galt Marzipan nicht als süße Nascherei, sondern als Medizin gegen Kopfweh, Nervosität oder Liebeskummer. Kaufen kann man es immer noch in der Raeapteek. Genau wie den Kräuterlikör, den es exklusiv in der Apotheke gibt, hergestellt nach einem alten Geheimrezept.
Fun Fact:
Die roten und blauen Flüssigkeiten im Fenster dienten früher als Erkennungszeichen. Sie symbolisieren die Körperflüssigkeiten nach der Lehre des Hippokrates – wichtig in einer Zeit, in der viele Menschen nicht lesen konnten.
Auch spannend: Marzipan galt ursprünglich als Heilmittel gegen Kopfschmerzen oder Liebeskummer und wird bis heute hier verkauft.


So historisch die Altstadt wirkt, so modern ist das Leben in Estland. Das Land gilt als eine der digital fortschrittlichsten Gesellschaften weltweit. Vieles funktioniert online – von Behördengängen bis zu Wahlen. Selbst in abgelegenen Ecken ist schnelles Internet selbstverständlich.
Tallinn Städtereise: Ausblick vom Domberg
Eine besonders schönen Blick auf Tallinn haben wir vom Domberg über die roten Dächer und die engen Gassen der Altstadt bis zur Ostsee. Der Domberg liegt außerhalb der einstigen Stadtmauern, nur zwei Aufgänge gab es in die Oberstadt. Obwohl die Kirche offiziell das Sagen hatte, tatsächlich über den Zutritt zur Stadt bestimmten die Kaufleute, die die wahre Macht hatten in Reval. Diesen Namen verdankt Tallinn den Dänen, die einst die Esten auf’s Land zurückdrängten und sich in der Stadt breit machten. Auch der Einfluss der Deutschen ist noch allgegenwärtig (rund zweihundert Jahre dauerte deren Herrschaft) in der Sprache, die mit manchen Begriffen ans Plattdeutsche erinnert.

So beschaulich und traditionell der Stadtkern von Tallinn ist, so hypermodern sind die Esten im Alltag unterwegs. Sie haben nicht nur Skype erfunden. Überall, wirklich in der hintersten Ecke, gibt es schnelles Wlan. Stadtführer Volker zeigt seinen Personalausweis mit integriertem Chip, damit kann er ganz unbürokratisch so ziemlich alles erledigen, was man braucht – vom Arztbesuch, über Bankgeschäfte bis zu den Präsidentschaftswahlen. Das ist normaalne, oder?
Geheimcode: Normaalne!
Der Ausdruck „normaalne“ begegnet uns immer wieder. Er bedeutet so viel wie „cool“, „gut“ oder einfach „passt“. Die Antwort auf Glückwünsche zum Lottogewinn, die Frage, wie geht’s oder wie denn das Wochenende war, könnte in allen drei Fällen gleich lauten – normaalne. Emotionen zu zeigen, ist nicht unbedingt das Wesen der Esten. Aber, hat man einen von ihnen erst mal zum Freund, dann wahrscheinlich für immer, erklärt der Stadtführer.



Tipps für deine Tallinn Städtereise
Wie viele Tage einplanen?
2 bis 3 Tage sind ideal für einen ersten Besuch. Wenn du etwas mehr Zeit hast, dann empfehlen wir den Laheema Nationalpark sowie das mondäne Seebad Haapsalu & Schloss Fall in Keila Joa im Westen von Estland.
Wann reisen?
Mai, Juni und September sind perfekt – gutes Wetter, aber weniger Touristen.
Im Sommer beachten:
Viele Kreuzfahrtschiffe bringen zusätzliche Besucher in die Stadt. Früh morgens oder abends ist es am entspanntesten.
Preise:
Tallinn ist günstiger als viele westeuropäische Städte, aber kein klassisches Schnäppchenziel mehr.
Weitere Infos unter www.visittallinn.ee und www.visitestonia.com. Meine Reise wurde unterstützt vom Estonian Tourist Board und VisitTallinn.
4 Kommentare
Marzipan als Medizin gegen Kopfweh, Nervosität und Liebeskummer? Nix wie her damit! 🙂 Eine nette Anekdote. Wir finden Tallinn auch wunderschön.
Ob’s hilft, wenn es drauf ankommt, ist natürlich die andere Frage.