Eine 200 Jahre alte Rebe. Rebsorten, deren Namen kaum einer kennt. Ein ehemaliges Kloster in Saint-Mont als Kulinarik-Hotspot mitten in den Weinbergen, zeitgenössische Kunst und abends Jazz. Eine nicht so ganz klassische Weinreise im Südwesten Frankreichs.
Frankreich und Wein? Bordeaux, natürlich. Burgund, auf jeden Fall. Champagne sowieso. Aber Gascogne? Die Weinregion im Südwesten Frankreichs steht selten ganz oben auf der Liste, wenn es um Weinreisen geht. Dabei findet man rund um Saint-Mont im Département Gers eine Weinwelt, die weit mehr zu bieten hat als gute Tropfen.
Historische Reben, ungewöhnliche Rebsorten, gutes Essen, zeitgenössische Kunst, Wanderwege durch die Weinberge und im Sommer sogar ein Jazzfestival: Bei den Vignerons Plaimont ist Wein der rote Faden, aber längst nicht die ganze Geschichte.
Ich war kürzlich in Saint-Mont, um mich mit Rebsorten und den Auswirkungen des Klimawandels zu beschäftigen. Genau deshalb hatte ich zunächst vor allem die Weine und ihre Rebsorten im Blick. Was dabei fast ein wenig untergegangen wäre: Die Winzer von Plaimont bauen nicht einfach nur Wein an. Rund um ihre Weinberge ist über die Jahre ein ganzes Universum aus Wein, Kulinarik, Natur und Kultur entstanden.

Wo liegt Saint-Mont und was ist Plaimont?
Saint-Mont liegt im Gers, im Herzen der Gascogne im Südwesten Frankreichs. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, Weinbergen und kleinen Orten. Hier befinden sich die Weinappellationen Saint-Mont, Madiran und Pacherenc du Vic-Bilh, die eng mit Plaimont verbunden sind.
Plaimont ist eine Winzergenossenschaft, die seit Jahrzehnten daran arbeitet, die Weinvielfalt des Südwestens Frankreichs zu bewahren und weiterzuentwickeln. Besonders spannend ist dabei der Umgang mit alten und regionalen Rebsorten.

#1 Mehr als eine Weinprobe: Das Erlebnis Plaimont
Natürlich beginnt eine Reise zu Plaimont am besten dort, wo alles zusammenläuft: beim Wein. Plaimont bietet verschiedene weintouristische Erlebnisse an, von Führungen und Verkostungen bis zu Workshops rund um Wein und seine Herstellung.
Wer erst einmal hineinschnuppern möchte, bekommt bei einer geführten Tour einen Einblick in die Weinwelt von Saint-Mont und kann verschiedene Weine probieren. Noch spannender finde ich allerdings den Assemblage-Workshop. Hier wird nicht einfach nur verkostet. Du stellst aus verschiedenen Grundweinen der Appellation deine eigene Cuvée zusammen, füllst sie ab und nimmst deine persönliche Flasche mit nach Hause.
Ich mag solche Erlebnisse, bei denen man nicht nur zuschaut, sondern selbst etwas ausprobiert. Und eine Flasche, die man eigenhändig zusammengestellt hat, erzählt später am heimischen Küchentisch deutlich mehr als jeder Kühlschrankmagnet es könnte.
#2 200 Jahre alte Reben und sieben ungelöste Rätsel
Besonders ist auch der Besuch der historischen Rebparzelle in Sarragachies. Sie ist die einzige Rebfläche Frankreichs mit dem Status eines Monument historique. Einige der Rebstöcke sind rund 200 Jahre alt, wurzelecht und unveredelt.
Dass sie überhaupt überlebt haben, verdanken sie ausgerechnet dem sandigen Boden. Er bewahrte die Reben vor der Reblaus-Katastrophe des 19. Jahrhunderts. Noch erstaunlicher wird es beim Blick auf die Rebsorten: Auf der winzigen Fläche wachsen rund 20 verschiedene Sorten. Sieben davon sind bis heute nicht identifiziert. Spätestens hier wird aus einer Weinprobe eine Zeitreise.
Ein Winzer erzählt von den alten Reben, dem Boden und der Geschichte dieser außergewöhnlichen Parzelle. Zum Abschluss werden drei Cuvées ausgeschenkt, die es ausschließlich hier gibt. Das ist Weinbaugeschichte zum Anfassen und Verkosten.
#3 Degustationsdinner: Vier Gänge, vier Weine im Monastère de Saint-Mont
In Saint-Mont führt der Weg dann fast automatisch ins Monastère de Saint-Mont. Das ehemalige Kloster liegt mitten in den Weinbergen oberhalb des Ortes und verbindet heute Hotel, Restaurant und Weinerlebnis.
Ich habe dort selbst am Tisch von Küchenchef Jean-Paul Tossens gesessen: vier Gänge, vier passende Weine. Und ich kann sagen: Der Mann kocht verdammt gut. Was mir an solchen Weinmenüs gefällt, ist das Zusammenspiel. Der Wein begleitet das Essen nicht einfach nur, das Zusammenspiel krönt das Erlebnis. Und umgekehrt versteht man einen Wein manchmal erst richtig, wenn etwas Passendes dazu auf dem Teller liegt.
Das Déjeuner-Dégustation (Freitag und Samstag, nur nach vorheriger Reservierung) verbindet einen Rundgang durch das Rebsorten-Atelier bei Plaimont mit einem Menü und Weinen, die die verschiedenen Appellationen von Plaimont repräsentieren.
Noch spielerischer geht es beim Wein-Käse-Workshop zu. Saint-Mont-Rosé, Pacherenc-Weißwein und Madiran treffen dabei auf unterschiedliche Käsesorten. Und selbst der Pacherenc du Vic-Bilh darf seine traditionelle Rolle verlassen. Beim Cocktail-Workshop in Saint-Mont wird daraus ein Drink, der durchaus mit Eiswürfeln serviert werden darf.
Ich mag solche kleinen Regelbrüche. Denn genau so macht eine Weinregion Spaß: wenn man nicht nur das Erwartbare serviert, sondern ausprobiert, was sonst noch möglich ist.
#4 Zeitgenössische Kunst mitten im Weinort
Dass Wein hier nicht die einzige Hauptrolle spielt, zeigt sich auch in der kleinen Galerie Bleue für zeitgenössische Kunst, direkt über dem Laden von Plaimont in Saint-Mont. Der Eintritt ist kostenlos.
Ich wäre vermutlich daran vorbeigelaufen, wenn ich nicht davon gewusst hätte. Und gerade deshalb lohnt sich der Abstecher: Man braucht nicht viel Zeit und bekommt trotzdem einen weiteren Eindruck davon, wie selbstverständlich Wein, Kunst und Kultur hier miteinander verbunden werden.
#5 Marciac: Wenn Jazz durch die Weinberge weht
Im Sommer kommt noch eine weitere Zutat dazu: Musik. Im nahe gelegenen Marciac findet das inzwischen weit über die Ortsgrenzen hinaus berühmte Jazzfestival statt. Plaimont ist von Anfang an als Unterstützer dabei. Und während der Festivalwochen finden in der eigenen Villa Saint-Mont Konzerte statt. Einheimische und Besucher feiern hier das Leben – mit gutem Essen, Wein, Geselligkeit und Live-Musik.
Wein und Jazz sind vielleicht keine ganz offensichtliche Kombination. Aber nach einem Tag zwischen Reben und Weinkellern kann ich mir kaum etwas Passenderes vorstellen, als abends mit einem Glas Wein dem Jazz-Rhythmus zu lauschen.
#6 Zu Fuß oder mit dem E-Bike durch die Weinberge
Das Essen in der Gascogne schmeckt so wunderbar wie es deftig ist. Ein wenig Bewegung zwischendurch ist sicher keine schlechte Idee.
Der Oenorando-Wanderweg führt auf gut acht Kilometern durch die Weinlandschaft, entlang der Weinberge und des Flusses Adour. Der 8,2 Kilometer lange Weg ist ausgeschildert, ganzjährig begehbar und dauert etwa zweieinhalb Stunden. Wer lieber auf zwei Rädern unterwegs ist, kann die hügelige Landschaft des Gers auch bei einer E-Bike-Tour erkunden.
#7 Schlafen zwischen den Reben
Wenn ein Tag mit gutem Wein, Essen, Kunst und Landschaft noch nicht reicht, bleibt man einfach über Nacht. Zum Beispiel im Monastère de Saint-Mont, einem ehemaligen Kloster. Heute verwöhnt das zauberhafte Boutiquehotel mitten in den Weinbergen Gäste mit Pool und der hervorragender Küche von Jean-Paul Tossens. Für mich macht gerade die Lage den Reiz aus. Man ist nicht irgendwo in einem Hotel untergebracht und fährt morgens wieder ins Weinland hinein. Man ist mittendrin.
Und wer es noch persönlicher mag, bucht eine Chambre d’hôte bei einem der biologisch wirtschaftenden Winzer von Plaimont. Inklusive Frühstück mit dem Menschen, der den Wein tatsächlich macht. Auch das ist eine Art des Reisens, die ich gern mag: näher an den Menschen und näher an dem Ort, den man gerade entdeckt.
Warum sich ein Wochenende in Saint-Mont lohnt
Saint-Mont ist kein Ort für eine schnelle Weinprobe und weiter geht’s. Man muss sich drauf einlassen. Probieren, Wandern, Essen, Entdecken und irgendwann vielleicht auch einfach mit einem Glas Wein in der Hand nur da sitzen.
Es gibt hier so einiges zu erleben. Nicht im Sinne von größer, schneller, weiter. Im Gegenteil, in Saint-Mont ist es recht ruhig. Aber sehr authentisch. Es geht um alte Rebsorten und neue Ideen. Um gutes Essen, Kunst und Musik. Und um eine Landschaft, in der man problemlos ein Wochenende verbringen kann, ohne ständig zum nächsten Programmpunkt hetzen zu müssen.
Und genau das macht für mich den Reiz aus: Diese Ecke im Südwesten Frankreichs drängt sich nicht auf. Man fährt nicht hin, weil alle davon erzählen. Man fährt hin und stellt fest, dass man eigentlich viel länger hätte bleiben sollen.
Gut zu wissen für deine Reise nach Saint-Mont
Wer Plaimont und die Umgebung entdecken möchte, kann verschiedene Erlebnisse miteinander verbinden. Eine Weinverkostung oder Führung lässt sich beispielsweise mit dem Besuch der historischen Rebparzelle von Sarragachies kombinieren. Dazu kommen kulinarische Angebote, Workshops und Aktivitäten in der Landschaft.
Für ein Wochenende lässt sich daraus eine abwechslungsreiche Reise zusammenstellen: Wein und Gastronomie am ersten Tag, historische Reben und Landschaft am nächsten. Wer im Sommer kommt, kann zusätzlich Jazz in Marciac oder eine E-Bike-Tour einplanen.
Alle Infos zu den Touren und Angeboten von Plaimont findest du unter www.plaimont.com/en/oenotourisme/visits
Zum Übernachten empfehle ich das Boutiquehotel Monastère Saint-Mont, 627 Rue Bernard Tumapaler, 32400 Saint-Mont, www.lemonasteredesaintmont.com, Verfügbarkeit und Preise checken
Transparenzhinweis: Dieser Artikel entstand in Kooperation mit den Vignerons Plaimont. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf Inhalt und Umfang der Berichterstattung. Die redaktionelle Verantwortung für den Beitrag liegt bei Delicious Travel und bleibt von der Kooperation unberührt.