Wie viele gute Jahre stecken noch in dir? Longevity ist längst mehr als ein Wellness-Trend. Aber lässt sich tatsächlich messen, wie gesund wir sind – und was wir tun können, um länger fit zu bleiben? Ein Selbstversuch im Falkensteiner Spa Resort Marienbad.
Die Sonne streift die Terrasse des Falkensteiner Spa Resorts, unten plätschert leise Wasser im Pool und ich denke bereits an mein nächstes Telefonat. Typisch. Ich bin gerade erst angekommen und mein Kopf ist schon zwei Termine weiter.
Genau deshalb bin ich hier. Longevity Diagnostic heißt das Programm, drei Nächte lang, und dahinter steckt vor allem eins: Zahlen. Mein Körper soll erzählen, was ich selbst nicht sehe.
Ich bin damit nicht allein. Immer mehr Leute Mitte 40 oder Mitte 50 stellen sich gerade dieselbe Frage. Wie viele gute, aktive Jahre habe ich noch? Es gibt dafür inzwischen sogar ein neues, eigenes Modewort: Healthspan. Möglichst lange gesund zu bleiben, zählt am Ende mehr als einfach nur die Summe vieler Lebensjahre.
Longevity und Healthspan, was ist das eigentlich?
Longevity heißt übersetzt Langlebigkeit, gemeint ist heute aber vor allem, möglichst lange gesund, beweglich und klar im Kopf zu bleiben – nicht bloß ein hohes Alter zu erreichen. Der Fachbegriff dafür lautet Healthspan, die Gesundheitsspanne, im Unterschied zur reinen Lebensspanne. Statt auf ein einzelnes Wundermittel setzt das Konzept auf vier Stellschrauben: Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressregulation. Longevity-Diagnostik-Programme wie das im Falkensteiner messen zuerst den Ist-Zustand, zum Beispiel Stoffwechsel, Lunge, Herz, Körperzusammensetzung und Schlafqualität, und leiten daraus einen persönlichen Plan ab. Viele lassen die Werte nach einigen Monaten erneut checken, um zu sehen, ob sich etwas verändert hat. Interessant ist das Konzept vor allem für alle, die früh wissen wollen, woran sie arbeiten sollten, statt erst auf die erste Diagnose zu reagieren.
Falkensteiner Spa Resort Marienbad: vom Casino zum 5 Sterne Hotel mit Longevity-Angebot
Noch am Anreisetag nimmt mich Radka, die Marketingchefin des Hauses, mit auf einen Rundgang. Das Hauptgebäude, in dem ich wohne, war vor über hundert Jahren Casino, balneologisches Institut und Pension in einem, eines der vornehmsten Häuser der Stadt. Kurpalais, Orangerie und die Villa Ferdinand kamen mit der Zeit dazu. 2021, mitten in der Pandemie, wurde noch einmal von Grund auf renoviert.
2004 kaufte es die Falkensteiner-Gruppe, gegründet 1957 von Maria und Josef Falkensteiner an einem kleinen See in Südtirol. Heute ist daraus eine Gruppe mit mehr als zwei Dutzend Häusern in mehreren Ländern Europas geworden.
Wir wohnen in einem der Deluxe-Zimmern mit Blick auf die Terrasse, die es in dieser Größe und Sonnenlage sonst nirgends in Marienbad gibt. Im Sommer finden regelmäßig Jazzkonzerte statt. Eine Etage tiefer befindet sich das Acquapura Spa: 2.500 Quadratmeter, vier Becken, vier Saunen, der Außenpool das ganze Jahr beheizt.
Das Falkensteiner Haus in Marienbad arbeitet mit vier Elementen: Wasser, Luft, Moor und Wald. Für Letzteres gibt es ein Waldbaden-Programm, entwickelt mit einem balneologischen Institut, das dafür sechzig Mitarbeitende in kleinen Gruppen zu je drei Stunden in den Wald schickte. Auch Radka war dabei, und sie gibt offen zu: Die ganzen drei Stunden habe sie nur daran gedacht, wann sie endlich wieder aufs Handy schauen könne.
Ich muss lachen. Offenbar bin nicht nur ich schlecht im Abschalten.
Longevity Diagnostic: Was verrät ein 40-minütiger Check wirklich?
Am nächsten Morgen, nüchtern, nicht mal ein Schluck Wasser ist erlaubt, führt mich Daniel, der Spa-Manager, durch die Diagnostik. Erst die Lunge: Spirometrie, tief einatmen, ausatmen, wiederholen. Bioimpedanz vermisst, wie mein Körper aus Muskeln, Wasser und Fett zusammengesetzt ist.
Ein Schlaf-Fragebogen fragt Dinge, die ich mir selten eingestehe: Wie oft wache ich nachts auf? Wie fühlt sich mein Schlaf wirklich an? Und die uVida-Stoffwechselanalyse misst, wie mein Körper Energie verbrennt, in Ruhe und unter Belastung. Dabei wird alle drei Minuten die Leistung erhöht, das Atmen fällt immer schwerer unter der Maske – 15 Minuten können ziemlich lang sein. Dann noch drei Minuten locker „ausradeln“, geschafft.
Vierzig Minuten später bekomme ich schwarz auf weiß: Mein Stresslevel ist zu hoch. Innere Unruhe, sagt Daniel, das sehe man deutlich an den Werten. Der Grund liegt für mich auf der Hand: Ich bin gedanklich fast nie da, wo ich gerade bin. Immer schon beim nächsten Punkt auf der Liste. Das erklärt auch, warum mein Sport bisher wenig bringt. Ich laufe, mache Yoga, Krafttraining – aber solange der Kopf nicht mitkommt, greift keins davon richtig ineinander.
Damit sich das ändert, bekomme ich einen konkreten Fahrplan für mein weiteres Leben, der aus den vielen Messwerten alltagstaugliche Schritte macht. Was soll ich häufiger essen, was besser reduzieren? Wie trainiere ich sinnvoll, ohne meinen Körper zusätzlich zu stressen? Und vor allem: Wie schaffe ich es auch mental aus dem Dauerlauf heraus?
Die Antworten gibt es fein säuberlich sortiert in der App auf dem Handy. Ausgerechnet dort also, wo ich eigentlich weniger Zeit verbringen möchte. Immerhin: Alles lässt sich auch ausdrucken.
Ich weiß nun, woran ich arbeiten sollte – und vor allem, dass Longevity nicht nur auf Sport und Ernährung baut, sondern auch darauf, irgendwann mal anzukommen.
Marienbad: Zwischen Wandelhalle und Kaiserwald
Nach der Diagnostik gehe ich raus, durch die Wandelhalle, dieses lange weiße Bauwerk mit gusseisernen Säulen, unter dem die Kurgäste seit über zweihundert Jahren auf und ab flanieren. Marienbad ist klein, Einheimische sagen langweilig. Vielleicht haben sie recht. Vieles wirkt, als wäre es für genau diesen Zweck gebaut: verlangsamen.
Seit 2021 gehört Marienbad zum UNESCO-Welterbe der Great Spa Towns of Europe, zusammen mit zehn weiteren Kurorten in sieben Ländern; von Baden bei Wien, über Bad Kissingen bis Bath in England. Ausgezeichnet wurde das ganze System aus Kolonnaden, Parks, Trinkhallen und Quellen, gewachsen im 19. Jahrhundert zu einer eigenen Kur-Kultur.
Mehr als hundert Quellen zählt die Region rund um Marienbad, vierzig davon liegen im Stadtgebiet selbst, sechzehn werden für Kuranwendungen genutzt und über Leitungen direkt in die Hotels gebracht. Ein öffentliches Thermalbad gibt es trotzdem nicht: Die Marienbader Quellen sind kalt und kohlensäurehaltig, gedacht zum Trinken und für gezielte Bäder, nicht zum Schwimmen.
Der Stadtführer erzählt Geschichten von Chopin, der hier kurte, und vom ältesten Golfplatz Tschechiens, den die Queen später zum „Royal“ Golf Club adelte. Und, dass eine Kur früher nie nur für ein paar Tage gedacht war. Man kam für Wochen. Man musste lernen, diese Stille hier auszuhalten.
Direkt hinter den Kolonnaden beginnt der Kaiserwald, ein weitläufiges Netz aus Wanderwegen, von kurzen Spaziergängen bis zu ausgedehnten Tagestouren. Die Königsroute ist mit rund 1,6 Kilometern ein guter Einstieg und führt zu Aussichtspunkten, von denen einst schon der sächsische König Friedrich August II. auf die Stadt blickte.
Wer mehr Zeit mitbringt, kann zum „Stinker“ (Smraďoch) wandern, einem Waldmoor mit mineralischen Gasaustritten, oder auf einer rund 17 Kilometer langen Tour durch das Naturschutzgebiet rund um Kladská und seine stillen Teiche laufen. Auch der Aussichtsturm Hamelika und der Miniaturenpark Boheminium sind zu Fuß vom Zentrum aus erreichbar.
Praktisch: Viele Wege starten direkt an den Kolonnaden.
Am letzten Nachmittag sitze ich wieder auf der Terrasse. Und tatsächlich, nichts ist dringend. Mein Handy liegt neben mir. Ich könnte nachsehen, was in den vergangenen Stunden passiert ist, könnte Mails beantworten, den nächsten Termin organisieren, die Rückfahrt planen. Tue ich aber nicht.
Vielleicht ist das die eigentliche Überraschung dieser drei Tage: die Erkenntnis, dass Gesundheit weit mehr ist als das, was sich messen und optimieren lässt. Natürlich sind Blutwerte, Stoffwechsel, Muskelmasse, Schlaf und Herz-Kreislauf-System wichtig. Sie zeigen, wo man steht und wo sich etwas verändern lässt. Doch was nützt der perfekte Trainingsplan, wenn man selbst beim Laufen schon an die nächste Aufgabe denkt? Was bringt die schönste Healthspan, wenn man die Jahre damit verbringt, möglichst viel in sie hineinzupacken?
Marienbad ist seit Jahrhunderten ein Ort, an den Menschen kommen, um langsamer zu werden. Früher mit Kurplan und Trinkbecher, heute mit Diagnostik und App. So unterschiedlich die Methoden auch sind, der Gedanke dahinter ist erstaunlich ähnlich: innehalten, den eigenen Körper ernst nehmen und herausfinden, was einem guttut. Vielleicht ist genau das die modernste Form von Longevity – nicht noch mehr aus dem Leben herauszuholen, sondern mehr zu genießen.
Nur ein paar Minuten, in denen ich völlig im Moment bin. Für den Anfang ist das gar nicht so wenig.
Gut zu wissen: Falkensteiner Spa Resort Marienbad
Das Hotel: Falkensteiner Spa Resort Marienbad, ein 5-Sterne-Resort mit Jugendstil-Hauptgebäude in Ruská 123, Marienbad. Eröffnet 2004, 2021 renoviert, 162 Zimmer. Acquapura Spa mit vier Themenpools, darunter der einzige beheizte Außenpool der Stadt, dazu drei Innenpools und vier Saunen. Zugang zur privaten Alexandra-Quelle für Trink- und Badekuren.
Das Longevity-Programm: Diagnostik-Baustein aus uVida-Stoffwechselanalyse, Spirometrie, Blutbild, EKG, Bioimpedanz und Schlaf-Fragebogen, ausgewertet in einem vierzigminütigen Beratungsgespräch mit konkreten Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung und Schlaf.
Longevity Diagnostic (Einstiegspaket): Ab 3 Nächten, Halbpension mit Balance Vital Cuisine, Preise ab 440 € pro Nacht und Person. Die Diagnostik ist auch ohne Hotelübernachtung einzeln buchbar.
Longevity Diagnostic Plus: Ab 4 Nächten, Vollpension, zusätzlich neun Anwendungen wie Alexandra-Quellenbad, CO2-Bad mit Sauerstofftherapie und Ganzkörper-Fango. Ab 768 € pro Nacht und Person.
Häufige Fragen zum Longevity-Programm
Was genau ist Longevity Diagnostic?
Ein diagnostisches Einstiegsprogramm, das Lungenfunktion, Herz, Stoffwechsel, Körperzusammensetzung und Schlaf misst und daraus eine persönliche Auswertung erstellt – Basis für alles, was danach an Ernährungs- oder Bewegungsplan folgt.
Braucht man Vorkenntnisse oder eine bestimmte Fitness?
Nein. Das Programm richtet sich an alle, die wissen wollen, wo sie gesundheitlich stehen, unabhängig vom Trainingszustand.
Kann man nur die Diagnostik buchen, ohne im Hotel zu übernachten?
Ja, die Longevity Diagnostic lässt sich auch separat buchen, ohne Hotelpaket.
Lohnt sich Marienbad auch ohne Longevity-Programm?
Ja. Die Wandelhalle, die Parkanlagen und die Ruhe der Kurstadt tragen den Ort auch ganz ohne Diagnosegerät.
Transparenz-Hinweis: Ich war auf Einladung von Falkensteiner in Marienbad, das Longevity-Programm habe ich vor Ort getestet. An meiner Meinung ändert das nichts.