Neulich abends im Pub in London

Pub The York London

Abends in London: Das Essen war lecker, wir sind satt und zufrieden – aber für’s Hotel(bett) ist es noch zu früh. Zum Rumlaufen zu faul und zu müde, machen wir also genau das, was der Engländer so tut, wenn er (noch) nicht nach Hause will:

Er geht in (s)einen Pub, noch’n Bierchen trinken.

The York im Stadteil Islington ist so eine Institution, in der man unbedingt gewesen sein muss.

Der Geräuschpegel ist hoch, das Gedränge groß, das erste Pint gleich im Stehen geleert (Kommentar Antje: „Trink langsamer!“), bevor ein Tisch frei wird. Flinkes Treiben herrscht hinter dem Tresen, im Sekundentakt wird aus den vielen Hähnen gezapft: Ale, Guinness oder Cider strömen in kleine und größere Gläser und von dort schnurstracks durch zahlreiche, durstige Kehlen. Mich beeindruckt, wie schnell einige der gängigsten Biersorten handgepresst werden.

Von wegen „sieben Minuten braucht ein gutes Pils“! Drei Mal reißt der Keeper den Hebel nach unten – und fertig ist das Fünf-Sekunden-Bier: Das Pintglas ist randvoll, mit ’ner Mini-Schaumschicht drauf, oft läuft es sogar über.
Auch geschmacklich liegen Welten zwischen deutscher Bierkultur und dem, was hier aus dem Hahn fließt. Weniger Kohlensäure ermöglicht das schnellere Zapfen, lässt aber einiges an Frische und Spritzigkeit vermissen. Die Biere, die ich in Pubs probiert habe, empfinde ich irgendwie als schal und langweilig. Jedenfalls am Anfang, ich bin anpassungsfähig – und irgendwann schmeckt’s dann doch ganz gut.

Überhaupt fühle ich mich nach einer Weile, als ob ich schon immer hierher komme. Vielleicht ist das das Geheimnis der Pubatmosphäre. Jeder gehört dazu. Die Welt bleibt wie sie ist, hier drin jedenfalls. An der Einrichtung scheint sich in den weit über hundert Jahren nicht viel geändert zu haben. Dunkles, altes Holz, etwas Plüsch, Kristallgravur im Fenster, Dielenboden, gedämpftes Licht.

Ein schöner Zwischenort. Nicht mehr unterwegs. Noch nicht zu Hause.

2 Kommentare

  • Gut gelungen.
    Ich lebe selbst seit 3 Jahren in London und kann dem nur zustimmen.
    Macht weiter so, mir gefallen eure Artikel sehr gut.

    Gruß Kathrin

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