Garden Route

Tsitsikamma Nationalpark an der Gartenroute
Tsitsikamma Nationalpark an der Gartenroute

Kapstadt – Karoo – Tsitsikamma war der erste Teil unseres Roadtrips auf der alten Route 62. Auf dem Rückweg ans Kap folgen wir der Garden Route via Plettenberg, Knysna und Walker Bay.

Der Weinbau in Südafrika konzentriert sich vor allem auf das Hinterland von Kapstadt bis zum Kap Agulhas und auf die Westküste bis zu den Cederbergen, doch ein paar Reben stehen auch an der Plett, wie Südafrikaner die Bucht nennen. Direkt an der N2, etwa 15 Kilometer vor Plettenberg liegt das Weingut Bramon. Peter Thorpe und seine Familie waren die ersten, die hier an der Bucht Wein anbauten. Sie konzentrieren sich vor allem auf Sekt, den sie nach der Méthode Cap Classique herstellen. Toller Stoff: Der Sauvignon Blanc MCC ist einem Champagner absolut ebenbürtig. Nur wesentlich günstiger.
Ein bisschen Zeit mitzubringen, kann nicht schaden. Zum Beispiel für einen Lunch im angeschlossenen Restaurant und anschließend einen Besuch im Monkeyland ganz in der Nähe. In diesem Schutzprojekt leben ganz verschiedene Affenarten zusammen, die in ihrem früheren Leben bedroht oder als Zirkusattraktion misshandelt wurden.

Prickelndes an der Plett

Die letzten Tage im Tsitsikamma machen Lust auf ein paar weitere Wandertouren. An der Plettenberg Bay wäre die nächste Gelegenheit, im Robberg Nature Reserve, wo sich eine Seerobbenkolonie ganz aus der Nähe beobachten lässt. Dummerweise hatten wir uns zeitlich verplant, so dass diese ausfallen muss.

Der Ort Plettenberg hat sich in den letzten Jahren stark verändert, vom unscheinbaren Küstendorf zum erwachsenen Ferienort mit entsprechender Infrastruktur. Glücklicherweise ist es architektonisch gut gelungen, Betonburgen sehen wir keine. Stattdessen ein Zentrum mit strahlend weißen Appartements und Mini-Malls. Nur das Hotel, in dem wir auf unserer ersten Südafrika-Reise 1995 wohnten, ist noch genauso hässlich wie damals. Aber nur äußerlich. Und die Lage ohnehin nicht zu übertreffen: auf der Landzunge, wie ein Schiff im Hafen.

Die Waterfront in Knysna wurde nach dem Vorbild in Kapstadt gebaut.

Lagune am Indischen Ozean: Knysna

Gegen Mittag kommen wir in Knysna an. Unser Gästehaus liegt etwas oberhalb der Lagune mit Blick auf die Heads und das private Featherbed Nature Reserve. Die Fähre zu diesem Naturschutzgebiet legt am Cruise Café ab, etwa 500 Meter neben der Waterfront. Drei Stunden dauert die geführte Eco-Tour, allein ist kein Zutritt möglich. Am westlichen Head wartet ein Landrover, der die Gruppe über eine Buckelpiste auf den Berg bringt. Von dort startet ein kleiner Trail, über den wir durch das Gebiet wandern, vorbei an Geranien, wildem Salbei, Aloe und Fynbos. Ein paar extra Stufen führen vom Pfad ab zu einer kleinen Bucht. Der Weg, über den wir kamen, entpuppt sich aus dieser Perspektive als Brücke, die vom Meer geformt wurde.

The Featherbed Reserve

Knysna – The Featherbed Reserve

Heads heißen die beiden Sandstein-Cliffs an der Mündung des Knysna-Rivers in den Indischen Ozean. Hundert Arten von Süß- und Salzwasserfischen, Delphine, Haie, Orcas und Seepferdchen tummeln sich an der Küste. Seltener lässt sich der Blue Duiker blicken, eine nur 40 Zentimeter große Antilope, die im Featherbed Reserve lebt.

Noch zwanzig Minuten bis zu einem eiskalten Bier, ruft Lucy, unser Guide, und bugsiert die Gruppe zurück auf den Steg, der am Wasser wieder zum Bootsanleger führt. Nur ein paar Schritte neben dem Weg entdecken wir ein brütendes Black-Oystercatcher-Pärchen, das uns schon längst im Blick hat.

The Heads (Blick auf den östlichen Kopf)

Am nächsten Tag sind die Heads unter einer dicken Wolkenschicht nur noch zu erahnen, am Himmel aber keine Wolke. Wir sind mit Skipper Theo verabredet zu einem Segeltörn auf dem Meer. Er erklärt uns das Phänomen: kalte Luft aus der Antarktis trifft auf das warme Wasser der Lagune und so entsteht morgens und abends an der „Öffnung“ lokaler Nebel. Eine Meile weiter draußen auf dem Ozean und in der Lagune ist alles klar. Doch die Wellen sind zu hoch, wir kommen nicht aus der Lagune hinaus. Selbst drinnen bläst es noch erstaunlich, so dass wir die Segel setzen können und im ruhigeren Wasser hin und her kreuzen. Auch schön.

Sunset-Segeltour

Brenton on Sea

Sechs Kilometer hinter Knysna liegt Brenton on Sea, ein kleiner Ort mit großem Sandstrand, der uns zu einem ausgedehnten Spaziergang einlädt. Und einem Zitronen-Baiser-Törtchen im Indigo, dem Deli des Hotels Brenton on Heaven. Unter uns die tosende Brandung, über uns die Sonne. Herrlich.

Brenton-on-Sea mit herrlichem Sandstrand

Safari an der Garden Route

Das Thermometer zeigt 31 Grad, was sich allerdings viel angenehmer anfühlt durch den Wind. Unser 4×4-Offroader zieht eine gigantische Staubwolke hinter sich her und nach fast drei Stunden Game Drive sind wir durchgeschüttelt wie ein Martini. Geländegängig sollte man sein für eine Tour im Botlierskop Reservat zwischen George und Mosselbay. Vier der Big Five bekommen wir zu Gesicht: Elefanten, Nashörner, Büffel und Löwen. Dazu Zebras, Giraffen und jede Menge Antilopen. Auf die seltenen, schwarzen Impalas ist man besonders stolz, erklärt unser Fahrer. Und zeigt uns spannenderweise Sachen, die in der Wildnis nützlich sein könnten. Beispielsweise wie man an getrockneter Nashorn-Scheiße erkennen kann, ob diese von einem Spitz- oder von einem Breitmaulnashorn stammt.

Breitmaulnashörner im Botlierskop Reserve

Bei den Elefanten sollten wir Abstand halten, warnt Chris, ein Bulle mit Baby, das könnte gefährlich werden. Die Mutter des Kleinen sei vor ein paar Wochen gestorben und jetzt kümmert sich der Vater um ihn. In freier Wildbahn undenkbar.
Gefüttert werden die Tier im Botlierskop Reservat übrigens nicht. Nur bei den Löwen machen sie jetzt eine Ausnahme. Gäste hätten sich beschwert als sie einmal erlebten, wie das Rudel Löwinnen eine Antilope gerissen hat. Zu viel Natur schockiert dann doch.

Ob das Wild, das im angeschlossenen Restaurant serviert wird, aus dem eigenen Reservat stammt, haben wir später ganz vergessen zu fragen. Köstlich ist das Carpaccio auf jeden Fall.

Genussvolle Walker Bay

Eigentlich wollten wir die letzten beiden Tage in Hermanus verbringen, doch kurzerhand entscheiden wir uns für einen kleinen Umweg nach De Kelders bei Gansbaai. Zwischen Mosselbay und Swellendam ist die Gartenroute weniger spektakulär, so dass wir auf der N2 zügig vorankommen und nach Stormsvlei Richtung Stanford abbiegen.

Wir passieren Raka und ein paar andere Weingüter der Stanford Wine Route. Lohnenswert auch: die Kleinrivier Cheese Farm oder die Mikrobrauerei im Birkenhead House. Gern hätte ich mich auch in dessen Spa mit einer Weinanwendungen verwöhnen lassen. Spontan ist da aber leider nix zu machen.

Stanford selbst ist ein kleiner, ruhiger Ort mit ein paar Galerien, Boutiquen und einem Hotel. Old Meul, die Bäckerei am Ortseingang, bietet Leckeres zum Frühstück auf der überdachten Veranda und für den Verdauungsspaziergang gibt es einen kleinen Wanderweg am Kleinrivier entlang.

In Gansbaai geht es gemächlicher zu als in Hermanus. Im Sea Star Cliff werden wir bereits erwartet. Das Gästehaus liegt direkt an der Bucht, sehr schick, sehr weiß, viel Glas. Unser Zimmer: Wow! mit Meerblick und Badewanne. Da nervt nicht mal mehr der indische Concierge, der eine Spur zu aufdringlich und schmierig daherkommt. Alles gut, hihi …? Bestimmt fragt er gleich: „Wolle Rose kaufe?“

Zimmer mit Aussicht an der Walker Bay (nahe Gansbaai)

Sein Angebot, uns einen Tisch für’s Dinner am Abend zu buchen, klingt wiederum sehr nett. Home Cooking bei Nils. Er kocht für vier Gästehäuser in De Kelders, sein „Restaurant“ ist nicht öffentlich, nur geladene Gäste haben Zutritt. Sehr exklusiv.
Und tatsächlich, Nils’ Villa ist ein designter Traum. Wir fühlen uns wie in eins dieser Schöner-Wohnen-Magazine versetzt. Perfektion pur. Der riesige Strauß weißer Lilien ebenso wie die Chaiselongue in Creme. Der Boden aus anthrazitfarbenem Granit als Kontrast zu schneeweißen Wänden. Die Designermöbel. Die Rückwand der offenen Küche aus Kupfer. Nur das Essen ist: sehr durchschnittlich. Ohne Raffinesse, 0815, das passt so gar nicht in dieses Haus.
Das reißt auch junge Blondine nicht raus. Kirschroter Mund, Riesen-Brille, knappe Shorts und transparente Bluse, müht sie sich redlich um den Service, der grotesk steif gerät. „May I do it for youuu?“ und „Was it goohuud?“ säuselt sie sich von einem zum anderen der zehn Gäste des Abends. Ohne die klassische Hintergrundmusik könnte man eine Serviette fallen hören. Keiner redet, keiner lacht.

Szenenwechsel. Hermanus, La Pentola: Was für ein Unterschied. Ein Schmelztiegel, so in etwa die Übersetzung von La Pentola. Wer nicht gerade den Mund voll hat, redet. Miteinander, durcheinander und mittendrin: Chef Shane Sauvage, in Südafrika ein beliebter Fernsehkoch und Kochbuchautor. An diesem Mittwochabend ist die Bude voll wie meistens. Dabei kann man das Restaurant leicht übersehen im ersten Stockwerk. Stört aber nicht im Geringsten. Die Fenster sind offen, der Blick aufs Meer unverstellt. Und windgeschützt sitzen wir auch noch. Selbst wer keine Reservierung hat, den quetscht Shane noch irgendwo dazwischen. Soll bloß keiner hungrig nach Hause gehen.

Hermanus, die Wal-Metropole, ist ziemlich touristisch. Haupt-Attraktion sind die Wale, die zwischen Juni und November zum Kalben ganz nahe an die Küste kommen. Darüber hinaus ist der Ort beliebt als Ferien- und Wochenenddomizil der Kapstädter. Wir wohnen im Hermanus Guesthouse, direkt am Meer. Nachts hören wir die Brandung, die der Verkehrslärm von der Straße zwischen Haus und Meer ab 6 Uhr übertönt. Also nichts wie raus aus dem Bett. Der Cliff Path als Teil des Fernkloof Nature Reserve führt an unserem Haus vorbei. Bis zum neuen Hafen und zurück spazieren wir eine Stunde auf dem Küstenweg durch Fynbos. Doch nicht allein: Dassies, die zwischen den Felsen klettern, die ersten Jogger, Hundegassigeher, Spaziergänger (einer mit klassischer Musik in der Tasche) sowie die Sicherheitspatrouille sind auch schon unterwegs bei Sonnenaufgang. Es ist herrlich ruhig. Kleine Blüten wirken wie Konfetti zwischen den Steinen.
Der westliche Abschnitt vom Cliff Path ist schattenfrei und deshalb besonders frühmorgens oder abends am angenehmsten zu gehen.

Der Cliff Path in Hermanus ist Teil des Fernkloof Nature Reserve

Der Besuch von Hermanus wäre unvollständig, ohne die Weine der Gegend zu verkosten. Am besten bei einem Ausflug ins Hemel-en-Aarde zu bekannten Weingütern wie Bouchard Finlayson oder Hamilton Russel. Einige haben erstklassige Restaurants wie beispielsweise La Vierge oder Newton Johnson. Wir entscheiden uns dieses Mal für Creation Wines, ganz oben im Tal. Das Wine&Food Pairing ist der Hammer. Und ein weiterer Beweis: Südafrika ist ein kulinarisches Paradies.

8 Gänge – einer so lekker wie der andere.

Über den Sir Lowry’s Pass sind wir 90 Minuten später zurück in Kapstadt.


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4 Comments

  • Tolle Fotos, Antje, die schöne Erinnerungen zurück bringen. Ich bin ein großer Fan der Featherbed Reserve bei Knysna: schöne Landschaften, tolle Bucht und Tiere – das ist Afrika, wie ich es mag.

  • Antje sagt:

    Habt ihr den Blue Duiker mal zu Gesicht bekommen?

  • Hallo Antje, den Blue Duiker habe ich ein paarmal im Krüger National Park gesehen, aber nie in der Featherbed Reserve. Hast Du denn ein Seepferdchen gesehen? Das fehlt mir auch noch in meiner Sammlung.

  • Antje sagt:

    Weder Blue Duiker noch Seepferdchen, leider. Also letzteres im Two Oceans Aquarium in Kapstadt, aber das zählt ja sicher nicht 😉

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