Ein klassisches Wellnesshotel ist das Posthotel Achenkirch eher nicht. Zwischen Lipizzanern, Longevity Lab, Tai Chi und einem versunkenen Tempel verbindet das Adults-only-Hotel am Achensee Tiroler Gastlichkeit mit japanischer Gelassenheit und moderner Gesundheitsphilosophie. Ein Aufenthalt, bei dem Erholung ganz unterschiedlich aussehen kann.
Die Reise beginnt hier, heißt es auf der Website. Auch im Hotel begegnen mir diese vier Wörter immer wieder.
Für mich beginnt sie in der dritten Etage, in der Suite 302. Vom Balkon aus schaue ich hinunter – und aus dem Fenster unten im Stall schaut ein Pferd zu mir herauf, fast so, als würden wir uns gegenseitig begrüßen.
Es ist einer der weißen Lipizzaner, die seit mehr als vierzig Jahren zum Posthotel gehören. Ein früherer Seniorchef hatte sich bei der Spanischen Hofreitschule in Wien in die Pferde verliebt und brachte einige nach Achenkirch.
Das Posthotel Achenkirch trägt seinen Namen zu Recht. Nicht, weil jemand eine schöne Geschichte erfunden hätte, sondern weil hier tatsächlich einmal eine Poststation stand. Vom 16. Jahrhundert an wechselten Reisende an diesem Ort ihre Pferde und legten eine Rast ein.
Vor mehr als hundert Jahren übernahm die Familie Reiter das Gebäude, baute zunächst einen Saal für Hochzeiten und Taufen an, später das erste Gästezimmer, dann weitere. Aus dem Gasthof wurde Schritt für Schritt ein Hotel.
Nur der Name blieb. 1982 drehte man ihn einfach um. Aus Hotel Post wurde Posthotel Achenkirch. Prägnanter und unverwechselbarer, ein Hotel Post gibt es gefühlt schließlich in jedem dritten Ort.
Heute zählt das Posthotel Achenkirch zu den führenden Wellnesshotels Tirols. Das familiengeführte 5-Sterne-Superior-Hotel verbindet seine jahrhundertealte Geschichte mit einem modernen Konzept aus Wellness, Kulinarik und Longevity – und bleibt dabei seinem Anspruch treu, Gästen vor allem eines zu bieten: Zeit und Raum für Erholung.
Die Architektur wechselte, die Gastlichkeit blieb: Landhaus, Mediterran und Wabi-Sabi
Diesen langen Atem spürt man bis heute. Drei Stilwelten ziehen sich durch das Haus wie Jahresringe. Hinten in den Landhäusern dominiert klassischer Tiroler Landhausstil mit Leinen und Altholz. Die Junior-Suiten erzählen mit Cremefarben und Marmor von einer späteren Bauphase.
Ganz oben, wo wir übernachten, setzt das reduzierte Wabi-Sabi-Design mit japanischen Einflüssen einen ruhigen Kontrast.

Kulinarik für jeden Geschmack: Frühstücksgenuss, Fünf-Elemente-Küche und Fine-Dining-Menü
Dass sich das Hotel ständig weiterentwickelt hat, zeigt sich auch in der Küche. Mein persönliches Highlight beginnt jeden Morgen am Frühstücksbuffet: Eierspeisen werden frisch vor den Augen der Gäste zubereitet.
Dazu frisches Obst, das auf dem Teller wie ein Stillleben von Paul Cézanne wirkt, und eine Käseauswahl, bei der ich am liebsten eine Extrarunde am Buffet drehen würde, um alles zu probieren. In einem eigenen Raum presst man sich frische Orangen- oder Gemüsesäfte. Daneben stehen grüne Detox-Drinks und klassische Frucht-Smoothies bereit.

Mittags setzt das Küchenteam auf die Fünf-Elemente-Lehre mit Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz.
Abends trifft ein mehrgängiges Menü auf ein Buffet, aus dem sich jeder genau das zusammenstellen kann, worauf er gerade Lust hat.
Dazu eine Weinkarte, die genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie das Essen.
Posthotel Achenkirch: vom historischen Gasthof zum zum Adults only Hotel
Nicht jede Entwicklung im Posthotel hat allerdings mit Kulinarik oder Design zu tun. Eine Entscheidung hat das Haus wohl stärker geprägt als jede andere. Seit 2011 ist das Posthotel ein Adults only Hotel.
Dahinter steckt eine pragmatische Überlegung: Der Platz reichte nicht aus, um gleichzeitig Familienhotel und Rückzugsort für Ruhesuchende zu sein. Also entschied man sich bewusst für Letzteres.
Und das kann für jeden etwas anderes bedeuten: Die einen wollen einfach ein paar entspannte Tage am Achensee verbringen beim Wandern oder mit dem Schiff fahren. Andere bleiben lieber im Hotel und lassen es sich dort gut gehen. Manche Gäste kommen jedoch wegen eines Angebotes, dass inzwischen weit mehr als ein Trend ist: Longevity.
Longevity Lab: Biohacking und Gesundheit am Achensee
Angefangen hat das Longevity Lab im Posthotel mit einem einzigen Raum: Magnetfeldliege, Kompressionsstiefel, Vagusnervstimulation, Rotlicht. Inzwischen ist daraus ein kompletter Bereich entstanden. Hier lässt man den Stoffwechsel analysieren, überprüft seine Körperzusammensetzung auf einer InBody-Waage und ergänzt die Ergebnisse bei Bedarf mit Ernährungsberatung oder Personal Coaching.
Das Interesse ist groß. Die Gäste sind im Durchschnitt Mitte fünfzig. Irgendwann stellt sich eben nicht mehr nur die Frage, wie man sich erholt, sondern auch, wie man möglichst lange gesund bleibt. Die neueste Ergänzung ist eine Kryokammer. Drei Minuten bei minus 85 Grad, anschließend Regeneration vor dem Rotlichtpanel.
Wer einfach nur Wellness sucht, findet natürlich aus das – und zwar im weitläufigen Spa. Im Sommer besonders schön: die große Liegewiese. Vielleicht einen Kaffee oder einen Drink im Lounge-Bistro genießen.
Unser Delicious-Tipp: Unbedingt eines der Superfood-Getränke probieren, zum Beispiel den Kakao auf Vitalpilzbasis. Er schmeckt überraschend schokoladig, nicht so süß und passt irgendwie genau zu diesem Ort.


Irgendwann wandert die Sonne tiefer, der Pool wird ruhiger und aus einer kurzen Pause wird ganz von selbst ein ganzer Nachmittag. Bis zum Sonnenuntergang gibt es eigentlich keinen besseren Platz, um einfach zu lesen, zu baden oder gar nichts zu tun.
Tai Chi mit einem Shaolin-Meister
Im hinteren Teil des Hauses treffe ich einen Shaolin-Meister. Liang Shi Jie stammt aus China, wurde in einem Kloster ausgebildet, ist aber kein Mönch und lebt deshalb heute in Achenkirch. Vormittags gibt er Kurse in Tai Chi, Qigong und Kung Fu. Außerdem bietet er eine energetische Behandlung entlang der Meridiane an, die vorsichtshalber nicht Massage genannt wird.

Er zeigt mir die ersten Bewegungen des Tai Chi. Langsam. Noch einmal. Und noch einmal. Irgendwann machen Arme und Beine endlich das, was sie sollen. Er korrigiert einen Winkel hier, verlagert etwas Gewicht dort, mit der Geduld eines Menschen, der dieselben Bewegungen unzählige Male erklärt hat und trotzdem jedes Mal aufmerksam bleibt.
Am Ende stehe ich einfach da, die Arme in einer Haltung, die mir vor einer halben Stunde noch völlig fremd war. Erst jetzt merke ich, wie ruhig mein Atem geworden ist.
Wellness im Posthotel Achenkirch: Spa, versunkener Tempel und Rückzugsorte
Eine andere Form der Ruhe finden wir später im versunkenen Tempel: acht Meter unter der Erde. Ein runder Ruheraum mit Feuerstelle, Wasserbetten, Sauna und Dampfbad, der ein wenig an die Minen von Moria erinnert. „Herr der Ringe“ lässt grüßen – nur ohne Balrog und mit deutlich besserer Klimaanlage. Ob das nun ein Kraftort im esoterischen Sinn ist oder einfach ein außergewöhnlich gestalteter Rückzugsort, spielt keine Rolle.

Auch der Golfplatz hat seine Eigenheiten: klein, anspruchsvoll – und gepflegt von Dam- und Rotwild als lebende Rasenmäher.
Dazu kommen Reitstunden für Anfänger und Fortgeschrittene, Kutschfahrten zum Achensee oder Wanderungen zur hauseigenen Zöhreralm. Dort warten eine schöne Aussicht und eine Jause auf der Terrasse. Ob die Alm geöffnet hat, erfragt man am besten vorher an der Rezeption.
Posthotel Achenkirch am Achensee: viele Wege, um zur Ruhe zu kommen
Am letzten Tag übe ich die fließenden Bewegungen des Tai Chi noch einmal. Perfekt sitzen sie noch immer nicht. Aber sie fühlen sich deutlich vertrauter an als am ersten Morgen.
Das Posthotel Achenkirch, ein Haus und erstaunlich viele Möglichkeiten. Anfangs dachte ich, dass mich die Fülle eher stressen als entspannen würde. Drei Tage später sehe ich das anders. Man muss hier nicht genau wissen, wonach man sucht.
Man fängt einfach irgendwo an. Bei einem Pferd, das zurückschaut. Bei einem Ruheraum tief unter der Erde. Oder bei einem Frühstück, für das man sich bewusst Zeit nimmt. Irgendwann merkt man, dass die Reise tatsächlich längst begonnen hat.
Posthotel Achenkirch Resort & Spa – Adults only Hotel, Obere Dorfstr. 382, 6215 Achenkirch, www.posthotel.at, Verfügbarkeit und Preis prüfen
Transparenzhinweis: Zu dieser Reise wurden wir vom Hotel eingeladen. Auf Art, Inhalt und Umfang dieses Artikel hat dies jedoch keinen Einfluss, meine Meinung bleibt wie immer die eigene.
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