Zurück von Madeira

Kriege oder Katastrophen flimmern beinahe jeden Tag über den Bildschirm. Doch sie sind weit weg. Weil es nicht unsere eigenen sind.

Wie schnell sich das ändern kann, wurde mir gestern klar. Unwetter auf Madeira, mindestens 40 Tote soll es geben. Die Bilder schockierten mich: Funchal gleicht einer Schlammwüste. Straßen, Brücken, Bäume – weggerissen durch die Wucht des Wassers. Straßen, in denen wir noch vor einer Woche Karneval feierten. Straßen, die wir in den letzten zwei Wochen täglich passierten. Ich vermag mir nicht vorzustellen, was einer fühlt, dem die Existenz unter den Füßen wegbricht. Von einem Moment auf den anderen.

Doch so plötzlich und gewaltig das Unglück Madeira traf – die Ursachen hat der Mensch selbst geschaffen. Platznot betonierte die natürliche Infrastruktur einfach weg. Die alten Wasserkanäle (Levadas), die seit 600 Jahren das Wasser auf der Insel verteilen, können das niemals ausgleichen. Nicht mal bei normalem Wetter.

In diesem Winter schüttet es auf Madeira schon seit Wochen. So schlimm wie noch nie seit Aufzeichnung der Klimadaten, heißt es. Die Wasser-Reservoirs schwappen längst über. Einer dieser Millionen-Liter-Tanks ist geplatzt. Die Folgen sind unerbittlich: abgerutschte Hänge, Geröll-Lawinen und Wasserfontänen aus der Wand. Felsbrocken von der Größe eines Koffers liegen am Straßenrand.

Mehr als einmal wurde mir ganz seltsam, als unser Auto sich die Kurven rauf und runter schraubte – im Dauerregen. Fast freute ich mich auf Schnee und Eis in Deutschland. Am vergangen Donnerstag stürmte und goss es so heftig, dass kein Flugzeug mehr starten oder landen konnte. Ankommende Flieger mussten auf der Nachbarinsel landen. Wir hatten Glück. Drei Stunden später konnten wir doch noch abheben. Keiner ahnte, dass dieser Wolkenbruch das Fass zum Überlaufen brachte.

Wasser und Levadas hatte ich ursprünglich als letzten Teil eines mehrteiligen Madeira-Specials geplant – hier im Weinworte-Blog. Aus aktuellem Anlass (und da unsere Levada-Wanderungen wetterbedingt ausfielen) passt das nicht mehr richtig. Deshalb hier nur ein paar persönliche Gedanken zu diesem Thema. Das Madeira-Mosaik folgt in den nächsten Tagen.

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