WSET: In fünf Tagen um die Welt

Gemessen an Jules Verne sind wir Teilnehmer des WSET Advanced Certificate ziemlich flott unterwegs – von Sonntag bis Donnerstag rasen wir durch alle wichtigen Weinanbaugebiete der Welt. Natürlich nicht wirklich, sondern in Form von Power-Point-Präsentationen und intensiven Verkostungen. Nach fünf Tagen fühle ich mich wie Champagner beim Degorgieren: Der Pfropfen (hier: Anspannung) schießt heraus, es (hier: Wissen) sprudelt über, ein bisschen geht daneben (was mich angeht: unvermeidliche Schusselfehler).


Welche Alternativen gibt es für Chablis-Fans? Warum ist Chile ein perfekter Ort, um einen neuen Weinberg anzulegen? Wie bestimmt man Qualität und Reifepotenzial eines Weines? Täglich neun bis zehn Stunden lang dreht sich alles um diese und ähnliche Fragen. Qualitätsstufen in Deutschland, Italiens Weinstile, restliches Europa und die neue Weinwelt sind die Themen der Tage eins bis drei; mit der Bekämpfung von Traubenwickler und Co. oder den Verfahren der Schaumweinherstellung tangieren wir Stufen der Weinproduktion. Tag vier, die kopfinterne Festplatte ist längst voll, da steht Frankreich auf dem Plan – erwartungsgemäß ein Prüfungsschwerpunkt. Von Elsass bis Roussillon rauschen die Weinregionen im Eiltempo vorbei.

Gewiss, das Meiste habe ich schon mal gehört, viele Gebiete kenne ich durch Reisen. Die Kunst ist, das Wissen in den 90 Prüfungsminuten im Detail abzurufen. Wächst in Naoussa nun vorwiegend Xinomavro oder Maphrodavne – die Multiple-Choice-Fragen sind nicht schwer, aber tückisch, wenn man diese nicht genau liest. Mit rund 45 Minuten für 50 Fragen bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen. Danach folgt ein Fragenkomplex zu verschieden Aspekten, jeweils als kurzer Aufsatz. Außerdem müssen ein Rot- und ein Weißwein verdeckt verkostet, beschrieben und erkannt werden: Beaujolais Villages und Chenin Blanc aus Südafrika hießen die Weine des WSET-Sommerkurses 2011 in Berlin. Glatteis-Gefahr drohte auch hier, denn der Wein war einer aus der untersten Preisliga des Lebensmittelhandels – und nicht annähernd das, was ich sonst vom Kap kenne aus dieser Rebsorte.
Alles in allem ist das WSET Advanced Certificate eine lohnende Fortbildung für jeden, der beruflich mit Wein zu tun hat sowie für alle, die demnächst etwas tiefer gehend mit ihrem Weinhändler debattieren möchten.
Weitere Informationen: WSET – Wine & Spirit Education Trust; Weinakademie Berlin

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wordpress Anti-Spam durch WP-SpamShield