Sud de France: 1 Paket, 5 Weine, 50 Meinungen

Sud de France wird vier – und feiert den erfolgreichen Start als Dachmarke mit einer weltweiten Synchron-Weinprobe. Als Gäste luden die Franzosen 50 Journalisten und Blogger aus der ganzen Welt ein, die Vielfalt des Languedoc-Roussillon zu entdecken und dessen Weine zu verkosten. Sud de France vereint mehr als 30 Appellationen (g.U.) und über 60 IGP (Weine mit geschützter geografischer Angabe, g.g.A.). Aus mehreren Hundert wählte der Sommelier Dominique Laporte fünf Weine aus, die in ihrer Art typisch für die Region sind: Crémant de Limoux von Sieur d’Arques, einen Rosé der Vignerons Catalans aus dem Roussillon,  Cigalus von Gérard Bertrand, 30670 der Domaine Dromadaire und einen Muscat de Frontignan von Mas de Madame. Also, on y va!

Crémant de Limoux Grande Cuvée 1531 Sieur d’Arques

Das fängt gut an: Der Crémant aus der Genossenschaft in Limoux zählte lange Zeit zu meinen Lieblings-Pricklern. Irgendwann war es vorbei mit der Liebe, unsere Rendezvous endeten immer öfter in der Gosse. Das Problem hieß Kork. Fast fünf Jahre ist das her, Zeit für ein neues Date mit dem Ex. Hellgelb schimmert er im Glas, fein perlend und verhalten duftend. Ein Hauch von Brioche erinnert kurz an Champagner und verschwindet hinter einer dezenten Apfelnote. Schmeckt auch so: Grüne Äpfel und frische Säure dominieren – und doch wirkt der Crémant elegant. Ein Typ, mit dem man gern den Aperitif, Ziegenkäse oder Fisch genießt. Hach ja, alte Liebe korkt nicht …

Cigalus Gérard Bertrand Vin de Pays d’Oc 2008

Welcher Weißwein könnte das Languedoc Roussillon würdig vertreten? Vielleicht Viognier? Ganz falsch hätte ich nicht getippt, doch im Cigalus dominiert Chardonnay. Als ehemaliger Rugby-Spieler bevorzugt Bertrand das perfekte Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere: Chardonnay, Viognier und ein klitzekleiner Anteil Sauvignon Blanc liefern einen Wein voller Harmonie. Cigalus glänzt hell goldgelb im Glas, duftet frisch nach Grapefruit, weißen Blüten und Pfirsich. Im Geschmack zeigt er sich vielschichtig: Honig, Vanille, geröstetes Brot, Mango und Aprikose schieben sich abwechselnd über die Zunge. Eine dezente, süße Holznote verleiht dem Wein Opulenz, ohne ihn zu erschlagen. Cigalus – mehr Gentleman als Raufbold!

Fruité Catalan (Vignerons Catalans)

Jungs, jetzt müsst ihr tapfer sein: Dieser Rosé wurde für die Mädels gemacht. Rein optisch jedenfalls. Der Korken knallt mit einem Pink aus der Flasche, bei dem Barbie und Polly vor Neid erblassen. Was dann ins Glas flattert, ist aber kein Papillon, sondern ein fast kirschroter Brummer. Er verströmt eine Wolke aus Himbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen – ein Fruchtdrops ist es zum Glück nicht. Fruité Catalan ist mundfüllend, schmeckt beerig-würzig und kontert die Frucht mit einer gut balancierten Säure. Eine feine Herbe erinnert ein wenig an Mandeln und schwarze Oliven. Letzteres kann daran liegen, dass mit jedem Schluck der kleine Hunger etwas lauter schreit. Gegrillte Meerbarbe mit Anchoiade oder ein Salat mit Pelardon wäre eine gute Antwort. Aber mit luftgetrocknetem Schinken verwandelt sich der rosarote Panther aus dem Roussillon in einen Stier.

30670 Domaine Dromadaire 2006 Vin de Pays d’Oc

Domaine Dromadaire keltert nur einen einzigen Wein und der heißt 30670.  Wie die Postleitzahl von Aigues-Vives, einem kleinen Dorf zwischen Montpellier und Nîmes, wo die Idee für diesen Wein geboren wurde. Der Wein ohne Namen muss also etwas Besonderes sein, wurde er doch unter 300 anderen Roten für die Sud de France-Verkostung auserkoren. Der erste Eindruck ist intensiv: Schwarzkirschenrot, Aromen von Waldfrüchten, zarter Veilchenduft und feine Kakaonote. 30670 schmeckt nach Brombeeren und Schwarzen Johannisbeeren, mit weichem Gerbstoff. Très bons, nur das Bouquet verspricht mehr, als der Geschmack halten kann – die Cuvée aus Syrah und Grenache ist ein wunderbarer Landwein mit dem Charme eines Südfranzosen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und mit einer duftenden Daube, dem stundenlang geschmorten Ragout, ein Genuss.

Mas de Madame Muscat de Frontignan 2006

Um ein Haar hätte ich den Probenrest gegen eine Crème brûlée getauscht. Süßweine sind nicht meine Abteilung, bei einer Sud de France Weinprobe allerdings unverzichtbar. Wie flüssiges Gold glänzt der Wein, der die geballte Ladung getrockneter Früchte verströmt: Rosinen, Zitronat, Datteln, Feigen, Aprikosen, Printen – das ist Weihnachten im Glas! Nach ein paar Minuten verdrängt überraschend frühlingshafter Duft alles Schwere von Père Noël – mit betörendem Holunderblütenduft. Süß und süffig, und doch mit einer angenehmen Säure, bleibt der Wein unendlich lang im Mund. Lecker wie ein Honigkuchen, leider auch so üppig vom Alkohol. Es braucht schon Disziplin, diesen Wein nicht in einem Zug hinunterzukippen. Und nein, ich tausche nicht. Das war vor dem Öffnen der Flasche.

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2 Kommentare

  • Liebe Antje, was ich dir immer schon mal sagen wollte: Deine Weinbeschreibungen – zum Beispiel hier von der Sud de France-Weinprobe – finde ich einfach toll! Es liest sich so gut – einfach total flüssig, ist dabei immer abwechslungsreich und echt MAL WAS ANDERES!!! „Weil flüssige Texte besser schmecken“ – bei dir ist drin, was drauf steht! 🙂

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