Sauvignon Blanc: Ein dufter Typ

Sauvignon Blanc

Immer mehr deutsche Winzer bauen die beliebte Spezialität mittlerweile an. Mit Erfolg: In der Pfalz war Sauvignon Blanc 2010 die Rebsorte des Jahres – und feiert ein Comeback.


Unter Winzern gilt die Rebe als zickig. In jungen Jahren schießt sie fast wie Unkraut, reagiert sensibel auf den Wasserhaushalt. Mag es kühl, fordert aber viel Sonne. Erst im Alter von sieben bis acht Jahren zeigt Sauvignon Blanc eine konstante Aromatik. Und doch keinen einheitlichen Stil. Kaum eine andere Sorte polarisiert so sehr wie diese. Die einen sind der Ansicht, ein Sauvignon Blanc müsse grün und grasig sein. Wie das Vorbild aus Neuseeland. Wenn es sein muss, ernten sie einfach ein paar Tage früher. Andere verabscheuen diese „unreife“ Art und setzen statt auf schreiende Aromen lieber auf Eleganz. À la Loire. Als typisch gilt Sauvignon Blanc für viele, wenn er intensiv nach frisch geschnittenem Gras, Heu, Stachelbeeren oder Grapefruit duftet, Aromen von grünem Paprika offenbart und eine lebendige Säure hat. Für diesen vegetabilischen Typ werden die Trauben oft früh gelesen. Reifen die Beeren voll aus, überwiegen Aromen exotischer Früchte oder eine deutliche Cassisnote.

Sauvignon Blanc

Immer mehr deutsche Winzer sind von der duftenden Sorte begeistert. Bernd Weik war 1993 einer der ersten, der Sauvignon Blanc in der Pfalz kultivierte – erst seit 2000 ist die Rebe dort als Qualitätswein zugelassen. Während eines Praktikums in Australien 1986 lernte der Mußbacher die Sorte schätzen. Ihn faszinierte, wie intensiv bereits der Most duftet, der im Tank gelagert wurde zum späteren Vergären. „Als Winzer mag ich den Neuseeland-Stil, grün mit viel Frucht. Für meine Kunden versuche ich, den deutschen Weg zu finden. Meine Sauvignons duften nicht nur nach Stachelbeeren, sondern ebenso nach Holunderblüten oder Maracuja.” Der Erfolg gibt ihm recht: Beim internationalen Sauvignon Blanc Wettbewerb in Bordeaux im Juni diesen Jahres gewann sein Löwenherz eine Silbermedaille. Auch Uwe Ziegler lernte die Aromatraube während seiner Auslandsaufenthalte lieben. „In Neuseeland und Südafrika sammelte ich viel Erfahrung hinsichtlich Anbau und Stilistik. Als Standort haben wir in der Pfalz wärmere Lagen mit nährstoffreichen Böden gewählt und bauen den Wein aromabetont aus, mit anregender Fruchtsäure”, erzählt der Winzer aus Maikammer.
Sauvignon Blanc treibt spät aus und wird früh reif. Je nach Jahrgang variiert die Reife – bis hin zur Spätlese in sonnenverwöhnten Jahren. Selbst im Barrique bringt er hervorragende Ergebnisse. Alles Aspekte, weshalb die Sorte das deutsche Rebsortenportfolio bestens ergänzt – eine Konkurrenz zum Riesling ist er nach Ansicht vieler Winzer nicht. „Sauvignon Blanc ist mehr als eine Mode, doch den Massengeschmack bedient er eher nicht. Aber der Wein bietet durch die üppige Frucht eine Chance, jüngere Leute zu erreichen. Wir beobachten bei unseren Weinfesten einen gewissen Aha-Effekt”, erklärt Stefan Männle vom Pfaffenweiler Weinhaus in Baden. Neu ist die Rebe hierzulande keineswegs, sie feiert als Trendsorte ein Comeback. In Pfaffenweiler wurde sie schon 1692 angebaut, damals bekannt als Muskat-Silvaner. Durch Zwangsrodungen der bei den Nazis verhassten französischen Sorte verschwand die Rebe für Jahrzehnte. Mit einigen Stöcken aus dem Loiretal starteten die Pfaffenweiler Genossen 1997 erneut mit dem Anbau und füllen heute 75.000 Flaschen im Jahr.

Wozu Sauvignon Blanc, wir haben die Scheurebe in Deutschland, sagen Kritiker. „Nur wenige Erzeuger können mit Scheurebe gut umgehen. Der Ausbau ist schwierig und die Neuzüchtung konnte sich nur in der Nische durchsetzen”, betont Männle. Sauvignon Blanc ist dagegen eine traditionelle Sorte, die durch ihr internationales Image inzwischen gut vermarktet werden kann. Beide Sorten weisen durchaus Ähnlichkeiten auf – wenn Sauvignon Blanc voll ausreift, verschwinden die Pyrazine, Aromenverbindungen, die für das Grüne verantwortlich sind. Ein reifer Sauvignon Blanc erinnert an exotischer Früchte. Und zeigt – genau wie Scheurebe – ausgeprägte Cassisnoten. Genetisch ähnelt die Rebe dem Traminer, der als Muttersorte gilt. Als zweiten Elternteil vermuten Experten Chenin Blanc, konnten das bisher aber nicht lückenlos beweisen. Etwas geheimnisvoll ist auch die Herkunft. Belegt ist nur, dass sie im Südwesten Frankreichs in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angebaut wurde.
In Deutschland waren nach Angaben des Deutschen Weininstituts 2008 434 Hektar mit Sauvignon Blanc bepflanzt, das entspricht 0,4 Prozent der Gesamtanbaufläche. Seit 2001 hat sich die Fläche mehr als verzehnfacht. Ziemlich rasant, wenn man bedenkt, dass es vor fünf Jahren gerade mal 186 Hektar waren. Ganz so dynamisch wird es nicht weitergehen, bei rund einem Prozent der Gesamtrebfläche sehen Experten die Rebe in ein paar Jahren.
Flächenmäßig ist die Pfalz das wichtigste Anbaugebiet, fast die Hälfte aller deutschen Sauvignon Blancs stammt von hier. Weitere Hochburgen sind Rheinhessen, Baden und Württemberg.

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