Spontan reisen oder die Route planen?

Route planen

Reisen soll abwechslungsreich sein, erholsam, unterhaltend, spannend und so. Wäre es nicht wunderbar, einfach loszufahren, in der Gewissheit, alles ist bestens organisiert. Die Route, die Orte, die Unterkunft – hundertprozentig nach deinem Geschmack. Du brauchst dich um nichts mehr zu kümmern, nur noch reisen, staunen, leben. Na, wäre das nicht toll?

Ja. Und nein.

Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ein anderer sooo genau weiß, wie meine Reise im Detail ablaufen soll (weiß ich ja selbst oft nicht vorher), käme es mir vor, als würde ich dann gar nicht mehr selbst reisen. Sondern gereist werden. Mal ehrlich, da kann ich doch gleich vorm Fernseher hocken, oder?

cabrio
Reisen ist Freiheit: einfach der Nase nach …

Überhaupt: Die Frage stellt sich für mich nicht nach spontan oder organisiert. Warum entweder – oder, wenn ich sowohl als auch haben kann.

Ich plane gern:

– Neben Flug und Mietwagen (wegen dem deutschen Gerichtsstand im Fall der Fälle) buche ich auch die erste Übernachtung bereits von Deutschland aus. Nach einem langen Flug habe ich weder Lust noch Nerven, womöglich mitten in der Nacht, eine Bleibe zu suchen.

– Bleibe ich länger an einem Ort, reserviere ich ein hübsches Appartement, das zentral liegt und zu meinen geplanten Aktivitäten in der Gegend passt, ebenfalls vor der Reise. Es ist einfach zeitsparender als vor Ort etwas Geeignetes zu finden. Trotzdem hält mich das nicht davon ab, vor Ort umzuziehen, wenn sich das angepriesene Objekt als Absteige entpuppt (Punkt für spontan). Selbst wenn das wie letztens in Tel Aviv einen Tausender zusätzlich kostet.

– Ganz am Anfang überlege ich, was ich auf einer Reise erleben will. Daraus resultiert die grobe Route mit den verschiedenen Orten, den Fahrzeiten dazwischen sowie dem ungefähren Zeitbedarf.

– Irgendwelche Must-see? Sind mir eigentlich egal. Aus dem Alter, in dem ich irgendwelche Listen abarbeiten muss, bin ich raus (okay, meine Bucketlist ausgenommen). Das heißt aber nicht, dass ich keinen Spleen hätte: Ich buche gelegentlich Plätze in den angesagten Restaurants bereits Monate zuvor. Weil man spontan einfach keine Chance hat reinzukommen.

Schiffssteuer
Das Steuer in der Hand: planen oder lieber spontan?

Ich bin gern spontan unterwegs:

– Ich mag keine Listen mit Dingen, die ich machen muss/soll, sagte ich das schon? Trotzdem bin ich extrem anfällig dafür. Aber bitte, wenn schon, dann spontan. Ich informiere mich ein bisschen über das Reiseziel und habe immer einige Ideen parat, was ich tun könnte. Trotzdem überlasse ich es vor Ort oft dem Zufall, meiner Nase oder was auch immer, wohin es mich verschlägt. Irgendwie, irgendwann kreuzen die touristischen Pfade dann doch hin und wieder meinen Weg. Zum Glück nicht immer.

– Die schönsten Entdeckungen sind die, die zunächst nicht danach aussehen. Wir waren in Südafrika unterwegs in den Cedarbergen zum Wandern und wollten zurück nach Kapstadt. An der Westküste, in Paternoster legten wir einen Stopp ein, um die legendären Meeresfrüchte zu genießen. Es wurde spät, wir blieben spontan über Nacht. Der Ort hat uns so fasziniert, dass wir nun, bei unserer nächsten Reise, gleich ein ganzes Wochenende dort verbringen werden.

– Nix ist fix: Sansibar, eine einfache Hütte am Strand. Sehr einfach. Eher ein Holzverschlag mit Vorhängeschloss. Das „Restaurant“, ein Tisch mit Dach, offerierte ein einziges Essen, die Kühlung fiel aus (kein Strom) und das Personal hatte irgendwann Besseres im Sinn als sich um die wenigen Gäste im „Hotel“ zu kümmern. Sch… drauf, haben wir eben den Betrag für die bereits bezahlte Woche in den Sand gesetzt. Ein paar Telefonate später sind wir weiter gezogen zu einer Lodge, die etwas mehr Gastfreundschaft bot. Und einen noch viel schöneren Strand, den wir sonst womöglich nicht entdeckt hätten.

– Selbst im Ferienhaus koche ich nur selten, viel lieber gehe ich ins Restaurant. Die Auswahl erfolgt absolut spontan, es gilt nur eine Regel: Kein Lokal zwei Mal besuchen während eines Aufenthaltes. So kann ich maximal viel probieren.

– Früher hielt ich mich gern an den Iwanowski Reiseführer, der viele individuelle Tipps parat hatte. Heute kaufe ich lieber eine lokale Zeitung und schaue, was gerade so los ist. Um dann spontan hinzugehen.

Gemüse
Reisen ist wie Gemüse; bunt und abwechslungsreich. Der Mix macht’s.

Mein Fazit:
1. Spontanreisen funktioniert besonders gut, je mehr man Zeit hat.
2. Ganz ohne Plan mag ich es trotzdem nicht, siehe 1.

Ein Beitrag zur Blogparade von Jolly & Luke, die zum Thema Spontanreisen ein E-Book verfasst haben.

4 Kommentare

  • Ich reise auch lieber spontan. Die Aussicht Abenteuer zu erleben am Morgen nicht wissen wo ich am Abend bin oder übernachte macht für mich den Reiz am Reisen aus. Man kommt so auch viel besser mit Menschen in Kontakt und lernt die Reiseroute und -gegend am Besten kennen. Finde ich. 🙂

  • Hallo Antje,

    Dein „Ja und Nein“ kann ich gut nachvollziehen.

    Bei kleineren Reisen kann ich Dir nur zustimmen – lieber spontan vor Ort alles unternehmen. Bei Fernreisen bin ich aber auf Grund meines chronischen Zeitmangels ein Planungsfreek. Die Unterkünfte sind alle vorreserviert – einfach weil ich keine Zeit fürs Suchen vor Ort habe. Vor Ort aber gestalte ich meine Tage ganz flexibel.

    Für meine Gäste wiederum plane ich alle minutiös – einfach, weil sie stressfrei reisen möchten, keine Zeit haben, im Vorfeld selber alles zu organisieren und meist in der High Season reisen, in der man einfach nicht mehr so spontan die Wunschunterkünfte findet. Wie sie dann vor Ort ihre Zeit gestalten – das können sie ja immer noch selber entscheiden :-).

    Viele Grüße

    Daniela

  • Hallo Daniela,

    wenn du Unterkünfte vorab reservierst, bist du bei Fernreisen überwiegend an einem oder zwei Orten? Mir ging es öfters so, dass ich gern hätte noch bleiben wollen, eine andere Station mich aber weniger interessiert hat als angenommen. Dann bin ich froh, wenn ich nicht „planmäßig“ weiterziehen muss. LG, Antje

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