Weil Riesling rockt

Freitag, der 13. hatte nicht die geringste Chance, uns die Laune zu verderben. Im Gegenteil: Es war der grandiose Verkostungsabschluss eines langen Seminartages in Geisenheim – eine Weinprobe beim Weingut Robert Weil in Kiedrich.


Das Weingut bewirtschaftet 85 ha Weinberge, unter anderem die Lagen Klosterberg, Turmberg und den „Grand Cru“-Weinberg Gräfenberg in Kiedrich. Weil heißt Riesling, 99 Prozent sind mit der deutschen Paradesorte bepflanzt. Wärme und Sonne sowie Frischluft, die vom Taunus ins Rheintal strömt, bieten ein perfektes Mikroklima. Die Reben müssen sich tief strecken, um an Wasser zu gelangen auf den steinigen Böden. Im Kiedricher Turmberg dominiert Phyllit, ein blättriger Schiefer. Mehr Löss, aber auch Buntschiefer und Gneis prägen die Böden im Klosterberg. Der Kiedricher Gräfenberg (einst Berg des Rheingrafen) vereint die Vorzüge von Kloster- und Turmberg: hoher Gesteinsanteil mit wasserspeichernden Schichten. Die Lage wurde bereits im 12. Jahrhundert erwähnt. Als der Riesling am Ende des 19. Jahrhunderts seinen Höhenflug nahm und zu den teuersten Gewächsen zählte, brachte eine Auslese aus dem Gräfenberg für Weil den Durchbruch. Das Wiener Hofwirtschaftsamt bestellte 800 Flaschen für je 16 Goldmark – ein Apothekenpreis damals. Preislich bewegen sich die Weil-Rieslinge noch immer im gehobenen Bereich. Qualitativ an der Spitze.

Sieben Weine aus dem spannenden Jahrgang 2011:

Robert Weil Rheingau Riesling
Trockener Gutsriesling aus verschiedenen Lagen in Kiedrich, Hallgarten und Eltville. Schoppenwein auf hohem Niveau.

Kiedricher Riesling
Nach dem Vorbild der Klassifikation im Burgund: der Ortswein. Eine Selektion aus den drei Kiedricher Lagen Klosterberg, Turmberg und Gräfenberg. Eine Spur mineralischer als der Gutswein.

Kiedricher Klosterberg Riesling
Mineralisch-fruchtiger Lagen-Riesling, noch etwas verschlossen. Zu 50 Prozent im Holzfass und zu 50 Prozent im Stahltank ausgebaut.

Kiedricher Turmberg Riesling
Schon deutlich zugänglicher als der Riesling aus der Klosterberg-Lage. Stofflig, nachhaltig.

Kiedricher Gräfenberg Riesling Erstes Gewächs (künftig Großes Gewächs)
Fassprobe. Trauben aus sechs Selektionen, Süße-Säure perfekt in Balance.

Kiedricher Gräfenberg Riesling Spätlese
Etwa eine Woche nach dem Großen Gewächs gelesen, aber Trauben ohne Botrytis (Philosophie des Weingutes).

Kiedricher Gräfenberg Riesling Auslese
Mit 128 °Oechsle eigentlich schon eine Beerenauslese. 160 g Restzucker – zum Vernaschen.

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