Mittags im Weinladen

Mittags muss ich raus. Weil im Bürokühlschrank nicht mal mehr Licht vorhanden ist. Futter in Schreibtischnähe lenkt nur ab. Krümel auf der Tastatur kann ich schon gar nicht leiden. Außerdem ist es viel lustiger dort, wo ich mein Pausenbrot verzehre: im nahe gelegenen Weinladen. Genüsslich kauend erfahre ich so täglich eine Menge über die Wünsche und Vorlieben von Weinkonsumenten. Studiere das Rollenverhalten weinkaufender Ehepaare und beobachte wie schwierig eine Entscheidung am Regal sein kann. Kurz: ich erlebe die alltäglichen Freuden und Leiden eines Weinhändlers hautnah. Und Kunden, die immer wieder überraschen. Neulich zum Beispiel. Kam einer von denen, die es nicht nötig haben, aber trotzdem zwanghaft in jeder Ramschkiste nach Beute wühlen, und erklärte verschmitzt: „Ich suche nur nach reduzierten Weinen!“ Sorte? Unwichtig. Herkunft? Egal. Keine Restposten fürs Kleingeld? Der Weinhändler bedauerte aufrichtig. Der Sparfuchs trollte sich und versuchte sein Jagdglück woanders.

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