Khao Yai – Der Wein aus dem Regenwald

Er druckste schon eine ganze Weile herum. Dann fasst sich Chakri, unser Fahrer, ein Herz und schüttelt den Kopf. Er könne wirklich nicht verstehen, warum wir die Khao Yai Winery besuchen wollen. Ausgerechnet ein Weingut! Wo es so viel Schönes zu sehen gibt hier im Nordosten Thailands. Elefanten, Affen, Tiger. Warum nicht lieber die Wasserfälle im nahegelegenen Nationalpark bestaunen?

Also gut, machen wir zuerst eine Miniwanderung zum Heo Suwat Waterfall, der Traumkulisse aus dem Kinofilm „The Beach“ und danach fahren wir zum Lunch ins Weingut.

Dort treffen wir Siriwan Tam Najeen. Fast mediterran erscheint das Ambiente der Khao Yai Winery, mich erinnert es sehr an Südafrika. Im luftigen Gartenrestaurant „The Great Hornbill“, mit Blick auf die Weinberge, verkosten wir die drei Weinlinien von Khao Yai: Sawasdee, PB (die Initialen des Eigentümers, einer der Hauptanteilseigner der Singha Brauerei) und Pirom. Weine vom 14. Breitengrad – zugegeben, ein paar Vorurteile hatten wir. Doch anstelle der plumpen Versuchsballons, die uns bisher in Asien kredenzt wurden, überraschen uns vor allem Chenin Blanc und Shiraz mit einer erfrischenden Art und angenehmen 12 % Alkohol. Am meisten aber gefällt uns der erkennbar andere – tropische – Stil der beiden thailändischen Weinmacher, die ihr Handwerk in Neuseeland und Geisenheim lernten. Die Weine sind gehaltvoll, aber fruchtig … und einfach perfekt zur scharfen Thaiküche. Tam empfiehlt Frühlingsrollen, gefüllt mit Käse und Krabben sowie Algensalat als Vorspeise und serviert dazu Sawasdee Chenin Blanc. Zur gerösteten Ente mit Trauben und Lychee probieren wir den Rosé des Hauses, einen himbeerfarbenen, kräftigen Shiraz. Sein rotes Pendant, der fruchtige Shiraz Pirom schmeckt wunderbar zum roten Rindercurry.

Hauptsächlich Chenin Blanc und Colombard wachsen in den Weinbergen von Khao Yai. Nur ein Fünftel der Trauben sind rote, überwiegend Shiraz und Tempranillo. Nach Château de Loei und der Siam Winery gehört die Khao Yai Winery zu den Weinbaupionieren in Thailand.
Das größte von etwa einem Dutzend Weingütern im Asoke Valley liegt geschützt vor der Kulisse des Khao Yai Regenwaldes, dessen höchste Spitzen sich bis auf 1350 Meter erheben. Durch die gleichmäßig warme Temperatur wären zwei Ernten im Jahr möglich, aber die Weingüter im Asoke Valley beschränken sich auf eine Lese, um den Reben Zeit zum Regenerieren zu lassen. Arbeitsintensiv ist die Pflege der Weinberge vor allem durch das rasante Wachstum im tropischen Klima und dem damit verbundenen häufigen Rebschnitt.

Bei den Thais selbst gilt Wein als elitär, nur ein Fünftel wird im eigenen Land konsumiert – von den Gästen der großen Hotelketten in Bangkok. Wen wundert das bei Preisen ab neun Euro aufwärts, ab Weingut. Der Durchschnittsverdienst eines Thailänders beträgt 250 Euro im Monat.

Später, auf der Rückfahrt, sagt Mister Waterfall: Trauben sind bei uns zum Essen da. Wein, schmeckt das überhaupt?

Einen Besuch wert sind auch die anderen Weingüter, z.B. das bekanntere Weingut Hua Hin Hills, inklusive Ritt auf den Weinbergselefanten. Hier einige Impressionen:

Hier geht’s zu den Verkostungsnotizen. Ein ausführlicher Artikel über Thailands Weine folgt.

Mehr von Antje

Weinreisen: 5 trendige Ziele

Die Landschaft (atemberaubend), das Hotel (charmant), das Essen (lecker), der Wein (spitze),...
Mehr lesen

1 Kommentar

  • Pingback: Thailand Tagebuch: Wein-Notizen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wordpress Anti-Spam durch WP-SpamShield