Genuss ohne Glas

Pappkarton oder Schlauch – viele Leute überlegen nicht lange, was sie von einem Bag-in-Box erwarten. Minderwertige Qualität und Massenweine, lautet das ernüchternde Fazit. Doch die Erzeuger haben nicht nur optisch aufgerüstet: Tafelwein kommt genauso in die Tüte wie Bioqualität und AOC-Wein.

Bag-in-Box JeanJean Syrah Rosé

Die einen lieben das Format, für andere gehört Wein in eine Glasflasche. Basta. Und doch bewegt sich etwas: „Immer mehr Deutsche wachen auf. Sie merken endlich, dass BiB und Tetrapak nicht das Gleiche sind“, ist der Eindruck von Wolfgang Zuzock, Vinergie. Wein plus Karton ist gleich billig – eines der größten Vorurteile bei Bag-in-Box Weinen verliert langsam aber sicher seine Berechtigung. Noch nie war die Vielfalt bei den Weinverpackungen so groß. So unterschiedlich wie die Trinkanlässe, so passend sind die Outfits für zu Hause, für die Party oder fürs Picknick. Von 0,25 bis 20 Liter. Vom einfachen Tafelwein im Tetrapak bis zum Bio-Wein in der Bag-in-Box ist für jeden Anspruch etwas auf dem Markt.
Preiswert statt billig, so argumentieren die Verfechter von BiB. Es gibt weitere Vorteile für die Flaschenalternativen. „BiBs haben keine Korkschmecker, sind gut die Ökobilanz und für den täglichen Genuss so wunderbar easy zu handhaben“, schwärmt Zuzock.

Die Erzeuger verlassen mutig eingefahrene Wege und nutzen Ideen, die in der Mode- oder Kosmetikbranche seit Jahren funktionieren. Vor wenigen Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, einen AOC Wein in eine Tüte zu füllen, geschweige denn die Tüte als solche anzubieten. Bis jetzt. Bereits letztes Jahr stellte TCWP aus Südafrika dieses Konzept auf verschiedenen Messen vor, gefüllt mit Weinen der Marken Arniston Bay und Versus. Und pünktlich zur diesjährigen Freiluftsaison präsentierte Le Cep Francais die „it Pouch“. Von renommierten Modemagazinen wie Elle inspiriert, in denen it-Girls oder it-Bags das angesagte Teil der Saison präsentieren, entstand das Konzept vom Wein im Beutel. Ohne Umkarton. Sofort zapfbereit. Im Gegensatz zur Folie, die beim BiB nicht zu sehen ist, besteht die „it Pouch“ aus einem dickeren Material, das stabil genug ist, zu stehen. Bis zum letzten Tropfen. Außerdem kann man den Inhalt fühlen. „Der ‚it Pouch‘ passt für jede Gelegenheit und folgt dem Trend zum glasweisen Genuss. Wir wollen Konsumenten erreichen, die gern guten Wein trinken, das aber nicht unbedingt auf traditionelle Weise tun“, erklärt Exportdirektor Christophe Heymann. Deshalb habe man auch das kleinere 1,5-Liter-Format gewählt.
Das Tochterunternehmen von Jean Jean bietet drei verschiedene Linien: Silver fresh, No castle und Bivouac. Silver fresh sind verschiedene AOC-Weine für Wenig-Weintrinker, die Neues kennenlernen möchten. Für Fortgeschrittene gibt es No castle, eine Serie rebsortenreiner Sorten aus Südfrankreich: Carignan, Cinsault Rosé oder Grenache Blanc. Auf internationale Rebsorten wurde ganz bewusst verzichtet. Bivouac heißt die Bio-Serie in der neuen Verpackung. Die „it Pouch“ bezeichnet Heymann als besonders umweltfreundlich, es würden 80 Prozent weniger CO² Emission entstehen als durch zwei herkömmliche Flaschen. Aber der Beutel reduziere auch den Abfall um 90 Prozent. Mit dem normalen BiB kann die „it Pouch“ ebenfalls mithalten. Bis zu sechs Wochen bleibt der Wein nach dem Öffnen frisch.

Der Markt mit Kartonweinen ist seit Jahren relativ stabil, zuletzt leicht rückläufig. Nach den aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) werden jährlich in Deutschland 54 Mill. Liter abgefüllt. Dazu kommen noch weitere Importe von 11 Mill. Litern. Deutsche Kellereien exportieren 51 Mill. Liter.

Während Bag-in-Box und Tetrapak-Weine immer besser ihre Nische bedienen, rümpfen beim Stichwort Dose viele Weintrinker die Nase. International hat diese Verpackung längst ihre Fangemeinde gefunden – von Japan bis in die USA vertreibt Les Domaines Auriol die Weindosen. „Mit den Dosen sprechen wir die Individualisten an“, sagt Anne-Laure Chartron, Exportleiterin bei Les Domaines Auriol. Die silberfarbenen Minis sind bedruckt mit Texten, die den jeweiligen Wein charakterisieren und kosten 2,49 Euro (EVP). Domaines Auriol bietet die Portions-Dosen mit drei verschiedenen Cuveés an: Cabernet/Merlot, Syrah/Cinsault Rosé und Chardonnay/Sauvignon Blanc. Der Wein ist in der 250 ml-Aluminium-Dose lichtgeschützt, schnell auf Trinktemperatur kühlbar und am Ende bleiben 14 g recyclebarer Müll.

Für alle, die sich mit den Alternativen zur Flasche partout nicht anfreunden können, gibt es Wein im PET. Das leichte Material mit seinen nahezu unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten bietet vielfältige Möglichkeiten für farbige und ungewöhnliche Flaschenformen. Zu den PET-Pionieren in Europa zählt der französische Weinproduzent Chantovent, der seit mehr als zehn Jahren mit großem Erfolg seinen Wein La Payse in einer quadratischen 1,5-Liter-Flasche anbietet.
„PET-Weinflaschen sind wie gemacht für die Convenience-Generation. Sie sind stylish und praktisch durch den Screw-CAP. Weitere Vorteile sind Bruchsicherheit und niedrigere Transportkosten durch das geringe Gewicht“, betont Marja Réale, Verkaufsleiterin bei Yvon Mau. Nur 830 g statt 1,25 kg für 0,75 Liter bringt das Leichtgewicht auf die Waage, so dass auf eine Palette nun 864 Flaschen Platz finden. Außerdem reduziere die Herstellung einer PET-Flasche den CO²-Ausstoß um 17 Prozent, beim Transport würden sogar 50 Prozent weniger in die Luft geblasen.

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