Essen wir morgen allein?

Eine fremde Region erkunde ich gern von der Küche aus. Sie verrät viel über die Menschen, wie sie denken, leben, sind. Restaurantbesuche sind deshalb Pflicht auf jeder Reise. Ob die Küche bodenständig oder (ab)gehoben ist, finde ich gar nicht so wichtig. Ich liebe den Sternetempel genauso wie das kleine Lokal mitten auf dem Wochenmarkt in Frankreich (mein Favorit: Uzès) oder die unzähligen Tapasbars in Barcelona. Ich mag es, wenn ein Lokal die Mentalität der Einheimischen und des Landes widerspiegelt. Und wenn es schmeckt, klar. Trifft auch das Ambiente noch meinen Geschmack, umso besser.
Wie Restaurants in einigen Jahren aussehen könnten, ist derzeit auf der Intergastra in Stuttgart zu sehen. Studenten der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zeigen dort, wie sie sich die Zukunft der Gastronomie vorstellen.

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Gewonnen hat dieses Konzept, wohl auch, weil es zu kontroversen Diskussionen geradezu herausfordert. Die zunehmende Versingelung der Gesellschaft war der Grundgedanke für dieses Ein-Haus-ein-Tisch-Prinzip. Das verbindende Element ist der lange Tisch. Wie er auf einer italienischen Piazza stehen könnte. Alle sitzen am selben Tisch, nur bei diesem Konzept isst jeder für sich allein. In einem kleinen Haus, das an den Tisch gebaut ist. Durch einen unterirdischen Gang serviert der Kellner die Speisen und Getränke. Kein nerviges Gelaber vom Nebentisch, kein schräger Blick von gegenüber, dafür volle Konzentration auf den Genuss. Klingt gut, oder? Klingt vor allem: einsam. Doch, es gibt Leute, die sind gern allein. Und essen gern allein. Freiwillig. Die bekommen dann endlich nicht mehr den Katzentisch, sollte dieses Restaurant jemals gebaut werden.
Mir hat auch dieser Entwurf gefallen, der auf dem zweiten Platz rangiert:

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Ein Kokon, der zwischen zwei Wolkenkratzern, klebt. Der Platzmangel in Großstädten macht solche Ideen denkbar. Interessant dabei ist das Verbindende, das dieses Modell hat, da man von beiden Häusern hineingelangt.

Was die Köche der Gegenwart auf dem Kasten haben, zeigen diese in den Hallen live. Ich hatte heute das Vergnügen, beim großartigen Rocking-Chef Ralf Jakumeit zu probieren: Schweinebauch mit Selleriepüree und Sauerklee sowie Poularde mit Chorizodressing und Pimpernelle-Anis-Vinaigrette. Superlecker!

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Zum Verdauen gab es bei Jörg Geiger einen „Kirschport“. Der wird hergestellt wie der echte Portwein, nur eben nicht aus Trauben. Die Gärung der Kirschen wird mit Kirschbrand gestoppt und dann reift das Ganze für 18 Monate im Barrique. Duftig und konzentriert im Geschmack, der an Schwarzwälder Kirschtorte erinnert.

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Intergastra 01.-05.02.2014, Messegelänge Stuttgart, 10-18 Uhr, Tageskarte: 30 Euro (inkl. VVS-Ticket)

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