Der Weintourist von morgen

Das 4. Internationale Weintourismus Symposium in Iphofen zeigt neue Trends, Konzepte und engagierte Beispiele: Weinlabyrinth, Kultur im Weingut oder E-Bike-Weinwandern – neue Dienstleistungen wandeln den Weintourismus. Denn der klassische Weintourist hat sich bereits verändert.

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Alle reden von Nachhaltigkeit. Bezogen auf Weintourismus könnte dies bedeuten: Weinwandern, Weinproben, Übernachten beim Winzer, Weinseminare, Weinstraßen. Gibt es alles schon. Neue Produkte müssen her, die Qualität, Genuss, Erlebnis inszenieren und gleichzeitig interaktiv gestaltet sind. Idealerweise alles zusammen.

„Diejenigen, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt hatten, verändern plötzlich unsere Wirklichkeit: Aus Müslifressern werden Marktführer. Aus Alternativen werden Avantgardisten. Aus Weltverbesserern werden Werteträger. Die neuen Ökos sind keine grimmig dreischauenden Revoluzas mehr.“ Matthias Beyer, Dozent für Destinationsmanagement HNE Eberswalde

Fast jeder vierte Haushalt zeigt sich ökologisch verantwortungsbewusst: 7,5 Mill. der bundesweit 34,8 Mill. Haushalte reisen nicht nur sehr aktiv, sondern sind bereit, für nachhaltigen Tourismus entsprechend mehr Geld auszugeben. Eine Umfrage zum Konzept Franken – Wein.Schöner.Land unter fränkischen Weintouristen ergab, dass dieser nicht nur Natur genießen, sondern vor Ort übernachten und regionaltypisch schlemmen will. Zwei Drittel der Gäste, die länger als 3 Tage bleiben, kaufen bewusst Wein. Der typische Weintourist ist ein weinaffiner Genussmensch zwischen 40 und 60 Jahren, der mit Partner oder sehr guten Freunden reist und dabei gern eine längere Anfahrt auf sich nimmt.

Schöne Landschaft allein reicht nicht mehr. „Der Tourist mag es regional, erlebnisorientiert, authentisch – und individuell. Er sucht Sinn gebende Elemente. Rent a Weinstock kommt derzeit richtig gut an. Die Leute kommen mehrmals im Jahr ins Weingut, um nach ihrem Stock zu sehen, mitzuarbeiten und zu lesen. Später genießen sie den Wein im Kreise ihrer Freunde und schwärmen von ‚ihrem Wein‘. Eine bessere Kundenbindung gibt es nicht „, sagt Prof. Dr. Ulrike Pröbstl vom Institut Boku in Wien. Die eigene Cuvée bieten verschiedene Weingüter für Unternehmen, die mit Mitarbeitern oder Partnern für einen Tag in den Keller kommen, gemeinsam direkt aus den Fässern verkosten und ihren Lieblingswein kreieren. Dieser wird exklusiv abgefüllt und mit einem eigens entworfenen Etikett ausgestattet.

Der Südtiroler Franz Graf Pfeil hatte es „gründlich satt, sich auf Weinmessen herumzuquälen“, um seine Weine zu vermarkten. Verkaufen zählt nicht zu seinen Stärken. Er überlegte, wie er die Kunden auf seinen Kränzelhof locken und begeistern könnte. Während seiner Suche inspirierte ihn ein Buch über Labyrinthgärten. Den mittelalterlichen Ansitz in Tscherms bei Meran verwandelte Graf Pfeil in jahrelanger Arbeit in einen Wein-Kultur-Garten – ein Begegnungszentrum mit Amphitheater, Meditationsplatz und Irrgarten. Mittendrin platzierte er Skulpturen und Werke lokaler Künstler. Die Weine von seinen 6 ha Rebfläche verkauft der Winzer heute fast ausschließlich in seiner Vinothek an die rund 20.000 Gäste, die jährlich den Kränzelhof besuchen.

„Ich hatte es gründlich satt, mich auf Weinmessen herumzuquälen. Also überlegte ich, wie ich Kunden zu mir auf den Hof hole.“ Graf Pfeil, Kränzelhof

Über Weintourismus in Spanien referierte Rainer Brusis. Der in Barcelona lebende Berater stellte zahlreiche Weinstraßen und Museumsprojekte vor und wusste zu berichten, dass ein durchschnittlicher Tourist in Spanien am Tag 118 Euro ausgibt, während eine Weinkellerei nur 7 Euro pro Besucher einnimmt. Weintourismus gilt in Spanien noch als recht junger Dienstleistungszweig, rund 30 Prozent der Weinkellereien bieten Führungen, Kurse oder Ähnliches an. Im Jahr 2000 war es nur 1 Prozent. Allein die „Kathedralen des 21. Jahrhunderts, erbaut von weltberühmten Architekten“ ziehen jährlich 2,5 Millionen Besucher an. Etwa 87 Prozent davon sind eigene Landsleute.

Auf Natur- und Genussmenschen, die es gern gemütlich angehen lassen oder nicht mehr ganz so fit sind, zielt man in Franken mit E-Bike-Angeboten. Streng genommen sind es Pedelecs, da man im Gegensatz zum E-Bike selbst treten muss. Unterstützt wird der Radfahrer in verschiedenen Stufen von eco bis high für steile Anstiege. Ein Führerschein ist nicht erforderlich. Mit Vollgas durch die Weinberge brettern wird dennoch keiner, denn schneller als 25 km pro Stunde gibt die Akkuassistenz nicht her, jedenfalls nicht bergauf. Mit halbem Aufwand zum doppelten Vergnügen lässt sich eine Tour durch das Weingebiet locker und spaßorientiert gestalten. Spätestens auf dem Rückweg nach ein paar Schoppen Wein schätzt man seinen Stromtreter.

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