Buchtipp: Welcher Wein zu welchem Essen?

Ein Standardwerk zu diesem Thema sei überfällig, sagt Autorin Joanna Simon – und liefert es nicht.
Sie wolle kein Gesetzbuch schreiben, keine starren Regeln aufstellen. Ihr liege vielmehr daran, Grundprinzipien zu erklären. Damit jeder sie selbst herausfinden kann – seine Traumpaare.

Los geht’s mit den Einflüssen von Schwere, Säure, Salz oder Süße auf den Geschmack von Wein. Dabei können auch Fortgeschrittene noch lernen. Zum Beispiel die Wechselwirkung von Salz und Tannin. Nach einigen Beispielen schwieriger Partner erklärt Simon, welchen Weintyp die verschiedenen Garmethoden bevorzugen.

Weintyp muss zur Garmethode passen

Im Kapitel Planung beschreibt sie die Servierreihenfolge, Temperatur, Glaswahl und widmet sich der ewig aktuellen Frage: Dekantieren – ja oder nein?
Etwa ein Dutzend der wichtigsten weißen und roten Rebsorten stellt Joanna Simon vor. Sie charakterisiert deren Eigenschaften (Aromen, Säure oder Tannin) und ordnet sie passenden Speisekategorien zu.

Klassische Kombinationen aus aller Welt sind der umfangreichste Teil des Buches. Hier gibt’s detaillierte Informationen über Zutaten, die die Küche des jeweiligen Landes oder Landstriches dominieren und wie deren Eigenschaften mit Wein korrespondieren. Außerdem ein kurzer Abriss zum Wein aus dieser Region. Ergänzend: Eine Auswahl von Rebsorten oder Weinen, die im Allgemeinen zu den typischen Speisen passen, erleichtert die Weinauswahl. Insgesamt informativ gut auf den Punkt gebracht.

Wo ist Südafrika?

Europa ist ziemlich komplett vertreten, sogar Skandinavien findet Einzug, allerdings mit Weintipps aus den „klassischen“ europäischen Ländern. Dass auch Dänemark offizielles Weinbauland ist, wird (weil mengenmäßig unbedeutend) nicht erwähnt. Dazu kommt die neue Welt mit Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. Weder neu noch alt ist laut Simon der Ferne Osten – Indien, China, Japan und Thailand haben ein eigenes Kapitel bekommen. Empfohlen werden allerdings hauptsächlich europäische Weine zu den asiatischen Speisen.
Ups, da fehlt doch was. Wo ist Südafrika geblieben? Nix, kein Wort. Das gibt Punktabzug! Wie auch immer die Autorin klassische Kombinationen definiert – es gibt sie am Kap. Braai und CapeBlends, Fisch und Sauvignon Blanc und hundert andere schmackhafte Ideen.

Grundlagenwissen für gute und schlechte Kombinationen

Zum schnellen Nachschlagen runden Lösungsvorschläge das Buch ab: „Wein zum Essen und Essen zum Wein“.
Der Ansatz dieses Buches ist erfrischend anders: Der Leser erfährt nicht nur, was zusammenpasst. Er lernt, warum manche Kombinationen einfach grässlich schmecken. Wer einmal verstanden hat, welche Interaktion Säure oder Tannin des Weines mit der Sauce oder den Zutaten des Essens entfalten, wird künftig treffsicherer seinen Lieblingswein finden. Mir gefällt, dass die Weinkolumnistin Rebsorten, Herkünfte und Weinstile empfiehlt, anstatt konkrete Weine und Weingüter zu nennen, wie es leider in anderen Büchern Usus ist. Alles in allem ein praxisbezogener Ratgeber, der in der Küche eines Weinfans nicht fehlen sollte.

Joanna Simon
Welcher Wein zu welchem Essen?
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
ISBN: 978-3884728666

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