Iglu-Abenteuer im Montafon: Nachts im Eisfach

Drei Uhr morgens. Ein kalter Hauch streift das Gesicht, ich spüre meinen Atem, eisig wie die Wand, die meine Finger ertasten. Minus zehn Grad kündigte die Wetterapp an für diese Nacht. Mich fröstelt trotz Daunen und dem Schaffell unter mir. Ich öffne die Augen und sehe – nichts. Alles schwarz. Es ist absolut dunkel, nicht mal Schemen sind erkennbar. Und hören würde mich auch keiner, das sagte der Manfred am Abend als wir ums Feuer standen. Während ich hier drinnen im Schnee jedes Gespräch verstehen würde. Doch da draußen ist nichts, kein Laut. Nur mein Herz pocht durch die Stille. Ich greife nach meiner Stirnlampe …

Alles gut. Ich bin weder blind noch in Gefahr. Sondern in einem Iglu in den Montafoner Bergen auf 2.300 Metern Höhe. In einer Schneehöhle, die sich eher wie ein Biwak anfühlt, kaum größer als zwei mal 1,50 Meter und vielleicht 1,30 hoch.

Doch der Reihe nach.

Für das Abenteuer Iglu-Nacht nehmen wir die letzte Bergfahrt der Valisera-Bahn um 16 Uhr. Im Valisera Hüsli treffen wir unseren Guide Manfred und drei weitere Paare, die wie wir die Nacht im Schnee verbringen wollen.

Aufstieg vom Valisera Hüsli zum Iglu
Aufstieg vom Valisera Hüsli zum Iglu

Vom Valisera Hüsli aus machen wir uns auf den Weg, steigen eine halbe Stunde noch mal zweihundert Meter auf zum Schwarzköpfle. Wir sind die ersten Bewohner, erst eine Woche zuvor ist das „Iglu-Dorf“ entstanden. Eine ganze Nacht hindurch hat Manfred mit zwei Helfern, Pistenbully und Fräse die Höhlen in den Schnee gegraben: vier kleine Kammern für je zwei Personen und eine große, den Mannschaftsraum mit einem Tisch aus Eis. Keine leichte Sache, zumal die Raumdecke in einer Woche rund einen halben Meter nachgegeben hat. Es dauert ein paar Tage, bis Schnee und Eis sich verfestigen. Jetzt im Januar ist die Schneedecke am Gipfel 1,70 Meter dick. Bei entsprechender Witterung können die Iglus bis Ende März genutzt werden.

Abenteuer Iglu-Nacht: Sternenhimmel, unendliche Stille und ein Bett aus Eis

Während wir uns mit Glühwein innerlich und am Lagerfeuer generell aufwärmen, verschwindet die Sonne hinter den Gipfeln. Die blaue Stunde beginnt. Der Himmel färbt sich erst dunkelblau, dann schwarz bis in der kristallklaren Luft über uns ein Wahnsinns-Sternenhimmel zum Vorschein kommt. Unwirklich schön.

Glühwein und Würstchen grillen am Feuer
Glühwein und Würstchen grillen am Feuer
Über uns die Sterne. Überwältigend schön.
Über uns die Sterne. Überwältigend schön.

Zum Abendessen gibt’s Käsefondue und Würste, über dem Feuer gegrillt. Im großen Iglu sitzen wir dicht beieinander, richtig gemütlich ist es nun im Inneren und erstaunlich warm. Bis zu acht Grad über Null, meint Manfred. Es macht Spaß, seinen Geschichten zu lauschen, von denen er als Bergführer und Naturbursche so einige auf Lager hat. Sehr zur allgemeinen Erheiterung tragen die von der örtlichen Polizei bei – und als drei aus der Gruppe sich als Polizisten „outen“ gleich noch viel mehr.

Eingedeckt fürs Käsefonude: der Mannschafts-Iglu.
Eingedeckt fürs Käsefonude: der Mannschafts-Iglu.

Nach und nach verteilen wir uns auf die „Zimmer“. Ich hätte auf Manfred hören und nicht in voller Montur in den Schlafsack kriechen sollen (hinterher ist man immer schlauer). Aber bei minus zehn Grad bis auf die Unterwäsche ausziehen …? Die Folge: Ich kann mich kaum bewegen (klar, Daunenmantel und Skihose brauchen schließlich Platz) und bekomme kalte Füße. An Schlaf ist so kaum zu denken. Die Luftmatratze hat den Geist auch längst aufgegeben, was soll’s. Die Felle halten immerhin von unten die Kälte fern.

Draußen -8 Grad, drinnen kaum wärmer: schnell noch die Schuhe aus und dann ab in den Schlafsack.
Draußen -8 Grad, drinnen kaum wärmer: schnell noch die Schuhe aus und dann ab in den Schlafsack.

Herrlich still ist es hier oben, nur der Pistenbully dreht noch seine Runden. Wenn die letzten Skifahrer im Tal sind, werden die Abfahrten wieder präpariert, jeden Tag aufs Neue, von fünf Uhr abends bis zwei Uhr. Danach gehört uns der Berg allein heute Nacht.

Kurz vor sieben Uhr zieht es mich hinaus ins Freie. Am Horizont kündet ein pastellfarbener Streifen von einem weiteren Sonnentag. Noch ist es herrlich ruhig, nur der Schnee knarzt unter den Schuhen. Halb acht schaufelt der Lift die ersten Skifahrer auf den Berg.

Zeit für’s Frühstück, das der Wirt vom Valisera Hüsli schon für uns vorbereitet hat. Mit Eiern, Speck, Käse und heißem, duftenden Kaffee mit Schlagsahne – in der beheizten Stube.

Unberührte Stille: kurz vor Sonnenaufgang auf dem Schwarzköpfle
Unberührte Stille: kurz vor Sonnenaufgang auf dem Schwarzköpfle
Valisera Hüsli
Valisera Hüsli
Bergfrühstück im Valisera Hüsli
Genussvoller Abschluss des Iglu-Abenteuers: Kaffee mit Schlagsahne und ein herzhaftes Bergfrühstück im Valisera Hüsli

Packliste für dein Iglu-Abenteuer
Hüttenschlafsäcke (werden bereitgestellt)
Handschuhe
Mütze/Stirnband und Schal
Warme Unterwäsche und Skibekleidung
Warme Bergschuhe
Wintersocken (eventuell auch ein zweites Paar zum Wechseln)
Stirnlampe (wenn vorhanden)
Alkoholische Getränke (wenn gewünscht)
Sonnenbrille

Information und Buchung unter www.montafon.at

Buchung/Info: bis 16.00 Uhr am Vortag auf www.silvretta-montafon.at oder an allen Kassen.
Treffpunkt: Valisera Hüsli an der Bergstation der Valisera Bahn (gültiges Liftticket erforderlich) in St. Gallenkirch


Meinen Reisen werden zum Teil unterstützt von Tourismusorganisationen, Veranstaltern und Hotels. Auf Art, Inhalt und Umfang der Artikel hat dies keinen Einfluss, meine Meinung bleibt wie immer die eigene.

7 Kommentare

  • Die nächtliche Stille am Berg kann ich mir sehr gut vorstellen – sobald der Pistenbulli weg ist. Und eigentlich schlafen wir auch im tiefsten Winter bei offenem Fenster, egal welche Temperaturen draußen herrschen. Allerdings denke ich, dass man auf dem Eisbett recht hart schläft, oder?

  • Vor allem, wenn die Luftmatratze aufgibt …, Monika. Ich fand das eigentlich gar nicht so schlimm, da ich eine harte Unterlage eh bevorzuge. Ein Fenster ist keins im Iglu, nur eine kleine Holztür, ca. 80-90 cm hoch, also eher eine Luke.

  • Sieht toll aus und macht Lust auf einen zweiten Versuch. Meine erste Erfahrung im Iglu nicht im Montafon, war eher schwierig. Nicht wegen der Kälte sondern Schlafen ohne (offenes) Fenster.

  • Das war für mich auch ungewohnt, vor allem, weil der Iglu sehr klein war. Also Liegefläche für zwei Personen und nach oben gerade so viel Platz, dass man sitzen kann. Eine Option wäre, die Tür offen zu lassen, das war uns dann aber doch zu kalt.

  • Klingt wie eine sehr interessante Erfahrung. Es bleiben aber in der Tat zwei sehr interessante Fragen. Lässt der Schnee Luft durch? Und wenn man nachts raus muss – Dixi-Klo oder wie ist das gelöst?

  • Das war es, Sabine. Durch den Schnee bzw. das Eis kommt keine Luft rein. Es gibt aber eine kleine Tür aus Holz, durch deren Ritzen gibt es einen Luftaustausch. Aber nicht so wie bei einem offenen Fenster. Man müsste halt die Tür einen Spalt offen lassen. Die andere Frage ist gut gelöst: Ungefähr fünf Minuten Fußmarsch entfernt befindet die Bergstation vom Skilift und daneben ein kleiner Kiosk, dessen Toiletten wir nutzen durften.

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