Haiku

Herbst im Weinberg
Herbst im Weinberg

Es ist bunt da draußen, der goldene Oktober tobt sich aus, in diesem Jahr vielleicht noch ein bisschen länger als sonst. Es ist ja auch ganz hübsch anzusehen, dieses Lodern, wenn die Sonne ihre Strahlen in die Bäume feuert. Trotzdem, nichts kann drüber hinweg täuschen, dass es ein Abschied ist.

Was, schon wieder so weit?

Wie könnte man der aufkeimenden Wehmut, dass der Sommer nun doch zu Ende geht, besser begegnen, der grauen November-Tristesse gebührender Paroli bieten, als mit einem Haiku. Diese japanischen Kurzgedichte, in deren Melancholie man am liebsten baden möchte.

Inspiriert von einem Spaziergang durch die Weinberge klingt das dann so:


Ein letztes Mal streichelt die
Herbstsonne pralle
Trauben. Schenkt dem Wein Seele.

#

Weinlaub glüht im Sonnenschein.
Berauscht die Sinne,
versinkt im Herbstfarbenmeer.

#

Schrumplige Trauben tanzen
in frostiger Nacht.
Süße Kraft lebt im Eiswein.

#

Regen trommelt im Weinberg,
singt sein Abschiedslied
so monoton. Bald kommt Schnee.

Meine Haikus haben nur einen klitzekleinen Fehler. Es sind gar keine. Ein echtes Haiku geht so: 5 – 7 – 5. Fünf Silben, sieben, fünf. Und nicht umgekehrt. Ich nenne das jetzt einfach mal künstlerische Freiheit.

2 Comments

  • AbidiText sagt:

    Oh, wie schön! Ganz wunderbare Anti-Tristesse-Haikus. Silbe für Silbe, Schluck für Schluck ein Genuss. Freut mich, dich zu so was Wunderbarem inspririert zu haben :-)

  • Antje sagt:

    Danke. Das Kompliment gebe ich gern zurück!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *